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Hollister in „My Zeil“ : Erfolgreicher Lauschangriff

  • -Aktualisiert am

Staugefahr nicht nur an Ostern: Regelmäßig stehen Kunden vor Hollister in Frankfurt Schlange Bild: Lucas Wahl

Ohrenbetäubender Lärm, spärliche Beleuchtung, enge Gänge: Wem das nicht passt, der gehört nicht zur Zielgruppe von Hollister. Auch bei Levi´s in Frankfurt beschweren sich manche Kunden über die Lautstärke. Im Gegensatz zu Hollister will der Jeanshersteller darauf reagieren.

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          Ohrenbetäubender Lärm, spärliche Beleuchtung, enge Gänge: Wem das nicht passt, der gehört nicht zur Zielgruppe des Modeunternehmens Hollister. Wer mehr über die Südkalifornier wissen möchte, wird in der im vergangenen Jahr in Frankfurt eröffneten Filiale ignoriert.

          Die brummenden Bässe der Musikboxen sind schon einige Meter vor dem Eingang deutlich zu hören. Optisch gibt sich das Bekleidungsgeschäft im Einkaufszentrum „My Zeil“ exotisch und verschlossen. Drinnen ist aufgrund des gedämmten Lichts erst einmal nicht viel zu sehen, zu hören gibt es umso mehr. Der Lärm lässt kein Gespräch zu. Laute Musik gehöre zum Konzept, sagt einer der Verkäufer. „Die Muttis mit den Kindern beschweren sich schon mal, aber da kann man halt nichts machen, ne?“ Auch die umliegenden Geschäfte hätten sich bereits bei den Mitarbeitern der Filiale über die Dauerbeschallung beklagt, sagt ein anderer Kollege.

          Centermanager Gottfried Wabra weiß nach eigenen Angaben nichts von solchen Beschwerden. Ganz im Gegenteil. Der Exot Hollister sei eine Bereicherung für „My Zeil“ und extrem wichtig, denn viele Kunden kämen allein wegen der amerikanischen Trendmarke. Allerdings höre das Centermanagement beim Thema Lautstärke ganz genau hin. Das friedliche Miteinander der Geschäfte stehe selbstverständlich im Vordergrund, fügt Wabra hinzu.

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          Zara mag es ruhig

          Die Angestellten von Hollister bleiben trotz des kleinen Lauschangriffs entspannt: „Hier ist alles lässig und cool. Da darf geile Mucke eben nicht fehlen.“ Wem das nicht passe, der müsse hier schließlich auch nicht einkaufen, sagt ein Verkäufer. Doch die Kunden kommen, und das Konzept des Ladens funktioniert. Die Wartezeiten vor den Umkleidekabinen und an der Kasse sind lang. Selbst vor dem Eingang bilden sich Schlangen wie vor einer Diskothek.

          Zur gleichen Zeit hält sich jedoch der Andrang vor anderen Geschäften Frankfurts in Grenzen. Kunden sind im neuen Levi's Laden nahe der Hauptwache Mangelware. Die Musik dort ist etwas leiser. Die Ausrichtung der Musikboxen und die Lautstärke sind auch bei Levi's ein Thema. Darum müsse sich in den nächsten Wochen noch einmal ein Techniker kümmern, sagt eine Verkäuferin. Bei der Eröffnung des Ladens sorgte ein professioneller DJ für die passende Musik. Viele Kunden beschwerten sich aber auch hier über die Lautstärke. Levi's will im Gegensatz zu Hollister auf die Proteste reagieren.

          Absichtlich ruhig geht es hingegen beim Modeunternehmen Zara zu. Das Ziel sei es, die Atmosphäre des Ladens durch die Produkte, die Architektur und die Mitarbeiter zu prägen, sagt Unternehmenssprecherin Frauke Schmidt. „Die Hintergrundmusik, die wir in unseren Filialen spielen, ist darauf ausgerichtet, diese Atmosphäre zu unterstreichen“, sagt sie. Die Musik spiele dabei eine wichtige, aber nicht die Hauptrolle.

          Im Falle Hollister wird klar eine andere Verkaufsstrategie verfolgt. Welche das genau ist, bleibt allerdings unklar, da das Unternehmen für keine Stellungnahme zur Verfügung steht. Das Interesse der Amerikaner an den Medien sei gering bis gar nicht vorhanden: „Man gibt sich gerne etwas geheimnisvoll und bleibt im Verborgenen. Wo zum Beispiel der nächste Shop eröffnet, weiß niemand. Das müssen die Kunden selbst rausfinden“, sagt Wabra.

          Marke nach Vierteljahr am Markt etabliert

          Genau diese Geheimniskrämerei mache das Label für junge Käufer interessant. Auch Werbung gehöre nicht zum Konzept. Vieles, wenn nicht gar alles laufe über Mundpropaganda der Jugendlichen, die dank der modernen Technik so gut vernetzt seien, dass dieser Kommunikationsweg viel schneller sei als klassische Werbung, sagt Wabra. „Hollister ist ganz anders als alles, was wir kennen. Deswegen passt es auch so gut zu ,My Zeil'. Auch wir wollen anders sein“, fügt er hinzu.

          Nach Angaben von Wabra läuft das Geschäft bei Hollister sehr gut. Normalerweise dauere es ein bis zwei Jahre, bis sich eine neue Marke etabliere. Das habe Hollister schon nach knapp drei Monaten geschafft. Schon in sehr kurzer Zeit werde es die ersten Nachahmer geben, vermutet Wabra. Das Konzept sei eine Initialzündung für den deutschen Markt. In erster Linie werde nicht die Kleidung, sondern ein südkalifornisches Lebensgefühl verkauft, konsequent und ohne Werbung oder Gespräche mit der Presse.

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