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Mehr Grundwasserschutz : Die Bauern und das Nitrat

Eingeschränkt: In den mit Nitrat besonders belasteten Gebieten müssen Bauern mit Stickstoffdünger fortan vorsichtiger sein Bild: dpa

Hessens Agrarministerin erlässt verschärfte Vorschriften zum Düngen in mit Nitrat besonders belasteten Gebieten. Schließlich geht es um die Gesundheit. Doch auch die Bauern haben ein berechtigtes Anliegen.

          Landauf, landab stocken viele Viehhalter derzeit ihre Güllelager auf. Sie tun gut daran, denn mit Kot und Urin von Kühen und Schweinen sollen Bauern fortan sorgsamer umgehen. Ob dem „sorgsamer“ ein „noch“ voranzustellen ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Klar ist: Die große Politik, ausgehend von der Europäischen Union, macht unter anderem dem Land gehörig Druck, mehr gegen Nitrat im Grundwasser zu tun. Deshalb hat der Bund eine neue Dünge-Verordnung erlassen. Schwarz-Grün hat soeben die daraus folgende Verordnung für Hessen erlassen. Zu früh kommt das Kabinett Bouffier mit dem Regelwerk nicht auf den Markt – ist die Vorgabe aus Berlin doch gut zwei Jahre alt.

          Der Grundtenor der Verordnung besagt: Bauern sollen viel weniger Stickstoffdünger auf Felder streuen. Zudem sollen sie beim Düngen mehr Abstand zu Gewässern einhalten als bisher. Diese Vorgaben verwundern schon wegen der übergeordneten Debatte nicht, hinzu kommt der Umbau der Landwirtschaft zugunsten von mehr Umweltschutz durch Ministerin Hinz von den Grünen. Und wer mag schon gegen mehr Grundwasserschutz sein? Letztlich geht es um die Qualität des Trinkwassers und damit die Gesundheit.

          Der Stickstoffgehalt von Jauche

          Spannend erscheinen gleichwohl zwei Vorgaben. Zum einen sollen Bauern in den besonders mit Nitrat belasteten Gebieten sogenannten Wirtschaftsdünger, also Jauche und Mist, vor der Fahrt auf den Acker auf den Stickstoffgehalt untersuchen lassen. Diese Vorgaben kommen einem Konjunkturprogramm für Labore gleich. Zum zweiten nehmen die besonders mit Nitrat belasteten Gebiete nicht wenig Raum ein. Im Gegenteil: Der Bauernverband bemängelt, halb Südhessen und Teile der Wetterau sowie des Rheingaus fielen darunter. Von roten Gebieten ist die Rede.

          Das Signal ist klar: Rot ist die Warnfarbe schlechthin. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb das Landwirtschaftsministerium diesen Begriff vermeidet. Er könnte die Lage dramatisieren. Zumal nicht an jedem Messpunkt das Nitrat über dem einschlägigen Grenzwert liegt, wie der Bauernverband anmerkt. Sein Vorstoß, nach dem Grad der Nitratbelastung zu differenzieren, dürfte aber ins Leere gehen. Eher sind aus Berlin strengere Vorgaben zu erwarten. Eine Voraussage sei gewagt: Bauern werden noch mehr Kosten für Güllelager schultern müssen. Ob das auch alle mittelständischen Höfe leisten können, ist eine andere Frage.

          Dessen ungeachtet fordert der Bauernverband eine genaue Ursachenforschung. Und das zu Recht. Denn mit Nitrat ist das Grundwasser auch in hessischen Gegenden hoch belastet, in denen kaum noch Vieh gehalten wird.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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