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Warnung vor der Seuche : Wie Bauern ihre Betriebe vor der Schweinepest schützen

Zwei Mitarbeiter des HessenForst transportieren bei einer Übung einen Wildschweinkadaver ab. Bild: dpa

Die Schweinepest ist auf den ersten Blick weit weg von Rhein-Main. Dennoch lassen sich Bauern einiges gegen die Seuche einfallen.

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          Einfach so hat Peter Seeger schon in der Vergangenheit niemanden in seinen Schweinestall gelassen. Besucher verwies der Landwirt aus Otzberg in Südhessen auf die eigens bereitgestellten Overalls und Stiefel. Der Sinn der Übung: bloß keine für die empfindlichen Tiere gefährlichen Keime in den Stall einschleppen. Diese Vorgabe gilt in diesen Tagen für die Schweinehalter zwischen Kassel und dem Odenwald ganz besonders. Anlass ist die bis auf 80 Kilometer an die polnisch-deutsche Grenze herangerückte afrikanische Schweinepest.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Krankheit gilt als für den Menschen ungefährlich. Doch für die etwa 5500 schweinehaltenden Betriebe in Hessen mit insgesamt 440.000 Tieren hätte ein Ausbruch der Seuche erhebliche Folgen, wie die hessische Agrarministerin Priska Hinz (Die Grünen) warnt. Landwirte müssten deshalb ebenso wie die Jäger den möglichen Schäden umfassend vorbeugen.

          Vögel schleppen Keime ein

          Was aber können Schweinehalter im Einzelnen unternehmen? Schließlich rückt die Tierseuche in Gebieten vor, auf die sie keinen Zugriff haben. Außerdem gelten zuvörderst Wildschweine als Überträger der Krankheit. Mittlerweile ist der Pesterreger in 19 Schwarzwild-Exemplaren in der polnischen Region unweit der deutschen Grenze gefunden worden. Auch Hartmut Lang aus Hüttenberg blickt besorgt ins östliche Nachbarland. „Ich weiß nicht, wie konsequent gegen die Schweinepest in anderen europäischen Ländern vorgegangen wird“, sagt der Landwirt. 800 Tiere nennt er sein Eigen. „Damit sind wir ein eher kleiner Mastbetrieb in Deutschland.“

          Um die Pesterreger von seinen Mastschweinen fernzuhalten, dürfen Gäste gerne vor dem Stall stehenbleiben. Vögel lässt er auch nicht hinein – schließlich könnten sie die Keime einschleppen. „Konsequente Schadnager-Bekämpfung“ lautet die dritte Vorgabe. Das bedeutet: Lang legt Giftköder gegen Mäuse und Ratten aus. „Mit Fallen kommt man da nur vereinzelt weiter“, hebt er hervor. Dann setzt der Bauer nach eigenen Angaben auf die gesicherte Herkunft der Futtermittel.

          Kleidung vor der Stalltür wechseln

          Um ganz sicherzugehen, baut er das dafür notwendige Getreide selbst an. Sojaschrot als Eiweißfutter und Sojaöl als bewährtes Bindemittel gegen Getreidestaub kauft er zu – und zwar von zertifizierten Lieferanten. „Bei mir bekommen die Schweine keine Essensreste oder so einen Kram“, berichtet er. Denn auch die anderswo überschüssigen Speisen könnten mit dem Schweinepestkeim infiziert sein. Vorsicht lässt er aber nicht beim Einkauf von Futtermitteln und dem Umgang mit Bekleidung walten, sondern auch in den Silos, wie er sagt. Das dort gelagerte Getreide muss vor Krankheitskeimen ebenso gut geschützt werden.

          Die Kleidung vor der Stalltür zu wechseln ist für ihn selbstverständlich. „Und mit den Stiefeln, mit denen ich auf dem Acker war, gehe ich nicht in den Stall“ – um nicht unbewusst irgendeinen Erreger einzuschleppen. Denn Wildschweine laufen vor seinem Hof herum, der auf einer Anhöhe umgeben von Feldern liegt.

          Gut 40 Kilometer südwestlich von Langs Anwesen hält Marco Hepp in Hünfelden-Dauborn rund 330 Mastschweine und 450 Zuchtsauen. Er macht genau das, was auch sein Hüttenberger Kollege tut – und noch einiges mehr. Seinen Hof hat er zum Schutz vor Wild umzäunt. Der Tierarzt darf sein Auto gerne vor dem Stall parken, und der Futterlieferant soll möglichst wenig auf dem Hof umherkurven. Ob die Schweinepest 80 Kilometer oder 200 Kilometer von der Grenze entfernt sei, macht aus seiner Sicht keinen großen Unterschied. Denn die Seuche wird auch durch Essensreste, die infizierte Fleischwaren enthalten, weitergereicht, wie auch Hinz hervorhebt.

          Export bricht weg

          Für den Fall des Falles hat Hepp den Tierbestand versichert. Damit wäre ein Verlust aufgefangen, wenn er seine Tiere töten lassen müsste. Allerdings hätte ein Ausbruch der Schweinepest in Hessen und anderswo in Deutschland erhebliche finanzielle Nachteile für die Bauern. In der Folge bräche der Export weg. Die Ausfuhr von Schweinefleisch erweist sich aber derzeit als große Stütze.

          Vor allem die Chinesen kaufen auf dem Weltmarkt an Schweinefleisch auf, was sie kriegen können, wie Hepp sagt. Denn wegen der Schweinepest hätten sie die Hälfte ihrer Schweine gekeult – „das ist ein Zehntel des Schweinebestands auf der Welt“. Ein Händler habe ihm gesagt, China brauche im Jahr 24 Millionen Tonnen Schwein, es könne aber nur acht Millionen Tonnen erwerben. Den Rest regelt der Markt: Die Preise steigen. So erlöst Hepp 200 Euro für 100 Kilo geschlachtetes Schwein – 70 Euro mehr als vor einem Jahr.

          Derweil kommt halbwegs gute Kunde aus Polen. Es seien keine neuen Fälle von Schweinepest bekannt, lässt der Landestierarzt von Brandenburg wissen.

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