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Knappe Ressourcen : Millionenprogramm für Phosphor

Vernichtend: Blick in einen Brennofen im Müllheizkraftwerk Bild: Sandra Schildwächter

Hessen fördert die Rückgewinnung wertvoller, aber knapper Rohstoffe mit einem Millionenprogramm. Phosphor ist als Düngemittel unverzichtbar. Dennoch wird ein Großteil der wertvollen Substanz mit den Klärschlämmen einfach verbrannt.

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          Dass das Land Hessen zehn Kommunen im Odenwald für die Rückgewinnung von Phosphor in ihren Kläranlagen jetzt 2,7 Millionen Euro überweist, ist die Konsequenz aus einer einheitlichen Haltung der Politik auf unterschiedlichen Ebenen. Der Rohstoff, der in der Landwirtschaft vor allem als Düngemittel unverzichtbar ist, wird nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt immer knapper. Es gibt keine Stoffe, die ihn ersetzen könnten.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Phosphor ist in Klärschlämmen enthalten, die allerdings größtenteils vollständig verbrannt werden, ohne dass die darin enthaltene wertvolle Substanz genutzt wird. Weil sie für das Pflanzenwachstum entscheidend ist, haben die Landwirte den Klärschlamm in der Vergangenheit auf den Feldern als Düngemittel eingesetzt. Aber er enthält auch schädliche Stoffe wie Schwermetalle oder Rückstände von Antibiotika. Darum wurde die Aufbringung im Jahr 2017 durch eine Änderung der Klärschlammverordnung des Bundes drastisch eingeschränkt.

          „Das ist wichtig für den Schutz unserer Böden und Gewässer“, sagt die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen). Umso wichtiger sei es, den wertvollen Stoff aus den Kläranlagen zurückzugewinnen. Dafür legte das Umweltministerium 2017 ein Förderprogramm auf, das in diesem Jahr insgesamt zwölf Millionen Euro bereithält. Konkret können damit Demonstrationsvorhaben und Machbarkeitsstudien zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm und Klärschlammasche finanziell unterstützt werden.

          Schonung der Ressourcen

          Die vom Umweltministerium geförderten neun Kommunen des Odenwaldkreises und die Stadt Heppenheim tun mehr, als gegenwärtig von ihnen verlangt wird. Denn nach der vor drei Jahren vom Bundestag beschlossenen Verordnung besteht erst von 2029 an eine grundsätzliche Pflicht zur Phosphorrückgewinnung. Für kleinere Anlagen tritt sie sogar noch später in Kraft.

          Die Verordnung des Bundes ist ein Bestandteil des Ressourcenschutzes, der von den Vereinten Nationen bis zu den Kommunen auf allen Ebenen der Politik eine Rolle spielt. Er hat auch in die hessische Koalitionsvereinbarung Eingang gefunden. Wasser, Boden, Luft, Klima, die biologische Vielfalt sowie die endlichen und nachwachsenden Rohstoffe sind die Voraussetzungen zum Erhalt des aktuellen und zukünftigen Lebens auf unserer Erde, allerdings sind sie teilweise sehr knapp.

          Die sich daraus ergebende Pflicht zur Schonung der Ressourcen soll eine Strategie des Umweltministeriums gewährleisten, die die Aktivitäten der Landesregierung bündelt und Wissenschaft, Wirtschaft und Verbände mit einbezieht. Die ressourcenschonende Landwirtschaft gehört ebenso dazu wie zum Beispiel ein entsprechendes Wassermanagement, die Wiederverwertung von Produkten und ressourcenschonendes Bauen.

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