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Hotelbranche in der Krise : Die Ersten planen um

Bleiben bei ihren Plänen: Im „Tower One“ soll ein Hotel einziehen, wenn das Gebäude fertig ist. Bild: Lando Hass

Die Schließung des „Hessischen Hofs“ zeigt: Die Hotelbranche leidet besonders unter der Corona-Krise. Die ersten Bauherren entscheiden sich gegen Hotels in ihren Neubauten. Aber nicht alle Projektentwickler sehen schwarz für die Branche.

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          Wirklich überrascht wirkt Chantal Eckel nicht. „Es gab immer wieder Anzeichen und Gerüchte, dass beim Hessischen Hof etwas kommen könnte“, sagt die Maklerin, die für das Unternehmen BNP Paribas Real Estate den Frankfurter Hotelmarkt beobachtet. Das Grandhotel ist besonders stark vom Messegeschäft abhängig und schließt nun wegen der Folgen der Corona-Krise seine Türen. „Ein Paukenschlag“, meint ihr Kollege Alexander Trobitz. Doch Eckel rechnet nicht damit, dass nun ein „Dominoeffekt“ eintritt und weitere Häuser schließen werden. „Die Durststrecke wird noch etwas länger anhalten. Aber das Reise- und Messegeschäft wird wiederkommen.“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor zwei Jahren hat das Maklerhaus BNP den Hotelmarkt analysiert. Die Zahlen waren damals auf einem Rekordniveau: Fast zehn Millionen Übernachtungen wurden gezählt. Mehr als 50.000 Hotelbetten gibt es in der Stadt, viele davon sind in den vergangenen Monaten allerdings leer geblieben. Frankfurt ist besonders stark vom internationalen Tourismus abhängig: 42 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Entsprechend deutlich schlagen die Reisebeschränkungen auf das Hotelgewerbe durch. Zumal nicht nur der private Tourismus zurückgeht, sondern auch Geschäftsreisen entfallen. Viele Hotels waren deshalb wochenlang geschlossen. „Der Rückgang ist dramatisch“, sagt Eckel. Trotzdem rechnet sie mit einer Erholung: „Bis 2023 werden wir wieder auf dem Niveau von 2019 sein.“ In Randlagen werde die Erholung später einsetzen als im Zentrum.

          Büroflächen statt Hotelbetten

          Wer noch reagieren kann, der plant um. Die ersten Projektentwickler entscheiden sich, die Nutzung ihrer Neubauten zu ändern. Das gilt beispielsweise für ein Hotel, das das Unternehmen UBM an der Europa-Allee geplant hatte. Dort sollen nun Büroflächen entstehen. Und auch die Gerch-Gruppe, die auf dem Gelände des alten Polizeipräsidiums ein Hochhaus errichten will, hat angekündigt, dessen Nutzung noch einmal zu überdenken. Ursprünglich sollten Hotelzimmer das Hochhaus zu einem Drittel füllen.

          Auch das Unternehmen CA Immo baut im Europaviertel mit dem „Tower One“ ein Hochhaus, in das ein Hotel mit einziehen wird. Allerdings wird es erst fertig sein, wenn die Krise hoffentlich schon überwunden ist. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass wir Hotels in unsere Entwicklungen integrieren“, sagt ein Sprecher. Der Hotelmarkt in Frankfurt sei stark geprägt vom Messegeschäft. „Wenn wir die Corona-Krise in den Griff bekommen, wird sich auch der Tourismus wieder normalisieren.“

          Der Projektentwickler Oliver Barth hält ebenfalls nichts vom „Totengesang auf die Infrastruktur“. Er hat zwar Verständnis dafür, dass die ersten Bauherren die Nutzung ihrer Gebäude ändern. „Immobilien sind ein träges Gut. Man muss jetzt eine Entscheidung treffen.“ Aber Frankfurt bleibe eine hochinteressante Stadt für den geschäftlichen und privaten Tourismus. „Wir werden keine Welt erleben, in der nicht mehr gereist wird. Man entwickelt sich nur weiter, wenn man neue Eindrücke gewinnt und Leute persönlich trifft.“ Darauf setzt auch BNP: Die Stadt habe durch den Bau der neuen Altstadt und die Erweiterung der Skyline an Attraktivität gewonnen. Gründe genug, warum die Touristen wiederkommen sollten.

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