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Handel : Versender verkaufen immer öfter via Internet

Musste nach Jahren stetigen Wachstums einen Umsatzrückgang erleben: Hess Natur in Butzbach, hier ein Blick in den Vertrieb Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Hüftgold zahlt sich aus. Wer daran zweifelt, sollte sich bei Happy Size in Frankfurt umsehen. Der Frankfurter Versandhändler wächst. Und der Branchenverband erwartet 2009 mehr Umsatz. Allerdings sind auch zurückhaltende Stimmen zu hören. Etwa von Hess Natur in Butzbach.

          Hüftgold zahlt sich aus. Wer daran zweifelt, sollte sich bei Happy Size in Frankfurt umsehen. Der Versandhändler zielt mit seiner Mode vor allem auf Frauen mit Konfektionsgröße 48/50 – und legt zu. Vor zehn Jahren brachte das Unternehmen seinen ersten Katalog auf den Markt – seitdem ist der Umsatz auf 100 Millionen Euro im Jahr gestiegen. „Wir sind damit einer der größten Spezialgrößenversender in Deutschland“, sagt eine Sprecherin selbstbewusst. Fast neun Zehntel setzt die Happy Size-Company Versandhandels GmbH in Deutschland um, den Rest in Frankreich und in der Schweiz. Gut 40 Prozent der Bestellungen laufen im eigenen Internetshop ein.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Typische Kunden von Happy Size sind „starke Frauen“ zwischen 35 und 55 Jahren, die Kernzielgruppe. Doch mit dem Katalog „Men Plus“ umgarnt der Textilversender „gestandene Pfundskerle“, wie er Männer mit etwas mehr auf den Rippen nennt. Und nicht nur das: Happy Size sucht regelmäßig nicht nur Frauen für den eigenen Laufsteg – sondern auch männliche Models, bei denen sich Bauchmuskeln ausdrücklich nicht abzeichnen. „Schließlich stehen nicht alle Frauen auf Waschbrettbauch und mega-muskulöse Schultern“, heißt es zur Begründung.

          Branchenverband sieht Plus von drei Prozent

          Das Unternehmen positioniert sich dabei als Anbieter preiswerter modischer Bekleidung. Der Erfolg stützt die Strategie: Das Geschäft ist auch im Januar gut gelaufen, wie es heißt. Dieses Jahr sollen die Erlöse um einen hohen einstelligen Prozentsatz klettern. Happy Size wüchse damit doppelt so stark wie der Durchschnitt der Branche, die nach einem Zuwachs von zuletzt 3,7 Prozent ein Umsatzplus von bis zu drei Prozent erzielen dürfte, sagt der Bundesverband des Deutschen Versandhandels voraus. Und im Gegensatz zur Muttergesellschaft Neckermann GmbH schreibt Happy Size mit 67 Mitarbeitern schwarze Zahlen.

          Bei Neckermann stehen die Zeichen dagegen noch nicht wieder auf Wachstum. Das unter Neckermann.de firmierende, nach einem Personalabbau noch 4000 Beschäftigte zählende Unternehmen folgt zwar seit 2008 der Leitlinie „Ertrag vor Umsatz“, hat margenschwache Artikel aus dem Sortiment geworfen und sich als größter Möbelversender etabliert, wie ein Sprecher sagt. Gleichwohl erzielte es bei einem um 100 Millionen Euro gesunkenen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro einen Verlust. Dieser wird nicht beziffert, lag aber laut Sprecher wie der Umsatz im Plan. Auch für dieses Jahr rechnet Neckermann noch mit roten Zahlen – erst 2010, wenn das Unternehmen 60 wird, soll ein Gewinn herausspringen.

          Neue Neckermann-Geschäftsführung steht aus

          Dieses Ziel darf aber mit Fragezeichen versehen werden. Denn zum einen ist es noch von der alten Geschäftsführung ausgegeben worden, die überraschend Ende Dezember abtrat. Zweitens ist unklar, inwieweit sich die Wirtschaftsflaute auf Neckermann auswirkt. Zudem muss sich neue Geschäftsführung erst noch finden. Immerhin steht in Person von Ulf Cronenberg der neue Marketing- und Vertriebschef fest. Der Manager tritt sein Amt am 1. März an und kommt vom Happy Size-Konkurrenten Ulla Popken. Ein neuer Vorsitzender der Geschäftsführung und der künftige Finanzchef sollen in den nächsten Wochen benannt werden.

          Als unstreitig gilt die Ausrichtung als Versender, der vor allem auf das Internet setzt. 57 Prozent der Bestellungen hat das Unternehmen zuletzt über die Homepage erzielt, nach 50 Prozent im Vorjahr. Zum Vergleich: Bundesweit beträgt die sogenannte Online-Quote bei Bestellungen 51 Prozent – wobei der E-Commerce 2008 im Mittel um fast ein Viertel gewachsen ist, wie es beim Branchenverband heißt.

          Rentabler Umsatz statt aggressive Werbung

          Wie hoch die Online-Quote bei dem zweiten großen Versender in der Region, dem Schwab-Versand, ist, behält das Hanauer Unternehmen für sich. Der Umsatz blieb im vergangenen Geschäftsjahr mit 1,034 Milliarden Euro weitgehend stabil. Abwärts wird es dagegen mit der Zahl der Beschäftigten gehen. Weil der Retourenversand verkleinert wird, streicht Schwab 100 Stellen (F.A.Z. vom 5. Februar).

          Bei der Hess Natur GmbH in Butzbach ist von Stellenabbau nicht die Rede. Allerdings musste der jahrelang mit Wachstum verwöhnte Versender von Ökotextilien zuletzt kleinere Brötchen backen. 2008 verlief „unter Plan und unter Vorjahr“, wie Geschäftsführer Wolf Lüdge sagt. Die Erlöse seien um einen einstelligen Prozentsatz gesunken, das Unternehmen aber weiter profitabel. Genaue Zahlen nennt die Arcandor-Tochter nicht mehr. Ein Viertel der Bestellungen lief auf der Homepage ein, im Jahr davor waren es 20 Prozent gewesen. Positiv für das gut 310 Mitarbeiter zählende Unternehmen: Die erste Kollektion des neuen Chefdesigners Miguel Adrover, die sich an Kunden mit etwas mehr Kleingeld richtet, hat sich laut Lüdge wie erwartet verkauft. In die Zukunft blickt er verhalten: „Ich glaube, 2009 wird ein schwieriges Jahr.“ Rentablen Umsatz statt aggressive Neukundenwerbung zu machen, sei das Motto.

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