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Banken : Traditionsbank in Bewegung

Dirk Drechsler hat seinen Rücktritt angekündigt Bild: Hauck & Aufhäuser

Die BayernLB will aussteigen, außerdem kündigt einer der Chefs seinen Rücktritt an: Beim Frankfurter Privatbankhaus Hauck & Aufhäuser kehrt keine Ruhe ein.

          Für eine Privatbank, so hat einmal ein hochrangiger Manager eines solchen verschwiegenen, traditionsreichen Hauses gesagt, sei es am besten, wenn sie nie in der Zeitung stehe. Hauck & Aufhäuser, eine der feinsten Adressen der Branche, gelingt dies in letzter Zeit nicht mehr so ganz.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den vergangenen Tagen sorgte die Nachricht bundesweit für Schlagzeilen, dass sich die BayernLB von ihren Anteilen an der Bank (zehn Prozent Stammaktien, weitere 15 Prozent Vorzugsaktien) trennen wolle. Nun verlautete nach einer Aufsichtsratssitzung aus Finanzkreisen, einer der Chefs, der 47 Jahre alte Münchener Partner Dirk Drechsler, habe seinen Rücktritt angekündigt.

          Auseinandersetzungen und Machtkämpfe

          Wenige Tage vor der Bilanzpressekonferenz der Bank am Montag in Frankfurt scheint sich damit die Hoffnung Drechslers, die er vor einem Jahr geäußert hatte, die Neuorientierung der Bank und ihrer Führung sei abgeschlossen, nicht bewahrheitet zu haben. Offenbar gibt es sowohl unter den Partnern als auch im Zusammenspiel mit den Eigentümern immer wieder Auseinandersetzungen und Machtkämpfe. Die Privatbank, die 1998 aus der Fusion des Frankfurter Bankhauses Georg Hauck & Sohn und der Münchener Bank H. Aufhäuser entstanden war, gehört zu 70 Prozent vermögenden Privatpersonen. Knapp ein Drittel halten bislang die BayernLB und zwei Versicherungen.

          Der letzte Vertreter der alten Eigentümerfamilie in der Bank, Michael Hauck, der am Sonntag 80 Jahre alt wird, hatte sich 1993 aus der aktiven Tätigkeit zurückgezogen. Damals übernahm Jörg-Engelbrecht Cramer als erster von außen geholter Manager das Ruder in der Bank. Er wechselte vor drei Jahren mit 62 Jahren in den Ruhestand. Seither hat die Bank keinen Sprecher der Geschäftsleitung mehr.

          Bei den Partnern gab es mehrere Wechsel. Helmut Landwehr, der Spross einer Bremer Bankiersfamilie, in dem manche schon einen Nachfolger Cramers gesehen hatten, ging bereits nach einem Jahr wieder. 2004 wechselte Helmut Schreyer in den Ruhestand. Vor zwei Jahren wurde Volker van Rüth, der von der Frankfurter Süd-Kapitalanlagegesellschaft gekommen war, vom Generalbevollmächtigten zum Partner. Im vorigen Jahr ergänzte Michael Schramm, der zuvor beim Hamburger Bankhaus Berenberg tätig gewesen war, den Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter. Außerdem installierte man zum ersten Mal in der Geschichte der Bank einen nicht haftenden Partner: Ulrich Sopp soll als „Chief Operating Officer“ unter anderem für die interne Restrukturierung der Bank zuständig sein.

          Kritik an der geringen Ertragsstärke

          Bereits in der Vergangenheit war nach außen gedrungen, dass es bisweilen Kritik von Anteilseignern an der geringen Ertragsstärke der Bank gegeben hatte. Hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur hatten die Ergebnisse belastet, aber auch die Entwicklung der operativen Erträge verlief offenbar nicht so gut wie erhofft. Zuletzt wies die Bank für 2005 ein operatives Ergebnis von 8,5 Millionen Euro aus, nach acht Millionen Euro in 2004.

          Nachdem das erste Halbjahr 2005 recht unbefriedigend ausgefallen war, war offenbar die Notbremse gezogen worden. Eine neue Führungsstruktur wurde aus der Schublade gezogen, interne Abläufe sollten gestrafft werden. In Finanzkreisen war damals die Rede davon gewesen, es gebe auch unterschiedliche Auffassungen zwischen den Partnern in Frankfurt und in München.

          Auf der Jahrespressekonferenz im vorigen Jahr trugen dann Peter Gatti (Frankfurt) und Dirk Drechsler (München) gemeinsam vor. Über den neuen Partner Schramm hatte es geheißen, er solle vor allem den Vertrieb der Bank im Geschäft mit Privatkunden voranbringen. So anerkannt nämlich das Angebot von Hauck & Aufhäuser für vermögende Privatkunden und so groß der dafür vorgehaltene Spezialistenpool ist, so schwer soll sich das Haus doch zumindest über lange Zeit getan haben, ausreichend neue Kunden zur Auslastung dieser Kapazitäten zu gewinnen.

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