https://www.faz.net/-gzg-u4m8

Handel : Zweitausendeins will auf Buchhändler zugehen

Die Frankfurter Filiale von Zweitausendeins Bild: F.A.Z. / Foto Christian Burkert

Ein knappes halbes Jahr nach der Übernahme durch die Kinowelt-Gruppe blickt der Frankfurter Versand Zweitausendeins nach vorne. Er stellt wieder ein, bringt neue Kataloge heraus und sucht die Zusammenarbeit mit unabhängigen Buchhändlern.

          2 Min.

          „Phantastisch“, sagt sie lächelnd vor dem mit CDs gespickten Regal. „Die Stimmung unter uns ist phantastisch“, wiederholt die Angestellte in der Zweitausendeins-Filiale am Kornmarkt in Frankfurt. Ist etwas anders geworden nach der Übernahme durch die Kinowelt-Gruppe? Der Hauch eines Kopfschüttelns. Keine Folgen fürs Alltagsgeschäft sieht auch Konrad Künkel. „Bisher kriegt man gar nichts mit“, sagt er. „Alles wie immer“ also bei dem Unternehmen, das sich seit 1969 mit preisgünstigen Tonträgern, Büchern und auch Filmen einen Namen gemacht hat. Das passt zu dem, was Geschäftsführer Till Tolkemitt gleich nach Bekanntgabe der Übernahme sagte: „Die Truppe bleibt gleich, die Gründer bleiben an Bord, und die Geschäftsführung bleibt auch.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Etwas ist gleichwohl etwas anders als noch vor einem knappen halben Jahr, wie sich auch durch einen genaueren Blick in die Regale der Filiale erschließt: Zweitausendeins baut das DVD-Angebot mit Werken aus dem Katalog der neuen Eigentümer aus; dafür stehen die Marken Kinowelt und Arthaus mit neueren Erfolgsfilmen wie Clint Eastwoods Boxer-Drama „Million Dollar Baby“, Klassikern wie „Der Glöckner von Notre-Dame“ mit Charles Laughton oder die Trilogie der Familiensaga „Heimat“ von Edgar Reitz für 169,99 Euro. Über dieses Paket redet Tolkemitt hörbar gerne, hat es doch bei Zweitausendeins im Weihnachtsgeschäft für viel Freude gesorgt: „Wir haben mehrere hunderttausend Euro Umsatz damit gemacht“, sagt er und preist die „Cineasten-Ware“.

          Mit neuen Katalogen neue Kunden gewinnen

          Das Geschäft mit Filmen auf Silberscheiben entwickelt sich nach seinen Worten überhaupt ziemlich gut. Demnach hat das Unternehmen im November und Dezember fast genauso viele DVDs verkauft wie in den zehn Monaten davor; da von Januar bis Ende Oktober dieses Geschäft laut Tolkemitt stagniert hat, kann Zweitausendeins in dem Segment auf wirkliches Wachstum verweisen. Vor diesem Hintergrund sagt der Geschäftsführer: „Es könnte sein, dass wir vermehrt künftig exklusive Neuerscheinungen auf DVD machen werden.“

          Auch in anderer Hinsicht ändert sich so einiges bei dem Versand mit Filialen und Verlag. Zweitausendeins will expandieren, sucht deshalb eine Fachkraft für dieses Vorhaben sowie zwei Volontäre, einen davon ausdrücklich für das „Merkheft“, den traditionell auf besonders dünnem Papier gedruckten Katalog. Teil der Expansionsstrategie könnten neue Filialen sein. In Leipzig teilt sich das Unternehmen seit der Vorweihnachtszeit schon einen Laden mit Kinowelt. „Die ersten Zahlen sind im Plan, wir werden das weiter beobachten“, erläutert der Geschäftsführer, ohne Einzelheiten zu nennen. Ausdehnung auf dem Markt ist das eine, wie er sagt, das andere ist Professionalisierung, die Zweitausendeins demnach anstrebt. „Heutzutage muss man mehr Werbung machen als vor Jahren“, meint er und verweist auf neue Katalogtypen. So wird der Versand bald der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen vierfarbigen Katalog im DIN-A4-Format beilegen, dessen Inhalt auf die Leserschaft zugeschnitten sein soll - natürlich mit dem Ziel, neue Kunden zu gewinnen.

          „Schwarze Null“ für 2007 geplant

          Zu den Plänen aus der Chefetage zählt auch, ein Shop-in-Shop-Modell beim Vertrieb aufzubauen. Tolkemitt will auf selbständige Buchhändler zugehen und diese als Partner gewinnen. Etwa so wie die Frankfurter Büchergilde Gutenberg - „nur erheblich größer“. Das 1000 Artikel zählende Kernsortiment möchte der Versand jeweils auf einer Verkaufsfläche von 40 bis 50 Quadratmetern unterbringen. Was sich das Unternehmen seit der Übernahme durch die Kinowelt-Gruppe vorgenommen hat, ist für Tolkemitt „ein bisschen wie ein Neustart“. Es sei ein „großes Projekt, das wird ein paar Jahre dauern“.

          Schon zu Ende Dezember soll bei Zweitausendeins unter dem Strich ein positives Betriebsergebnis stehen. „Wir werden mit einer schwarzen Null abschließen“, sagt Tolkemitt voraus. Mehr werde aufgrund der Investitionen in den Auftritt und den Vertrieb nicht drin sein. Das vergangene Jahr ist mit einem Umsatz zwischen 35 und 40 Millionen Euro - genauer wird der Chef nicht - abgeschlossen worden. Zur Ertragslage schweigt er sich aus. Kein Geheimnis macht der 37 Jahre alte Manager, der seit drei Jahren an Bord ist und von Hamburg aus arbeitet, dagegen aus der Frage, wie er mit den neuen Eigentümern, den Brüdern Rainer und Michael Kölmel, klarkommt. „Die Kooperation verläuft sehr positiv.“

          Weitere Themen

          Ein historisches Markenzeichen

          Hertie-Stiftung in der Kritik : Ein historisches Markenzeichen

          Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung fördert die Demokratie. Sie hat einen guten Ruf und trägt einen klingenden Namen. Aber woher kommt er eigentlich? Die Arisierung spielte dabei eine maßgebliche Rolle.

          Topmeldungen

          Zwischen Angst und Wut: Unter den Demonstranten in Thailand sind viele junge Frauen, die sich von den Traditionen ihrer Eltern abwenden.

          Proteste gegen Rama X. : Thailands König entzweit Familien

          Die junge Thailänderin Nan demonstriert in Bangkok für eine Einschränkung der königlichen Rechte. Sie will nicht vom reichsten Monarchen der Erde regiert werden. Ihre Eltern aber wollen nicht an den Traditionen rütteln.
          „Geschlossen“: Schilder wie dieses hängen derzeit wegen der Corona-Pandemie an der Tür vieler Restaurants.

          Allianz-Chef zu Corona : „Pandemien sind nicht versicherbar“

          Viele Gastwirte wollen wegen der Corona-Verluste Geld von ihrer Versicherung. Allein 150 Klagen richten sich gegen die Allianz Deutschland. Doch deren Chef sagt: Die Policen wurden nicht als Schutz vor einer Pandemie verkauft.
          Lange Schlangen vor den Supermärkten sind auch vor Weihnachten wieder zu erwarten.

          So reagiert der Handel : Lange Schlangen und gähnende Leere befürchtet

          Wenige Wochen vor dem Weihnachtsfest hat die Bundesregierung die Corona-Maßnahmen noch einmal verschärft – sehr zum Ärger des hiesigen Handels. Gerade Supermärkte haben für die Regeln nur wenig Verständnis.
          Schwierige Partner: Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

          Polens Außenminister : Die EU-Verträge sind heilig

          In Europa gilt das Einstimmigkeitsprinzip. In den Regelungen für die Corona-Hilfe soll das nun rechtswidrig umgangen werden. Polen muss mit einem Veto drohen, um einen drohenden Vertragsbruch abzuwenden. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.