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Handelskette Woolworth : Traditionsmarke auf Expansionskurs in Rhein-Main

Trägt zur Belebung Frankfurt-Bockenheims bei: Woolworth-Filiale an der Leipziger Straße Bild: Wolfgang Eilmes

Die Handelskette Woolworth hält nach neuen Standorten Ausschau. Darunter sind auch Orte im Großraum Frankfurt, wo der Traditionsbetrieb einst seinen Sitz hatte.

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          Eilig sollte der Kunde es in diesem Geschäft nicht haben. Denn der zentrale Gang in der Mitte bietet zwar selbst Platz für einen Zwillingskinderwagen. Doch auf den Abzweigen zu den Waren links und rechts im Woolworth-Haus an der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim müssen die Kunden den Bauch einziehen. Denn die meist runden Kleiderständer mit Pullover, Hemden und Jacken stehen dicht an dicht. Etwas mehr Beinfreiheit gibt es vor den Regalen, in denen bunte Nackenkissen, Schlafsäcke, Kartons mit einem Messer, einer Gabel und zwei Löffeln sowie schwarze Trolleys mit Minion-Aufdruck nebeneinander liegen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Über den Köpfen der Kunden hängen pfeilförmige Schilder, die einen roten Einkaufskorb zeigen und zum Konsum ermuntern: „Greifen Sie zu“, steht in roten Buchstaben darauf geschrieben. Langarm-Shirts für Kinder inklusive Ökotex-100-Siegel für 1,99 Euro, Kurzarm-Shirts für Männer für 2,99 Euro oder auch Sweatshirts für 5,99 Euro: Viel Geld muss hier niemand lassen. Das gilt auch für die Freunde des schnellen Schlückchens. Die vor der Kasse neben Süßwaren plazierte kleine Flasche spanischen Weins gibt es für nur einen Euro. Weinbrand kostet gerade einmal einen Euro mehr.

          Spätestens im nächsten Frühjahr: ein Geschäft in Bad Homburg

          Anreize dieser Art müssen einem nicht gefallen. Doch hat Woolworth damit offenbar Erfolg. Und die Kassiererin punktet mit einem kurzen persönlichen Schwatz mit dem älteren Herrn, der Einmalrasierer kauft. Man kennt sich. Auch für Kunden, die sie nicht kennt, hat die ein Frau an der Kasse ein freundliches Wort übrig. Das passt gut zum Image des modernen Nahversorgers, das der Händler für sich beansprucht.

          Geht es nach Woolworth, werden auch im Rhein-Main-Gebiet bald mehr Kunden erfahren, was das bedeutet. Denn das Unternehmen aus Unna will mehr Läden eröffnen. So zieht die Handelskette in das Chinoncenter in Hofheim ein. Und dabei soll es nicht bleiben: „Unser Ziel ist es, in einigen Jahren flächendeckend der größte deutsche Nahversorger zu sein“, lässt der Einzelhändler wissen, der ehedem mit Frankfurt-Niederrad eng verbunden war. Mittelfristig sollen aus den bestehenden 320 Filialen 500 werden.

          Spätestens im nächsten Frühjahr will die Firma ein Geschäft in Bad Homburg eröffnen, wie eine Sprecherin ankündigt. „Wir sind schon mit diversen Immobilieneigentümern in Gesprächen“, sagt sie. Zudem wolle Woolworth bis Ende nächsten Jahres in Gießen präsent sein. Das Unternehmen ist zwar etwa in Frankfurt in Stadtteil-Lagen vertreten. Es zieht aber auch gerne in 1-A-Lagen, wie die Sprecherin hervorhebt. Nur sei es nicht immer leicht, geeignete Flächen zu finden. Woolworth sucht Ladenlokale mit 1000 bis 2000 Quadratmetern, einer Frontbreite von mindestens 15 Metern und einer Anlieferzone für Lastwagen, wie auf der Internetseite zu lesen ist. Die Fläche für den Verkauf vor der Tür sollte so groß wie möglich sein.

          Bis Herbst 2009 saß das Vorgängerunternehmen Woolworth Deutschland an der Lyoner Straße. Doch in jenem Jahr stellte der Finanzinvestor Argyll als einer der beiden Eigentümer Insolvenzantrag für den Geschäftsbetrieb. In der Folge schloss Woolworth unter anderem sein Haus an der Zeil. Der Textildiscounter NKD verleibte sich 23 Standorte ein. Den Löwenanteil, 160 von ursprünglich 310 Geschäften, verkaufte Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann allerdings an die westfälische HH-Holding und später an die B.H. Holding des Unternehmers Stefan Heinig, der auch Anteile an den Discount-Ketten Tedi und Kik hält.

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          Im Auftrag Herrmanns hatte der Handelsspezialist Heinz Thünemann, der zuvor unter anderem für Karstadt und das Textilunternehmen Katag gearbeitet hatte, Woolworth ein neues Gesicht gegeben und fit für den Verkauf gemacht. Er dünnte das Sortiment aus und konzentrierte sich auf profitable Ware. Darauf konnten die neuen Eigentümer aufbauen. Gleichwohl zog sich die neue Woolworth auch im Rhein-Main-Gebiet von einigen Standorten zurück, so von der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen und von der Berger Straße. Dort, in Bornheim, ist die Marke aber wieder zurück.

          Auch in Höchst an der Königsteiner Straße soll die Abwesenheit nicht von Dauer sein, wie es am Firmensitz in Unna heißt. Die Höchster Filiale müsse allerdings aufwendig umgebaut werden. Deshalb könne Woolworth noch nicht sagen, wann das Haus wieder eröffnet wird. „Wir kommen auf alle Fälle zurück“, sagt eine Sprecherin.

          Derweil beschäftigt sich der Frankfurter Insolvenzverwalter Herrmann weiter mit den Hinterlassenschaften der alten Woolworth. Wie sein Sprecher sagt, ist ein konkreter Zeitpunkt für das Ende des Verfahrens ebenso wenig abzusehen wie die Höhe der Quote, also das, was die Gläubiger zu erwarten haben. Herrmann hält es aber für möglich, noch in diesem Jahr das Kapitel Woolworth Deutschland aus Sicht des Insolvenzverwalters zu schließen.

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