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Frankfurter Start-up : Finanzguru in der Höhle der Löwen

  • -Aktualisiert am

Zwei Brüder, ein Gedanke? Alexander und Benjamin Michel wollen mit ihrer App „Finanzguru“ einen Millionendeal in der „Höhle der Löwen“ einholen. Bild: Wolfgang Eilmes

Bei der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ hofft ein Frankfurter Start-up mit einer Konto-App auf einen Millionendeal. Doch was gibt die App der Gründer her?

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          Nein, so wirklich begeistert waren die Eltern von Alexander und Benjamin Michel nicht, als die Zwillinge ihnen sagten, dass sie ihre Arbeitsplätze aufgeben würden, um ein Finanz-Start-up zu gründen. „Die sind damals aus allen Wolken gefallen und haben gesagt: Das könnt ihr doch nicht machen, so gute Jobs zu kündigen“, sagt Alexander Michel. Sein Bruder Benjamin hatte spontan beschlossen, seinen Job bei der Postbank zu kündigen, und Alexander gefragt, ob dieser mit ihm zusammen ein Unternehmen gründen wolle. Was folgte, sei eine Zeit mit Höhen und Tiefen gewesen, sagen die beiden heute. Phasenweise mussten sie sich bei der Familie Geld leihen, um überhaupt die Miete zahlen zu können.

          Heute arbeiten die 29 Jahre alten Brüder aus einem kleinen Dorf im Hunsrück in einem schicken Co-Working-Großbüro im Schatten der Frankfurter Bankentürme. Und nun sind die Zwillinge mit ihrer App „Finanzguru“ in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ zu sehen, die regelmäßig von knapp drei Millionen Zuschauern gesehen wird. Darin wollen die Gründer die Unterstützung und das Geld von fünf finanzkräftigen Investoren, den „Löwen“, gewinnen – so wie schon die hessischen Start-ups Lizza (Pizza und Nudeln aus Leinsamen), Sywos (Fitnessgerät) oder Abfluss-Fee (Abflussstopfen).

          Die Idee, die Investoren wie Carsten Maschmeyer, Frank Thelen oder Dagmar Wöhrl überzeugen soll: Der Nutzer verbindet ihre App „Finanzguru“ mit seinen Bankkonten, woraufhin die Anwendung sämtliche Transaktionen ausliest und Muster erkennt. Sie zeigt regelmäßige Eingänge und Fixkosten und prognostiziert bei geplanten Abbuchungen den Kontostand. Außerdem vergleicht die App Verträge von verschiedenen Anbietern, etwa Strom und Versicherung, und gibt Tipps, zu welchem günstigeren Konkurrenten der Nutzer wechseln kann. Hierfür arbeitet das Start-up mit dem Vergleichsportal Verivox zusammen. Direkt in der App lässt sich der alte Vertrag kündigen und ein neuer abschließen – über die Provision, die dabei anfällt, finanziert sich die für Nutzer kostenlose Anwendung.

          Blick auf den Datenschutz

          Sprechen Alexander und Benjamin Michel über das Projekt, benutzen sie Begriffe wie „finanzielles Zuhause“ oder „freundlicher Alltagshelfer“. „Wir bauen eine App, die das empfiehlt, was wir auch unserem besten Freund empfehlen würden“, sagt Alexander. In Zeiten von Hacking-Angriffen und Diskussionen über Datenschutz dürften viele Nutzer der Idee skeptisch gegenüberstehen. Ein Problem, dessen sich die beiden bewusst sind. „Fintech braucht Vertrauen. Deshalb ist das Wichtigste, dass niemand im Unternehmen Zugriff auf personenbezogene Daten hat“, sagt Benjamin Michel.

          So sieht sie aus: Die App „Finanzguru“, welche die Brüder Alexander und Benjamin Michel entwickelt haben.

          Die App erstelle einen anonymisierten Zwilling, für den beispielsweise konkrete Vertragsnummern unbekannt blieben. „So sehen wir lediglich, dass eine Person in Frankfurt wohnt und einen zu teuren Stromvertrag hat.“ Für Apps wie „Finanzguru“ gälten ähnliche Datenschutzvorgaben wie für Banken. Zudem werde die Firma von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) reguliert, um Sicherheitsstandards zu erfüllen.

          Die Idee für die App hatten die Brüder schon im Kopf, als sie sich bei der Postbank mit mobilem Banking beschäftigten. Doch innerhalb des Konzerns fehlten ihnen die Freiheiten. Sie beschlossen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Vor zwei Jahren nahmen sie mit einem kleinen Team an einem internationalen „Hackathon“ der Deutschen Bank teil, einer Art Programmierwettbewerb. In nur 42 Stunden arbeiteten sie die erste Idee für die App aus, machten die Nacht durch und konnten damals den heutigen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing von ihrem Projekt überzeugen.

          Eine Million für zehn Prozent?

          Seitdem arbeitet das Start-up mit der Deutschen Bank zusammen. Seit Februar dieses Jahres ist die App verfügbar. Konkrete Nutzerzahlen verraten die beiden nicht, lediglich, dass aktuell rund 350000 Verträge mit ihrer Anwendung verwaltet würden.

          Aber wie innovativ ist das Prinzip tatsächlich? Die Idee einer Vergleichsplattform, geben sie zu, sei nicht neu. Ebenso wenig wie Online-Banking oder ein Vertragsordner. „Aber bisher war das alles sehr aufwendig und auf verschiedenen Plattformen“, sagt Alexander Michel. Bei ihnen sei alles in einer App gebündelt, in die sich der Kunde nur einloggen müsse. „Und die Künstliche Intelligenz macht den Rest, das macht den Unterschied.“

          Ein Unterschied, für den die Gründer einiges haben wollen: Eine Million Euro für zehn Prozent der Firmenanteile werden sie in der Investorensendung fordern. Ob sich einer der „Löwen“ darauf einlässt, durften die beiden vor Ausstrahlung der Sendung nicht verraten. Es wäre einer der teuersten Deals der Show.

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