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Helaba : Wir sind dem Stress gewachsen

Das beste Halbjahr seit der Gründung, aber Ärger mit der Aufsicht: die Helaba. Bild: DPA

Die Landesbank Hessen-Thüringen hat am Freitag bekräftigt, dass sie den Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA in London bestanden hätte, wären dort die stillen Einlagen des Landes als hartes Kernkapital anerkannt worden.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen hat am Freitag bekräftigt, dass sie den Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA in London bestanden hätte, wären dort die stillen Einlagen des Landes als hartes Kernkapital anerkannt worden. Die Helaba veröffentlichte am Freitag um 18 Uhr, zum gleichen Zeitpunkt wie die Aufsichtsbehörde, die Ergebnisse des Stresstests unter dieser Vorgabe. Hingegen taucht das Frankfurter Kreditinstitut in den Veröffentlichungen der EBA nicht mehr auf. Auch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gingen gestern nicht mehr auf die Auseinandersetzung der vergangenen Tage um die Helaba ein.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die anderen deutschen Banken, die dem Stresstest unterworfen worden waren, haben ihn ebenfalls bestanden. Das gilt mithin auch für die vier Frankfurter Häuser, die außer der Helaba geprüft worden waren – Commerzbank, Deka-Bank, Deutsche Bank und DZ Bank.

          In Frankfurt überträfe das Kreditinstitut die Commerzbank

          Bei dem Stresstest war ein scharfer Wirtschaftsabschwung 2011 und 2012 angenommen worden, mit der Folge höherer Arbeitslosigkeit, sinkender Aktienkurse, einem Preisverfall bei Immobilien und auch einem Zinsanstieg. All dies würde Banken erheblich belasten. Kreditinstitute können umso größere Risiken beim Vergeben von Krediten und der Anlage des eigenen Geldes eingehen, je mehr Eigenkapital sie haben. Bei den aufwendigen Modellrechnungen kam daher der Frage nach der Kernkapitalquote die größte Bedeutung zu, bei der die Risiken ins Verhältnis gesetzt werden zum harten Kernkapital, mit dem die Eigentümer gerade stehen. Diese Quote musste nach den Vorgaben der EBA bei mindestens fünf Prozent liegen.

          Die Helaba bekräftigte am Freitag, die Modellrechnungen führten bei ihr zu einer Kernkapitalquote von 6,8 Prozent. In Frankfurt überträfe das Kreditinstitut damit die Commerzbank (6,4 Prozent) und die Deutsche Bank (6,5), während sie hinter der DZ Bank (6,9) und Deka-Bank (9,2 Prozent) zurückbliebe.

          Auch die hessische SPD kritisierte die EBA

          Allerdings hat die Helaba dabei eine stille Einlage des Landes Hessen als hartes Kernkapital eingerechnet. Dies hatte die EBA nicht anerkannt, wiewohl es eine Verpflichtungserklärung der Landesregierung von April gibt, wonach diese Einlage so verändert werden soll, dass sie die Anforderung der Behörde für Kernkapital erfüllt. So soll sie künftig nicht mehr mit einem festen Satz verzinst werden, sondern abhängig von der Ertragslage. Offensichtlich reichte der Behörde die Erklärung nicht aus. Bei der NordLB, wo es ein vergleichbares Problem gab, liegt bereits ein Beschluss des niedersächsischen Landtages vor. Dies erkannte die EBA an. Ohne die stille Einlage käme die Helaba bei dem Stresstest auf eine Quote von 3,9 Prozent, hätte ihn also nicht bestanden.

          Der Vorsitzende der EBA, Andrea Enria, kritisierte gestern Abend das Vorgehen der Helaba, die die Auseinandersetzung am Mittwoch bekannt gemacht hatte. „Niemand kann sich zurückziehen. Unsere Forderungen gelten auch für die Helaba.“ Sie müssten befolgt werden. Genau dies hatte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) schon am Nachmittag bekräftigt. Die Träger der Helaba seien sich einig, „zeitnah alles Erforderliche zu tun“, um die Einlage umzuwandeln, sagte der Minister. „Es liegt nicht nur im Interesse der Bank und ihrer Träger, dass nach Abschluss der Umwandlung keine neuerlichen Zweifel an der Härte des Kapitals aufkommen können, sondern auch im Interesse des gesamten Finanzplatzes.“

          Auch die hessische SPD kritisierte die EBA. „Der Test ist in seinen Kriterien von Beginn an vollkommen unlogisch gewesen und die nachträgliche Änderung von Bewertungen hat das noch absurder gemacht“, äußerte der Parteivorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. „Dass nun ausgerechnet eine Landesbank attackiert wird, die in der Krise nicht versagt hat, ist ein Treppenwitz der Finanzmarktgeschichte.“ Auch die Bundesregierung trage aber eine Mitschuld, weil sie immer wieder signalisiert habe, dass ihr die Landesbanken ein Dorn im Auge seien.

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