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Hessischer Gründerpreis : Sonderpreis für Sechzehnjährigen

Normalerweise lädt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) die Finalisten zu einer großen Gala ein. Doch sie musste pandemiebedingt ausfallen. Bild: dpa

Trotz Corona-Krise haben sich in diesem Jahr mehr Start-ups als sonst für den Hessischen Gründerpreis beworben. Dreizehn von ihnen sind ausgezeichnet worden – und der jüngste Gewinner ist gerade einmal 16 Jahre alt.

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          Die Homepage wirkt schon sehr erwachsen. „Professioneller Partner im Bereich: 3D Modelling Service, 3D Design Service“, heißt es auf der Internetseite von 3dforyou.org. Das Unternehmen erstellt mit einem 3D-Drucker zum Beispiel Miniatur-Büsten und Teile für Modellbauer. „Wir bieten Ihnen professionelle Beratung zu allen Aspekten der Konstruktion und des 3D-Drucks.“ Dabei helfe auch „unser globales Zulieferantennetzwerk“.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei ist der Unternehmer, der die Seite erstellt hat, gerade einmal 16 Jahre alt. Mit 14 Jahren hatte er sein Start-up in Ober-Ramstadt im Kreis Darmstadt-Dieburg gegründet und sich nun beim Hessischen Gründerpreis damit beworben. So jung war noch kein Bewerber. Und auch kein Gewinner. Denn er verfehlte zwar den Einzug in die Endrunde. Aber um seinen Unternehmergeist dennoch zu würdigen, erhielt der Teenager am Freitagabend einen Sonderpreis.

          Es war nicht die einzige Neuerung des Hessischen Gründerpreises, der seit 2003 vergeben wird. Normalerweise laden jährlich die Veranstalter, das sind der Initiativkreis Gründertage Hessen und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) als Schirmherr, Finalisten und Gäste zu einer großen Gala ein. In diesem Jahr war sie in Kassel geplant. Doch sie musste pandemiebedingt ausfallen, die Bewerbungspitches und Gründergespräche wurden ins Internet verlegt. Die Gewinner konnten per Online-Voting gekürt werden. Fast 8000 Stimmen wurden bis Freitagmittag abgegeben.

          Veranstalter sprechen von einem Bewerberrekord

          155 Start-ups hatten sich beworben, die Veranstalter sprechen von einem Bewerberrekord. Und das in der Corona-Krise, und obwohl es – im Gegensatz etwa zum Frankfurter Gründerpreis – keinen einzigen Euro an Preisgeld zu gewinnen gibt. Den Gewinnern werden stattdessen ein professioneller Unternehmensfilm, Netzwerkkontakte, Fortbildungen und mediale Aufmerksamkeit in Aussicht gestellt.

          Über diese nichtmonetären Gewinne dürfen sich nun zwölf Start-ups (plus Sonderpreisträger) aus ganz Hessen freuen, die in vier Kategorien ausgezeichnet wurden. Darunter sind fünf Unternehmen aus Darmstadt, Gründau, Offenbach und Eltville. In zwei Bereichen kamen Jungunternehmen aus Nordhessen auf den ersten Platz, in zwei Kategorien aus Südhessen. Erfolgreichste Stadt war Kassel, während kein einziges Frankfurter Start-up sich plazieren konnte.

          In der Kategorie „Innovative Geschäftsidee“ etwa gewann Doks Innovation mit der Idee, mit Hilfe von Drohnen die Inventur in Warenlagern zu automatisieren und zu beschleunigen. Dahinter platzierte sich die Darmstadt Graphics Group, die mit ihrer Software Maschinenbauern dabei helfen will, Produkte für den 3D-Drucker effizienter zu gestalten, und Teaballs aus Gründau im Main-Kinzig-Kreis, ein Hersteller von gepressten Pflanzenextrakten für Teegetränke.

          In der Kategorie „Gesellschaftliche Wirkung“ ging der erste Preis an „Du bist hier der Chef“. Das Unternehmen aus Eltville lässt Verbraucher Produktionsbedingungen und Preise von Milch und Eiern von Anfang an mitbestimmen. Dahinter platzierten sich Lylu, ein Darmstädter Start-up, dessen Tablet-App die Nutzung von Tablets für Senioren erleichtern soll, und  „VertrauTier“, einem Therapieangebot aus Nordhessen, das mit Hunden, Schafen, Katzen und Pferden Patienten helfen will, zum Beispiel Bindungsstörungen zu überwinden.

          Als beste Hochschul-Ausgründung wurde Zelthaus aus Offenbach gewürdigt, das stabile Zelte für Flüchtlingslager anbiete. In der Kategorie „Zukunftsfähige Nachfolge“ gewann die Fleischerei Koch aus Calden, die nun auch Ahle Wurst mit Gin, Honig oder Schokolade produziert und verkauft.

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