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Umsatzprognose angehoben : Chemiebranche fordert bessere Berufschulen

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Freut sich über höhere Umsätze: Heinz-Walter Große, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands Hessenchemie Bild: obs

In einem der wichtigsten Wirtschaftszweige Hessens stimmt die Chemie - und zwar im Wortsinne. Die chemische Industrie erwartet dieses Jahr mehr Umsatz als zuletzt. Aus ihrer Sicht muss das Land aber mehr für Berufschulen und Berufsorientierung tun.

          Die hessische Chemiebranche blickt nach einem starken ersten Halbjahr noch optimistischer auf 2018. Dank einer höheren Produktion werde der Umsatz im laufenden Jahr kräftig um vier Prozent steigen, erklärten der Arbeitgeberverband Hessenchemie und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) Hessen in Frankfurt. Zuletzt hatten sie ein Plus von rund drei Prozent erwartet. Die Unternehmen bewerteten ihre Lage weiter überwiegend positiv, sagte Heinz-Walter Große, Vorstandschef von Hessenchemie.

          Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer hob die Notwendigkeit hervor, mehr für Berufschulen zu tun. So manches Gebäude lasse zu wünschen übrig, Gleiches gelte für die technische Ausstattung. Gute Berufschulen seien wichtig für die duale Ausbildung, die für die Chemiebanche nach wie vor wichtig sei. Verbessern müsse das Land auch die Berufsorientierung an Gymnasien. Zwar tue sich in dieser Hinsicht etwas, das Erreichte genüge aber nicht.

          Laut Große hat die Branche zum neuen Ausbildungsjahr mehr als 1500 Lehrstellen angeboten, etwas mehr als zuvor. Die deutlich erhöhten Ausbildungsbezüge seien ein Signal nach außen, um auf die Attraktivität einer Lehre in der chemischen Industrie hinzuweisen. Im ersten Lehrjahr verdiene ein Auszubildender 987 Euro.

          Mehr Mitarbeiter

          Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz der Industrie um 4,2 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum auf 13,6 Milliarden Euro. Vor allem die in Hessen starke Pharmaindustrie wuchs deutlich, während die klassische Chemie mit stagnierenden Erlösen im Inland kämpfte. Sie verdiente aber im Auslandsgeschäft gut.

          Die Zahl der Beschäftigten in der Schlüsselbranche stieg um 1,9 Prozent auf 58.438. Die Firmen seien für Produktion, Umsatz und Verkaufspreise bis Jahresende zuversichtlich, hieß es. Indes lasteten der starke Dollar und steigende Rohstoffpreise, vor allem für den Chemie-Grundstoff Öl, auf den Erträgen.

          Die chemische Industrie in Hessen setzte im vergangenen Jahr mehr als 26,2 Milliarden Euro um - mehr als jeder andere Zweig des verarbeitenden und produzierenden Gewerbes. Ihr Schwerpunkt liegt im Rhein-Main-Gebiet. Die Kunststoffbranche kommt zudem auf fast acht Milliarden Euro Umsatz. Alle drei Teilbranchen beschäftigen zusammen mehr als 90.000 Frauen und Männer.

          Zahlreiche Umsatzrisiken

          Für 2019 sind die beiden Branchenverbände aber nicht mehr so zuversichtlich. „Die Hoffnungen auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China haben sich zerschlagen“, sagte Große. Zudem seien viele Schwellenländer etwa in Lateinamerika in der Krise und Europa drohe ein unkontrollierter Brexit. Wenn die EU und die Briten keine Einigung über ihre Beziehungen erzielten, werde der wichtige Handel mit Arzneien von und nach Großbritannien gestört.

          Kurz vor der Landtagswahl forderte Hessenchemie-Hauptgeschäftsführer Dirk Meyer, die Politik müsse sich weiter für den Industriestandort Hessen einsetzen. Zudem seien Investitionen in den Straßen- und Wohnungsbau sowie in Schulen und ein schnelleres Internet nötig.

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