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Schwache Inlandsnachfrage : Chemiefirmen ohne Hoffnung auf rasche Besserung

Konjunturunabhängig: Das Geschäft vieler Pharmafirmen erweist sich als ziemlich stabil, Sanofi in Höchst leidet aber unter Preisdruck auf einen langjährigen Verkaufsschlager. Bild: Sanofi

Nach einem unerwartet schwachen ersten Halbjahr rechnet die chemische Industrie in Hessen für dieses Jahr mit merklich weniger Umsatz und einer geringeren Produktion. Viel Hoffnung auf baldige Besserung herrscht nicht.

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          Wenn die deutschen Autohersteller weniger Fahrzeuge bauen und absetzen, spüren das auch klassische chemische Betriebe. Denn dieser Wirtschaftszweig liefert Produkte in den Automobilbau. Das gilt auch für Betriebe zwischen Kassel und dem Odenwald: Nach einem unerwartet schwachen ersten Halbjahr rechnet die chemische Industrie in Hessen für dieses Jahr mit merklich weniger Umsatz und einer geringeren Produktion. Viel Hoffnung auf baldige Besserung herrscht nicht.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie der Arbeitgeberverband Hessenchemie in Frankfurt mitteilte, rechnet er für das gesamte Jahr mit einer um vier Prozent geringeren Produktion als 2018 und einem Rückgang der Umsätze um drei Prozent. Vorstandschef Heinz-Walter Große führte Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft angesichts des Handelskriegs zwischen den Vereinigten Staaten und China sowie der Hängepartie um den Brexit an.

          Mehrheit sieht Profite sinken

          Große gestand zu, in seiner Sicherheit, dass es angesichts der wirtschaftlichen Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union keinen Brexit geben werde, unsicher geworden zu sein. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass es im Falle des Falles für beide Seiten vernünftige Regeln geben werde.

          Gleichwohl schauen viele Firmen aus der umsatzstärksten Industriebranche in Hessen (siehe Kasten) eher pessimistisch in die nähere Zukunft. Laut Große erwarten 38 Prozent geringere Umsätze als 2018 und nur 32 Prozent steigende Erlöse. 43 Prozent rechneten mit einer fallenden Produktion, nur 29 Prozent mit einem steigenden Ausstoß. Besonders deutlich ist die Kluft mit Blick auf die Gewinne. 45 Prozent sehen demnach die Erträge sinken, nur 13 Prozent höhere Profite.

          Hessens größter Industrie-Arbeitgeber

          Die Strahlkraft von Unternehmen wie Biotest, Fresenius, Merck, Merz oder auch Sanofi Deutschland reicht weit über Hessens Grenzen hinaus. All diese Unternehmen verkaufen ihre Erzeugnisse in die ganze Welt, doch eint sie eines: Sie sitzen im Rhein-Main-Gebiet. Auch und gerade deshalb ragt die chemische Industrie einschließlich der Arzneimittelfirmen nicht nur aus dem verarbeitenden und produzierenden Gewerbe im Großraum Frankfurt heraus, sondern ist auch prägend für ganz Hessen. Und zwar mit Blick auf die Zahl der Arbeitsplätze, Umsatz, Ertragskraft und Investitionen sowie neue Produkte. Dies strich Kerstin Oberhaus als Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands Hessenchemie während der Herbstpressekonferenz der Chemieverbände heraus. Demnach beschäftigte die Branche zuletzt auf Jahressicht gut 60.800 Männer und Frauen. Das waren 14,6 Prozent aller Industriebeschäftigten zwischen Kassel und dem Odenwald, wie die Hanauer Standortleiterin des Chemiekonzerns Evonik sagte. Damit liege der Wirtschaftszweig deutlich vor der Autobranche und dem Maschinenbau. Die Chemie- und Pharmabranche erlöste nach ihren Worten 27 Milliarden Euro im Jahr. Diese Summe stehe für gut 22 Prozent des Industrieumsatzes in Hessen. Der Pharmaanteil von etwas mehr als 44 Prozent liege weit über dem Bundesdurchschnitt von 25Prozent. Zuletzt haben Chemie- und Arzneimittelfirmen binnen Jahresfrist laut Oberhaus 881 Millionen Euro in Anlagen investiert – gut ein Viertel aller Industrie-Investitionen. 1,6Milliarden Euro flossen demnach in Forschung und Entwicklung, wobei die Pharmaunternehmen alleine rund 1,1 Milliarden Euro ausgaben. Laut Oberhaus steckt die chemische Industrie auch viel Geld in neue Geschäftsmodelle wie E-Health und digitale Angebote für die Landwirtschaft, die längst online ist. (thwi.)

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