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Hightech-Werkstatt : Spielwiese für die Kreativwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Haben große Ziele: Die beiden Initiatoren des Start-Up Unternehmens „Tatcraft“ in einer Halle ihrer 1500 Quadratmeter großen Hightech-Werkstatt in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Am Wochenende eröffnet in Frankfurt-Seckbach mit Tatcraft eine Hightech-Werkstatt für Designer. Die beiden Gründer bieten auf ihrem Gelände einen vielseitig ausgestatteten Gerätepark - und haben große Ziele.

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          An Selbstbewusstsein mangelt es den Initiatoren von Tatcraft nicht. „Wir werden der größte und modernste Makerspace im Rhein-Main-Gebiet“, verspricht Fabian Winopal, einer von zwei Inhabern des Frankfurter Start-ups. Nach einem halben Jahr Bauzeit eröffnen er und sein Mitstreiter Tim Fleischer an diesem Wochenende im Seckbacher Industriegebiet, in einer Backsteinhalle auf dem früheren Gelände des Anlagenbauers Lurgi, ihre Hightech-Werkstatt. Auf 1500 Quadratmetern bieten sie dann einen Gerätepark, den Gestalter, Möbeldesigner, aber auch Hobbybastler gegen Gebühr nutzen können. Ein Modell des größten industriellen 3D-Druckers der Welt gehört genauso zur Einrichtung wie digitale CNC-Fräsen und eine Wasserstrahlschneidanlage zur Verarbeitung von Metall, Stein und Glas.

          Wer in dieser Werkstatt als Privatperson arbeiten möchte, zahlt je Monat 179 Euro. Studenten und Auszubildenden werden 125 Euro berechnet. Für Firmen, die die Geräte intensiver nutzen, liegen die Gebühren höher. Mehr als eine halbe Million Euro investieren Fleischer und Winopal in ihr Unternehmen. Die Maschinen, die in ihrer Räumen stehen, sind jedoch mehr als das Dreifache wert. Weil die Firmen, die die Ausstattung von Tatcraft liefern, die Werkstatt als Showroom und für Veranstaltungen nutzen können, stellen sie dem Start-up-Unternehmen ihre Geräte günstiger oder gar unentgeltlich zur Verfügung. Junge Kreative und Betriebe aus der Industrie zusammenbringen: Das ist Teil des Geschäftskonzepts von Tatcraft.

          Rhein-Main-Gebiet als idealer Ort

          Entstanden sind Makerspaces aus den sogenannten Fablabs („fabrication laboratorys“). Am Bostoner Massachusetts Institute of Technology hatte der Informatiker Neil Gershenfeld die erste dieser Hightech-Werkstätten 2002 ins Leben gerufen. Er wollte neue, digitale Produktionsmöglichkeiten wie die CNC-Frästechnik und den 3D-Druck auch Laien näherbringen, der Open-Source-Gedanke stand Pate bei seinem Projekt. Die ersten Fablabs und Makerspaces fanden ihren Raum in Universitäten und kleinen Hinterhofwerkstätten und wurden meist von Vereinen betrieben. Schon bald aber folgten ihnen größere, kommerzielle Ableger, die von professionellen Designern genutzt werden, vor allem in den Vereinigten Staaten und China. Aus einem Hobby wurde ein Wirtschaftszweig.

          Diese Richtung schlagen nun auch Fabian Winopal und Tim Fleischer ein. Ihre Werkstatt soll der Kreativwirtschaft eine Spielwiese bieten. Designer sollen sie vor allem dazu nutzen, um schnell und unkompliziert Prototypen von am Computer entworfenen Produkten herzustellen, zum Beispiel mittels 3D-Druck. Urban Manufactoring nennt sich diese Produktionsweise. Workshops zu Themen wie Crowdfunding, Erstellen eines Businessplans und Produktvermarktung werden das Angebot in der Werkstatt ergänzen. „Das Rhein-Main-Gebiet ist für unsere Idee der ideale Ort“, sagt Fabian Winopal. „Viele Kreative und Künstler arbeiten hier an spannenden Projekten, außerdem gibt es eine Menge auf Design spezialisierte Hochschulen.“

          Die Förderung der Kreativwirtschaft ist seit einigen Jahren schon eines der zentralen Steckenpferde der Landesregierung. Deshalb ist es auch keine Überraschung, dass der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitagabend die Eröffnungsrede halten wird. Über drei Tage werden sich die Feierlichkeiten in der Seckbacher Gwinnerstraße 42 hinziehen. Am Freitag gibt es nach der offiziellen Eröffnung am Abend ein Konzert der Frankfurter Indierockband Casual Friday, am Samstagabend präsentieren die Macher des Lichter-Filmfestivals von 20.15 Uhr an ein Kurzfilmprogramm. Am Sonntag kann dann von 11 bis 18 Uhr die Tatcraft-Werkstatt besichtigt und ausprobiert werden. Details finden sich auf dem Facebook-Profil von Tatcraft, dort kann man sich auch für die Eröffnung anmelden.

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