https://www.faz.net/-gzg-tnjq

Handel : Weihnachtsgeschäft läuft gut an

Händler versprechen sich vom Weihnachtsgeschäft mehr Umsatz als vor Jahresfrist Bild: picture-alliance/ dpa

Jammern gehört unter Einzelhändlern zum guten Ton - doch in diesen Tagen lassen sich viele fröhliche Stimmen aus dieser Branche vernehmen. So melden Händler steigende Umsätze und sind auch für 2007 zuversichtlich. Trotz der höheren Mehrwertsteuer.

          3 Min.

          Jammern gehört unter Einzelhändlern zum guten Ton - doch in diesen Tagen lassen sich auffallend viele fröhliche Stimmen aus dieser Branche vernehmen. Der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands, die Kaufhauschefin, eine Geschenkeartikel-Händlerin, der Geschäftsführer eines Anbieters von hochwertigem Porzellan und Haushaltswaren: Sie alle blicken zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft und melden mehr Umsätze als vor Jahresfrist. Dies paßt zu einer Erhebung der Kreditkartengesellschaft American Express, nach der 56 Prozent der Einzelhändler hierzulande ein Plus gegenüber 2005 erwarten. Umstritten ist unter ihnen aber, ob die für Januar angekündigte Mehrwertsteuer-Erhöhung von 16 auf 19 Prozent zu vorgezogenen Käufen führt - und nach dem Jahreswechsel deshalb die Erlöse leiden werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Die Stimmung ist gut“, sagt Frank Albrecht, Chef des hessischen Einzelhandelsverbands und Betreiber einer Frankfurter Parfümerie. Der Handel kann mit guten Geschäften rechnen, wie er sagt. Dies liege auch am milden Wetter, das jedoch den auf Winterbekleidung eingestellten Textilanbietern keine Freude bereite. Albrecht vergleicht die Umsatzzuwächse gegenüber dem Vorjahr mit einem „warmen Regen“ für die Einzelhändler. Das Plus führt er aber nicht auf die absehbare höhere Mehrwertsteuer zurück. Begründung: Die drei Prozentpunkte machten sich vor allem bei Großanschaffungen bemerkbar, nicht aber bei üblichen Weihnachtsgeschenken. Vielmehr könnten viele Kunden schon übers Weihnachtsgeld verfügen.

          „Positives Denken in der Kundschaft“

          Auch für Ilse Kofler, die die Geschäfte des Geschenkeartikel- und Möbelanbieters Cri-Cri in Frankfurt führt, spielt die Mehrwertsteuer-Erhöhung keine große Rolle. „Das Thema wird von den Medien viel zu sehr in den Vorgrund geschoben“, meint sie. Bei Cri-Cri gelten weiter die alten Preise, und zum neuen Jahr werden nicht nach dem Gießkannen-Prinzip drei Prozentpunkte aufschlagen, wie Kofler sagt. Erst mit der Zeit würden Artikel teurer. „Den Übergang wird der Verbraucher gar nicht merken.“ Bisher habe Cri-Cri im Weihnachtsgeschäft mehr erlöst als vor Jahresfrist, weshalb sie „zufrieden“ sei.

          Ähnlich äußert sich Philipp Keller, Geschäftsführer von Lorey in Frankfurt. Den Umsatzzuwachs im Vergleich zum Vorjahr beziffert er auch rund fünf Prozent. Den Verkaufserfolg erklärt der Anbieter von Porzellan, Haushaltswaren und Wohnaccessoires zum einem damit, mehr hochwertige Waren ins Sortiment aufgenommen zu haben. Daß Kunden zugreifen, schreibt auch er nicht der Mehrwertsteuer zu, sondern dem von der belebten Konjunktur unterstützten „positiven Denken“ in der Kundschaft.

          Aus Sicht von Katja Stahlhacke stellt das Thema Mehrwertsteuer dagegen einen Umsatztreiber dar. Denn bei Flachbildschirmen oder hochwertigen Cappuccino-Maschinen gehe es schon um „eine kleine Investition“, sagt die Geschäftsführerin von Karstadt an der Zeil. Besonders Cappuccino-Maschinen seien ein Renner in diesen Wochen: „Wir haben den Umsatz im Vergleich zum vergangenen Jahr verdreifacht.“ Wegen der Nachfrage werde Karstadt die Angebotsfläche für diese Waren nochmals erweitern. Allgemein erwartet Stahlhacke „das stärkste Weihnachtsgeschäft seit Jahren“ - zumal das Kaufhaus die neue Möglichkeit nutzen wolle, länger zu öffnen. Dadurch könnte die Kunden entspannter einkaufen.

          6000 Vollzeitstellen weggefallen

          Auch im neuen Jahr erwarten die Händler durchaus gute Geschäfte, obwohl Unsicherheit mitschwingt. Die Cri-Cri-Chefin blickt wie ihr Kollege von Lorey mit Zuversicht auf 2007. Nur dürfe nicht wieder alles schlechtgeredet werden, mahnt Keller. Nachdem die Branche von Januar bis September 1,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist umgesetzt hatte, erwartet Albrecht für das Gesamtjahr einen Zuwachs von bis zu 1,5 Prozent. Seine Erwartungen für 2007 nennt er verhalten. Begründung: „Alle schauen wie gebannt auf die Steuererhöhung, die der Handel weitergeben muß“ - angesichts vielfach schmaler Renditen von höchstens einem Prozent.

          Der Handel werde von der Regierung zum Steuereintreiber degradiert. Viele Kunden dürften den Aufschlag bei der Mehrwertsteuer den Händlern zuschreiben. Außerdem werde die versprochene Entlastung bei den Lohnnebenkosten erst Ende Januar greifen. So wird der Januar „ein schwarzes Loch“, wie Albrecht meint. Er rechnet auch mit einem weiteren Abbau regulärer Stellen zugunsten von Aushilfsjobs im Handel, nachdem dieses Jahr in Hessen schon 6000 Vollzeitarbeitsplätze gestrichen worden seien. Wenn jedoch weniger gespart und mehr gekauft werde, könne es auch mehr Stellen geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.