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Trend zum Pendeln hält an : Homeoffice als Mietpreisbremse

Die Büros leeren sich: Der Trend zum Homeoffice dürfte anhalten, heißt es in einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung PWC in Frankfurt. Bild: Victor Hedwig

Jeder dritte Beschäftigte überlegt laut einer PWC-Umfrage, wegen hoher Mieten aus der Rhein-Main-Region wegzuziehen. Homeoffice macht es möglich. Experten halten das sogar für sinnvoll – unter einer Bedingung.

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          Homeoffice funktioniert für viele Tätigkeiten bestens. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC. „Das wird auch nach der Krise anhalten“, davon ist Michael Burckhart, Standortleiter von PWC-Frankfurt überzeugt. Denn alle Seiten profitierten, kommentierte er die Ergebnisse der von seiner Gesellschaft initiierten jährlichen Befragung unter 400 Berufstätigen aus der Region.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu den positiven Effekten der Heimarbeit zählt er, dass Beschäftigte mit längeren Anfahrtswegen nicht mehr täglich pendeln müssten. Das könne dazu führen, dass sich mehr Arbeitnehmer für eine Wohnung entscheiden, die weiter entfernt und deutlich günstiger sei. „Unternehmen können ihrerseits mit flexiblen Arbeitsmodellen bei der Suche nach Fachkräften punkten“, sagt Burkhart. „Nicht zuletzt wirkt es sich positiv auf Umwelt und Klima aus, wenn die Pendlerströme zurückgehen.“

          Mehr Wohnungsbauprogramme gefordert

          Während der Pandemie arbeiteten 62 Prozent der Befragten aus der Region zumindest zeitweise im Homeoffice und die Mehrheit rechnet damit, dass es auch nach der Krise dabei bleibt. Ein Trend, der laut der Studie dazu führen könnte, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt ändert.

          Allerdings sei Heimarbeit längst nicht für alle eine Option: 38 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aufgrund ihrer Tätigkeit gar nicht von zu Hause arbeiten können. „Gerade für systemrelevante Berufsgruppen wie Polizisten, Pflege- und Reinigungskräfte, die nicht gerade zur Gruppe der Spitzenverdiener gehören, muss es deshalb auch in Zukunft bezahlbaren Wohnraum in der Stadt geben“, fordert Burkhart.

          Die Verantwortung dafür, dass es zu wenig bezahlbare Wohnungen gibt, sehen 52 Prozent der Befragten bei den Investoren, die ein zu hohes Interesse am Luxussegment verfolgten. Möglichkeiten, die angespannte Lage zu verbessern, sind nach Meinung von neun von zehn Befragten Wohnungsbauprogramme für Haushalte mit geringem Einkommen. Auch Arbeitgeber könnten etwa mit Betriebwohnungen, Miet- oder Fahrtkostenzuschüssen helfen.

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          Bei PWC hält man solche Investitionen der Arbeitgeber angesichts des Fachkräftemangels für dringend notwendig. Die schwierige Lage auf dem Mietmarkt habe längst Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. 90 Prozent der Befragten befürchten, dass sich bald nur noch Gutverdiener das Leben in der Stadt leisten können, während etwa Pflegekräfte Arbeitsplätze außerhalb suchen würden.

          Im Schnitt 30 Minuten Pendeln

          Der angespannte Wohnungsmarkt beschäftigt aber nicht nur Geringverdiener. Neun von zehn Berufstätigen sind der Meinung, dass es reine Glückssache ist, in Großstädten eine bezahlbare Wohnung zu finden. Fast jeder Dritte hat schon einmal erwogen, den Job wegen zu hoher Miete zu wechseln. 84 Prozent befürchten, dass die Mieten in den nächsten fünf Jahren weiter steigen werden, wobei schon jetzt fast 60 Prozent ihre Miete als überhöht empfinden. Um günstiger zu wohnen, nehmen laut Studie viele längere Anfahrtswege in Kauf: 60 Prozent pendeln, für sie liegt die mittlere Fahrtzeit bei einer guten halben Stunde. Als maximal vertretbare Pendelzeit gelten 43 Minuten. Fast jeder Zweite wäre aber bereit, mehr als 40 Minuten Fahrt in Kauf zu nehmen.

          Jenseits der Kritik an den Preisen fühlen sich 93 Prozent der Befragten in der Region sehr wohl. Sie bewerteten Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsinfrastruktur, kulturelle Angebote und Jobmöglichkeiten als sehr gut. „Dabei ist die Zufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr in vielen Bereichen sogar noch gestiegen, obwohl während des Lockdowns viele Angebote gar nicht genutzt werden konnten“, sagte Burkhart.

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