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IAA 2009 : Wirtschaftskrise trifft Automobil-Ausstellung mit Wucht

Im Vergleich zur IAA 2007 (Foto) werden sich dieses Jahr ein Drittel weniger Aussteller präsentieren Bild: dpa

Wann hat es je eine unbeschwerte IAA gegeben? Krisenerfahrungen der Branche allesamt, doch reicht keine an das heran, was der IAA, die am 17. September eröffnet werden soll, bevorzustehen scheint. Die Zahl der Aussteller sinkt drastisch.

          Wann hat es je eine unbeschwerte IAA gegeben? 2001 stand die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt noch unter dem Eindruck der Anschläge am 11. September wenige Tage zuvor, alle Feiern wurden abgesagt, die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch. 2003 fiel die Schau wegen der lahmenden Konjunktur kleiner aus, 2007 stand die Branche, wie schon in den achtziger Jahren, wegen der unerfreulichen Emissionen der Autos mit dem Rücken an der Wand: Gerade hatte die Welt den Klimawandel entdeckt. Krisenerfahrungen der Branche allesamt, doch reicht keine an das heran, was der IAA, die am 17. September eröffnet werden soll, bevorzustehen scheint. Am Dienstag zog der Verband der Automobilindustrie, der die Schau alle zwei Jahre veranstaltet, eine Zwischenbilanz der Anmeldungen. Danach wird die Zahl der Aussteller mit 700 um ein Drittel niedriger ausfallen als vor zwei Jahren – damals waren 1081 gekommen –, die Ausstellungsfläche wird um ein Viertel schrumpfen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nun leiden auch andere Messen unter der Wirtschaftskrise, aber so hoch ist der Ausstellerrückgang noch bei keiner anderen größeren Schau in der Mainmetropole ausgefallen. Vergleichbar ist der Aderlass der IAA allenfalls mit dem der Cebit im März in Hannover, bei der das Minus 25 Prozent betrug. Der Verband der Automobilindustrie kleidete denn auch die schlechten Nachrichten gestern in allerhand aufmunternde Worte; „angesichts der schwierigen Gesamtlage der Industrie ist das eine sehr stabile Ausgangsposition für eine erfolgreiche IAA“, wurde Verbandspräsident Matthias Wissmann in der Pressemitteilung mit Verweis auf die Ausstellerzahl zitiert. „Diese IAA wird ein beeindruckendes Innovationsfeuerwerk bieten und eine Messe derer sein, die die Zukunft gestalten und gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

          Zahlreiche Absagen

          Dass der Absatzeinbruch in der Branche Folgen für die Ausstellerzahl haben würde, hatte sich schon in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Nissan, Honda, Daihatsu, Mitsubishi hatten schon abgesagt, auch die GM-Tochter Chevrolet. Auch Cadillac aus dem gleichen Konzern wird fehlen, ebenso die japanische Luxusmarke Infiniti, obwohl sie für den gleichen Monat den Verkaufsstart in Deutschland angekündigt hat. Ferner wird der Wiesbadener Zulieferer Federal Mogul der Messe fernbleiben.

          Der Verband versucht zu retten, was zu retten ist. So wurde den Unternehmen angeboten, nur während der vier Tage auszustellen, die für Journalisten und Fachbesucher reserviert sind, und zudem anstelle eines Messestandes nur einen kleinen Auftritt in einem „Showroom“ zu buchen. Diese beiden Möglichkeiten scheinen vor allem bei den Zulieferern beliebt zu sein, wie aus der Pressemitteilung des Verbands hervorgeht. Auch Continental wird sich mit solch einem „Showroom“-Ministand präsentieren; zunächst hatte der Konzern aus Hannover sogar angekündigt, gar nicht zu kommen.

          Die großen deutschen Hersteller allerdings bleiben der IAA treu. Mercedes hat wie stets die Festhalle reserviert, VW präsentiert sich abermals in der Halle 3. BMW hatte in den früheren Jahren ein riesiges Zelt aufgebaut, wird jetzt aber der erste Nutzer der Messehalle 11 sein, an der im Moment noch mit Hochdruck gearbeitet wird. Autos von Opel sollen in Halle 8 zu sehen sein. Nicht zum Kreis der Aussteller zählt nach Angaben des Verbands der österreichisch-kanadische Automobilzulieferer Magna, der womöglich bei Opel einsteigt – er war allerdings auch 2007 nicht zur IAA gekommen. Fiat hingegen wird da sein, in Halle 8.

          Eintrittspreise bleiben konstant

          Nicht alles wird sich auf der IAA ändern. Die Eintrittspreise bleiben konstant, hieß es (2007 kostete eine Tageskarte am Wochenende 15 Euro), und wie vor zwei Jahren hat sich zur Eröffnung die Kanzlerin angekündigt, die sich über den öffentlichkeitswirksamen Auftritt so wenige Tage vor der Bundestagswahl sicherlich freuen wird – die Feier findet am 17. September statt, der letzte Tag der IAA, der 27. September, ist dann zugleich der Tag der Bundestagswahl. Unter den 60 Automobilherstellern werden auch wieder drei aus China sein; 2005 hatte ihr erstmaliger Auftritt für Schlagzeilen gesorgt. Einige Hersteller kommen sogar 2009 erstmals, so der britische Sportwagenproduzent Lotus.

          Der Verband der Automobilindustrie hat sich entschieden, nicht so sehr auf die Zahlen zu schauen. Die IAA 2009 sei wegen der Krise mit keiner vorausgegangenen Messe vergleichbar, hieß es, „insofern macht auch eine rein quantitative Betrachtung, wie in den Vorjahren üblich, wenig Sinn“, äußerte Wissmann. „Der Schwerpunkt der IAA wird vielmehr in ihrer Qualität liegen.“ Das Motto 2009: „Erleben, was bewegt“.

          Außerdem kann, wie man weiß, alles immer noch viel schlimmer kommen. 1971 etwa wurde die Automobil-Ausstellung zum Entsetzen der Frankfurter Wirtschaft kurzfristig abgesagt – die Branche litt damals unter beachtlichen Kostensteigerungen und wusste sich nicht anders zu helfen. In dieser Zeitung wurde damals lakonisch angemerkt, für die Liebhaber schöner Fahrzeuge sei diese Schau ohnedies schon gestorben gewesen, weil es schon Wochen vor der Absage geheißen habe, die Probefahrten seien gestrichen. Davon immerhin ist in diesem schweren Jahr für die Automobilbranche nicht die Rede.

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