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Geldautomaten-Sprengungen : Hessische Polizei gegen den Schreck nach Mitternacht

Verwüstet: Im Juni 2017 haben Unbekannte einen Geldautomaten in der SB-Filiale der Deutschen Bank in Nieder-Roden gesprengt. Bild: dpa

Hessische Ermittler sagen den Geldautomaten-Sprengern den Kampf an. Die Prävention seitens der Banken ist in diesem Fall gar nicht so einfach. Denn die Geldhäuser stecken in einem Dilemma.

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          Waren es wieder abgebrühte Profis aus dem Ausland oder Nachahmer aus der Region? Noch rätseln die Ermittler, wie Tat und Täter einzuordnen sind in die neue Generation der Panzerknacker. Die Bande, die in der Nacht zum 2. Mai in Eschborn in einer Bankfiliale einen Geldautomaten sprengte, war mit einem ungewöhnlich aufwendigen Plan zu Werke gegangen. Nach den bisherigen Erkenntnissen sorgte ein Neunzehnjähriger aus Offenbach dabei für ein filmreifes Setting. Er soll mit einem quergestellten Auto und einem Stapel brennender Reifen die Hauptstraße blockiert haben, um die Polizei daran zu hindern, schnell zum Tatort zu kommen. Außerdem schlug er, just als seine mutmaßlichen Komplizen in Eschborn den Sprengsatz zündeten, den Ermittlungen zufolge in Bad Soden in einer Reihe von Geschäften die Schaufenster ein, offenbar um die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zu lenken. Der junge Mann wurde später in der Nähe der verwüsteten Filiale festgenommen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er hatte, ziemlich unprofessionell, offenbar nachschauen wollen, ob alles geklappt hatte. Seine Komplizen waren mit einer Beute in Höhe von 190.000 Euro längst über alle Berge. Der Coup fällt wegen seiner Inszenierung aus dem Rahmen der ohnehin meist spektakulären Delikte, die gerade in Hessen in den vergangenen Monaten die Kreditwirtschaft alarmiert haben. Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt wollen dem nächtlichen Schrecken nun ein Ende setzen. Sie koordinieren seit Mitte April landesweit die Ermittlungen. Sie reagieren damit auf eine besorgniserregende Entwicklung. Hoffnungen, die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen würden greifen (2018 war die Zahl von zuvor 37 Fällen auf 31 zurückgegangen), haben sich zerschlagen. Seit Beginn des Jahres gab es landesweit schon 19 derartige Brachial-Attacken. Nach Schätzung der Generalstaatsanwaltschaft wurden im vergangenen Jahr allein in Hessen mehr als eine Million Euro erbeutet. In Fulda scheiterte in der Nacht zum gestrigen Mittwoch offenbar ein Versuch, weil sich Passanten näherten.

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