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Hessens Gründer des Jahres : Gefriertruhe ohne gefährliche Gase

  • -Aktualisiert am

Das Magnotherm-Team: Ulysse Rolabert (links), Kian Rahnamarad und Timur Sirman (rechts) Bild: Marcus Kaufhold

151 Start-ups hatten sich in diesem Jahr um den hessischen Gründerpreis beworben. Der Sieger in der Kategorie „Gründungen aus der Hochschule“ kommt aus der Rhein-Main-Region – und revolutioniert die Kühltechnik.

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          Man nehme, grob beschrieben, eine Legierung namens LaFeSi, bestehend aus Lanthan, Eisen und Silizium, sowie einen Magneten und Wasser. In den Händen eines Wissenschaftler-Trios der Technischen Universität Darmstadt entsteht daraus eine Kühltechnik, die das Kühlmittelgeschäft revolutionieren könnte. Darum gab es gestern den ersten Platz in der Kategorie „Gründungen aus der Hochschule“. Auch die anderen beiden Finalisten in der Kategorie, die Firmen Tec4Med Lifescience (entwickelt mobile Kühltechnik) und Novapace (arbeitet an einer Einlegesohle für Parkinson-Patienten) wurden von Studenten und Mitarbeitern der TU Darmstadt gegründet.

          Schon jetzt habe Magnotherm Solutions für sein Aggregat Anfragen von Unternehmen aus aller Welt erhalten, sagt Timur Sirman. „Die wollen wissen, wie weit wir mit unserer Entwicklung sind.“ Sirman hat zusammen mit Ulysse Rolabert und Kian Rahnamarad das Start-up gegründet. Und das, obwohl die Wissenschaftler bisher nur anhand eines Demo-Aggregats zeigen können, wie ihre technische Innovation eines Tages funktionieren soll.

          Das Besondere an ihren Kühlaggregaten seien unter anderem das umweltfreundliche Verfahren und die Kühlleistung, erklärt Sirman. Normalerweise kühlten Klimaanlagen, Kühlschränke und andere Geräte mit Hilfe von Gasen. Diese seien, obgleich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, immer noch klimaschädlich und anderweitig problematisch, etwa leicht entzündlich.

          Rund 40 Prozent weniger Energie

          Magnotherm dagegen verzichtet komplett auf Kühlgase. Zudem könne die Kühltemperatur individuell an Kundenwünsche angepasst werden. „Unsere Entwicklung ist vor allem für das Kühlen von Servern, für Klimaanlagen in größeren Gebäuden und den Einzelhandel interessant“, sagt Sirman. Denn umweltfreundliche und sparsame Kühlung sei weltweit gefragt, die Technologie verbrauche rund 40 Prozent weniger Energie als der aktuell beste Kompressor.

          Noch ist das Produkt nicht marktreif. Ein Funktionsprototyp sei in Arbeit, betont Sirman. In sechs Monaten solle er fertig sein. Das Unternehmen besteht zwar seit Juli als GmbH, die Gründer verdienen ihren Lebensunterhalt jedoch noch als Angestellte der TU. Finanziert werden die vier Vollzeitstellen durch eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums, den Exist-Forschungstransfer, zunächst für anderthalb Jahre. Wenn die Forschergruppe danach den Prototypen vorweisen kann, werde sie nochmals anderthalb Jahre unterstützt. Denn besonders die Materialkosten seien hoch. Ein anderes Unternehmen, das ebenfalls an einem magnetokalorischen Kühlaggregat geforscht habe, sei an diesen Kosten gescheitert.

          Sirman hat einen Vergleich, um zu erklären, wie weit sein Unternehmen ist: „Momentan bringt unsere Maschine eine Leistung, die 20 Bier kühlt. Wir wollen 1000 Bier.“

          Preis in Wetzlar verliehen

          Der hessische Gründerpreis ist in diesem Jahr zum 17. Mal vergeben worden, diesmal in den Kategorien „Gesellschaftliche Wirkung“, „Innovative Geschäftsidee“, „Gründung aus der Hochschule“ sowie „Zukunftsfähige Nachfolge“, in der Gabelstapler Gratzer aus Kassel ausgezeichnet wurde. Organisiert wird der Preis von einem Initiativkreis, dem Vertreter der kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderungen in Hessen angehören. Der Preis ist nicht finanziell dotiert, die Gewinner erhalten vor allem öffentliche Aufmerksamkeit. Bewerben können sich alle Unternehmen mit Hauptsitz in Hessen, die nicht älter als fünf Jahre sind. Eine Jury wählte jeweils zwölf Halbfinalisten pro Kategorie aus, die sich dann in Kurzpräsentationen vor der Jury um den Einzug ins Finale bewarben. Ein Viertel von ihnen qualifizierte sich für das Finale, das gestern in Wetzlar stattfand. Dort wurden schließlich vier Kategoriegewinner durch die Mitglieder des Initiativkreises gekürt. (fahe.)

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