https://www.faz.net/-gzg-9r8aq

Gegen Kostenanstieg : Helaba kündigt spürbaren Personalabbau an

Sparprogramm: Die Helaba wird Stellen abbauen, wie ihr Chef sagt Bild: Patrick Junker

Der Landesbank geht es trotz der Magerzinsen vergleichsweise gut. Aber der Vorstand stemmt sich dagegen, dass die Kosten seit Jahren schneller steigen als die Erträge. Er will auch „Führungsebenen straffen“.

          2 Min.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) richtet sich auf weitere Jahre mit heftigem Gegenwind ein. Mit der  Verschärfung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank in der vergangenen Woche sei klar, dass die Zinsen im Euroraum noch länger tief und vielfach negativ blieben. Zudem trügen verschärfte Vorschriften der staatlichen Aufseher, die nötigen Investitionen für die Digitalisierung und hoher Wettbewerbsdruck zum harten Marktumfeld bei. „Wir können das wie andere beklagen. Klagen nutzt aber nichts. Wir müssen handeln. Und die Helaba handelt jetzt“, sagte Herbert Hans Grüntker am Wochenende vor Journalisten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie die rund 6100 Mitarbeiter seit Anfang August wissen, wird die Helaba die Zahl ihrer Geschäftsbereiche unterhalb des Vorstandes von 40 auf weniger als 20 halbieren. Auch ein Mitarbeiterabbau ist vorgesehen, er wird sich nach Informationen der F.A.Z. auf eine dreistellige Zahl an Stellen beschränken, die nicht wiederbesetzt werden, wenn Mitarbeiter teilweise vorzeitig in Ruhestand treten. Betriebsbedingte Kündigungen will die Führung der öffentlich-rechtlichen Helaba, die den Bundesländern Hessen und Thüringen sowie kommunalen Sparkassen gehört, vermeiden.

          Kosten steigen stärker als Erträge

          Der Helaba geht es im Vergleich zu anderen Banken noch gut. Die Deutsche Bank hat im Juli beschlossen, 18.000 Arbeitsplätze zu streichen, also jeden fünften. Auch die Commerzbank steht dem Vernehmen nach vor einem weiteren Stellenabbau. Die Helaba verdiente 2018 als Geschäftsbank für Unternehmen und als Zentralbank für Sparkassen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg vor Steuern fast unverändert zum Vorjahr 443 Millionen Euro vor Steuern und erreichte damit den Zielkorridor von 5 bis 7 Prozent Eigenkapitalrendite. Aber Vorstandschef Grüntker stört, dass seit Jahren die Kosten stärker steigen als die Erträge.

          Tatsächlich gab die Helaba im Jahr 2015 noch weniger als 60 Cent aus, um einen Euro Ertrag zu erzielen, im vergangenen Jahr waren es unangenehm hohe 78 Cent. „Wir müssen den Trend steigender Verwaltungsaufwendungen und stagnierender Erträge stoppen“, sagte Grüntker. Neben Kostensenkungen durch Stellenabbau und neue Konzernstruktur strebt er für die nächsten Jahre Ertragszuwächse über dem Marktdurchschnitt an.

          Deshalb werde die Helaba auch weitere Gelegenheiten prüfen und ergreifen, sollten interessante Unternehmen zum Verkauf stehen, sagte Grüntker. Er zeigte sich sehr zufrieden mit der Dexia Kommunalbank und einem Kreditportfolio der DVB Bank, die von der Helaba im vergangenen Jahr gekauft wurden. Und auch die Zusammenarbeit mit Fintechs solle forciert werden, kündigte er an. „Helaba Digital, unsere Beteiligungsgesellschaft für Startup-Investments, hat auf der Suche nach innovativen Unternehmen, die unsere Geschäftsprozesse voranbringen, allein 2019 bereits 80 Start-ups gesichtet, zwei konkrete Beteiligungsprozesse stehen kurz vor dem Abschluss.“

          Doch schnell kam Grüntker in seiner Rede auf Unbequemeres zurück: „Diese Transaktionen dürfen aber nicht ablenken von den Mühen der Ebene, die in den nächsten Jahren vor uns stehen: Die Anstrengungen, kontinuierlich die Effizienz zu verbessern sowie die Organisation zu verschlanken.“ Im Zuge des Konzernumbaus soll die Verkaufskraft gestärkt werden, indem Vertriebs- und Produkteinheiten zusammen geführt werden.  „Durch die Straffung der Organisationsstruktur wollen wir die Schlagkraft der Helaba deutlich erhöhen“, sagte Grüntker. Das Ziel sei es, dass im ersten Quartal 2020 die neue Struktur stehe und die Helaba auch in dieser Transformationsphase die Kunden nicht vernachlässige.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkischen Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen Preis haben.
          Chef der PiS-Partei: Jaroslaw Kaczynski

          Parlamentswahlen in Polen : Regierungspartei PiS baut Vorsprung aus

          Laut ersten Prognosen hat die polnische Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die Parlamentswahl deutlich gewonnen und ihre Macht ausgebaut. Den Nationalkonservativen folgte eine liberalkonservative Bürgerkoalition.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.