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Porzellan in der Krise : Nun soll es Korea richten

Modernes Design: Die Höchster Porzellanmanufaktur stellt weiterhin Produkte mit traditionellen Mustern her, hat aber auch neue Kollektionen entwickelt. Bild: Waldner, Amadeus

Der Höchster Porzellanmanufaktur geht es nicht richtig gut, aber Eigentümer Jörg Köster hat die Lust noch keineswegs verloren.

          Diese Woche hat sich Jörg Köster richtig geärgert. Denn in der „Frankfurter Neuen Presse“ stand, sein Unternehmen sei angeschlagen und habe auch zeitweise die Löhne nicht pünktlich gezahlt. Erstens überweise er längst wieder termingerecht, sagt Köster. Und zweitens: Was gehe das denn überhaupt die Öffentlichkeit an? Aber so ist das eben, wenn man ein traditionsreiches Unternehmen besitzt und eines, dessen Produkte sich die Leute gern anschauen, auch wenn sie sie nicht gleich kaufen. Denn Köster ist Eigentümer und Chef der Höchster Porzellanmanufaktur.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Im werkseigenen Geschäft des kleinen Unternehmens an der Palleskestraße in Frankfurt-Höchst kann man viel Geld lassen. Ein Fingerhut aus Porzellan, filigran bemalt, kostet 118 Euro, die aufwendig gestaltete Vase in der gleichen Vitrine 1698 Euro. Bulle und Bär, so wie sie auf dem Börsenplatz stehen, nur kleiner natürlich, sind für 901 Euro zu haben.

          Eine ganze Branche schrumpft

          Leider ist Porzellan nicht mehr so gefragt. Die jungen Leute decken sich bei Ikea ein, wenn sie Geschirr benötigen, selbst dem Branchenführer in Meißen geht es schlecht. Große Hersteller wie Hutschenreuther haben aufgegeben. In den neunziger Jahren beschäftigten Porzellanhersteller in Deutschland noch 30.000 Mitarbeiter, jetzt sind es keine 5000 mehr.

          Fünfzehn davon leben von der Höchster Porzellanmanufaktur, die über Jahrzehnte Hoechst und der Dresdner Bank gehörte, zwei Konzernen, die längst dahingegangen sind. Nachdem zunächst das Land eingesprungen war, wurde Köster, der 2003 als Geschäftsführer bei der Manufaktur einstieg, 2010 Alleininhaber.

          Köster rechnet für 2014 mit Gewinn

          An Ideen hat es ihm nie gefehlt. Die Porzellanmaler haben sich längst modernem Design zugewandt, selbst eine Struwwelpeter-Kollektion fehlt nicht. Doch der Umsatz verharrt bei 1,5 Millionen Euro, wie Köster berichtet. Nach Jahren hoher Verluste wurde 2012 immerhin ein magerer Gewinn von 18.000 Euro ausgewiesen. 2013 habe das Ergebnis dann bei „plus/minus null“ gelegen, berichtet der Geschäftsführer und zeigt sich zugleich sicher, dass man 2014 mit einem Gewinn abschließen werde. Über die verzögerten Lohnzahlungen mag er gar nicht reden; wenn die Leute „mal fünf Tage auf ihr Gehalt gewartet haben“, sei das doch nicht so schlimm. „Das kann schon mal vorkommen, wenn die Kunden zu spät zahlen.“

          Seine Hoffnungen richtet der Vierundfünfzigjährige jetzt auf das Asien-Geschäft. In Korea habe man schon einen Distributeur, der das Porzellan unter anderem in eigenen Geschäften in Seoul verkaufe. In China plane man Ähnliches. Leider musste das Geschäft an der Berliner Straße in Frankfurt geschlossen werden, aber das Porzellan wird unter anderem im Haushaltswarengeschäft Lorey verkauft. Kösters großer Plan für Frankfurt ist ein Ladenlokal in der künftigen Altstadt, direkt am Touristenstrom.

          Nicht weniger dringend als neue Absatzkanäle braucht das Unternehmen aber Kapital. Vielleicht finde sich ein Partner in Asien, vielleicht einer in der Rhein-Main-Region, überlegt Köster. Das Unternehmen sei schließlich gut aufgestellt, „wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“. Seinen Optimismus jedenfalls hat Jörg Köster noch lange nicht verloren. Mit Begeisterung zeigt er die Produkte, vor allem die vielen neu entwickelten. „Seit 14 Jahren ist es nicht einfach. Aber wir sind immer noch da.“

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