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Handel : Die Rabattschlacht ums Motorrad

  • -Aktualisiert am

Der typische Motorradkäufer ist ein Mitvierziger, der sich einen lange gehegten Wunsch erfüllt Bild: picture-alliance/ dpa

Die Zahl der jährlichen Neuzulassungen bei Motorrädern geht seit Jahren zurück. Gerade bei jungen Menschen sind die Bikes immer weniger beliebt. „Motorradfahren ist nicht mehr sexy für junge Leute“, sagt ein Händler.

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          Motorradfahren ist teuer und unsexy. Ersteres ist eine Tatsache, Letzteres ist die Assoziation der jungen Generationen in Bezug auf motorisierte Zweiräder. Beides zusammen ist ein Problem, das vielen Roller- und Motorradhändlern in der Region Sorge bereitet. Zumindest in den Wintermonaten.

          Das warme Wetter der vergangenen Wochen brachte vielen Händlern im ersten Quartal dieses Jahres gute Verkaufszahlen. In allen Sparten, vom Mofa bis zur starken Straßenmaschine, gab es mit 44.186 mehr Neuzulassungen als im gleichen Zeitraum 2006: ein Zuwachs von 12,3 Prozent, hat der Industrie-Verband Motorrad ausgerechnet und spricht vom besten Quartalsplus seit 1997. „Wir schreiben seit September 2006 in jedem Monat positive Zahlen“, sagt Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Verbands. Auch das Kraftfahrt-Bundesamt bescheinigt der Branche „deutliche Aufwärtsbewegungen“, die schon im vergangenen Jahr zu beobachten gewesen seien.

          Hersteller haben Absatzschwierigkeiten

          Ist die Talfahrt der vergangenen Jahre tatsächlich vorüber? Mitnichten. Eine Nachfrage beim Bundesamt zeigt: Die positive Entwicklung 2006 bezieht sich nur auf einzelne Monate, die im Vergleich zum Vorjahr ein Plus aufweisen. Zwar gab es auf der einen Seite mit einem Bestand von mehr als 5,7 Millionen noch nie so viele Mofas, Roller und Motorräder in Deutschland. Doch die Zahl der jährlichen Neuzulassungen geht seit neun Jahren kontinuierlich zurück. Wurden 1997 noch knapp 314.000 Motorräder neu zugelassen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 185.000.

          Ohne die Trikes und Quads – die drei- und vierrädrigen Vehikel – bleiben noch 166.000 Motorräder und Roller, die 2006 erstmals am Straßenverkehr teilnahmen. Nicht mitgezählt die 110.000 zulassungsfreien Mofas und Roller bis 50 Kubikzentimeter, die im gleichen Zeitraum bei den Straßenverkehrsämtern angemeldet wurden.

          Der Bestand mag zwar stabil bleiben oder gar steigen. Doch weniger Neuzulassungen bedeuten für die Händler weniger Verkauf. Auch in Hessen, das in der Pro-Kopf-Auswertung bundesweit an der Spitze liegt (2,26 Neuzulassungen auf 1000 Einwohner), haben die Hersteller Absatzschwierigkeiten. Nicht wenige Händler bangen um die Existenz. „Vom Motorradverkauf allein kann man nicht mehr leben“, sagt Martin Belke. Der Suzuki-Händler aus Bad Vilbel verkauft daher auch Autos. In den vergangenen Jahren hätten viele Kollegen schließen müssen. Dies berichten auch andere Händler. Die meisten halten sich aber bedeckt. Wer offen redet, möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.

          Der Trend geht zum preiswerten Motorrad

          Die Lage sei katastrophal, berichtet ein Motorradhändler aus Wiesbaden. Um die weniger werdenden Kunden werde aggressiv geworben: „Hinter den Kulissen tobt eine Rabattschlacht, mit der sich die Branche selbst kaputtmacht.“ Auch die Kundschaft habe sich verändert. Der typische Motorradkäufer sei heute ein Mitvierziger, der sich, wenn die Kinder aus dem Hause seien, einen lange gehegten Wunsch erfülle. Er wolle die neueste Technik für wenig Geld und bequem sitzen. Der Trend gehe daher zum preiswerten Bike, das mit werbewirksamer Technik ausgestattet sei: ABS, Einspritzpumpe und Katalysator. Rahmen und Federung seien bei diesen Fahrzeugen oft von geringer Qualität.

          Was das Alter betrifft, geben die Statistiken den Erfahrungen des Händlers recht: Der größte Teil der Motorradfahrer ist zwischen 35 und 49 Jahre alt, also die Generation, die sich zu Beginn der motorradbegeisterten achtziger Jahre ihren ersten Roller gekauft hat. Die Generation im Alter bis zwanzig Jahre macht nur um die sieben Prozent der Motorradfahrer aus.

          Fährt die Jugend denn stattdessen Roller? Rainer Brendicke vom Industrieverband sieht positive Tendenzen und verweist auf die Statistiken. Diese zeigen: Der Bestand an Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen steigt seit drei Jahren, 2006 waren es 1,7 Millionen. In Bezug auf Leichtkraftroller mit einem Hubraum von 50 Kubikzentimetern bis 125 bejubelte der Verband Anfang März gar „italienische Verhältnisse“: Mit einer Stückzahl von 43.000 seien 2006 erstmals mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden als im klassischen „Rollerland“ Italien.

          Schwere Bikes verkaufen sich schlecht

          Die Händler machen andere Erfahrungen. Der Verkauf der 50er-Roller sei sehr zurückgegangen, sagt Ilse Ettling von KBS Motors in Frankfurt. „Bei einem Preis von 2000 bis 2500 Euro ist es nicht mehr selbstverständlich, Sohn oder Tochter zum 16. Geburtstag einen Roller zu schenken.“ Bei den Rollern mit 125 Kubikzentimetern seien die Käufer 30 Jahre und älter. Hier habe man viele, die vom Auto auf das günstigere Leichtkraftrad umstiegen oder dieses als Zweitfahrzeug nutzten.

          Und die „richtigen“ Motorräder? Die könne sich doch ein junger Mensch gar nicht leisten. In diesem Punkt sind sich alle Händler einig. Mit Angeboten wie einem Zuschuss zum Motorradführerschein bei gleichzeitigem Kauf einer Maschine versuchen die Hersteller, den Nachwuchs wieder von den schweren Bikes zu überzeugen.

          Doch das eigentliche Probem scheint weniger ein finanzielles zu sein. „Motorradfahren ist nicht mehr sexy für junge Leute“, sagte ein Weiterstädter Händler, der ungenannt bleiben möchte. Ihnen fehle die Musik, und sie empfänden es als störend, Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. Peter Goltzsche vom Yamaha-Händler Matheis & Klose in Frankfurt macht ein verändertes Kommunikationsverhalten für die fehlende Kauflust verantwortlich: „Früher war der Roller oder das Motorrad wichtig, um sich mit seinen Freunden treffen zu können. Heute verständigt sich die Jugend über Handy und Internet.“ Man dürfe den Kopf aber nicht in den Sand stecken, fügt Goltzsche hinzu. Im Moment könne er sich nicht beklagen: Der April sei besser gelaufen als im vergangenen Jahr.

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