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Handel : So mancher Goldring geht gleich zurück

Tausche bunt gegen rosa - oder so Bild: ddp

Das Umtauschen ungeliebter Weihnachtsgeschenke ist längst zum Anlaß für ausgedehnte Shopping-Touren geworden - nicht nur in Frankfurt, wo die Einkaufsmeile Zeil am Tag nach dem Fest fast so belebt gewesen ist wie davor.

          Diesmal müssen die Männer auf dem Bänkchen sitzen. Gleich an der Rolltreppe im Kaufhof, auf der es heute ständig Stau gibt. Sie haben ja doch nur das Falsche gekauft. An der Schmucktheke vom Kaufhof beispielsweise kann man beobachten, wie eine blonde Frau einen dicken goldenen Ring umtauscht. Wie kann jemand nur so einer zarten Frau so einen klobigen Ring schenken?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber schon vor Weihnachten hatten ja Wissenschaftler aus den Niederlanden mit einer Studie für Schlagzeilen gesorgt, in der es hieß, je besser jemand seinen Partner kenne, je näher er sich ihm fühle, desto größer sei die Gefahr, daß er beim Weihnachtsgeschenk völlig danebenliege. Weil er bei Dessous für die Ehefrau immer noch die Größe wähle, die sie hatte, als sie sich kennenlernten. Oder weil der Mann glaube, sie müsse genau wie er Super-8- Megapixel-Fotoapparate lieben.

          „Es wird weniger umgetauscht als früher“

          „Weihnachtsgeschäft nach Weihnachten“ heißen die Umtauschtage bis Silvester im Handel. Gestern lief es zunächst etwas langsam an, wie der Präsident des hessischen Einzelhandelverbandes, Frank Albrecht, sagte. Trotzdem war die Frankfurter Zeil am Nachmittag ein einziges Menschenmeer. Auch die „Tütenfrequenz“, die Zahl der Leute mit einer sichtbaren Neuerwerbung, wirkte hoch.

          „Umgetauscht werden vor allem Textilien, die etwa in der falschen Farbe oder Größe verschenkt wurden“, sagt Norbert Richter, Geschäftsführer des Kaufhof an der Zeil. Aber auch Schmuck, DVDs und Computerspiele - etwa wenn der Großvater den Wunsch des Enkels nicht ganz richtig verstanden oder sich bei der Spielkonsole vertan hatte. „Es wird aber weniger umgetauscht als früher“, meint Richter.

          Die Mehrwertsteuererhöhung müsse übrigens kein „Grund zu Panik“ beim Umtauschen sein, findet Albrecht. Grundsätzlich gelte zwar, wenn eine Ware nicht defekt sei, sondern nur mißfalle, bestehe kein Rechtsanspruch auf Umtausch. In der Regel zeigten sich die Händler aber kulant. Somit sei auch die Weitergabe der Mehrwertsteuer letztlich Vereinbarungssache zwischen Händler und Kunde. In der Praxis haben aber schon viele Ketten, darunter Kaufhof, Saturn und Media-Markt, angekündigt, ohne irgendwelche Aufschläge umtauschen zu wollen - auch wenn beispielsweise ein kleineres Hemd gegen ein größeres gewechselt werden solle oder eine DVD gegen eine andere. „Rund ein Drittel der Händler will die Mehrwertsteuererhöhung ja sowieso nicht weitergeben, ein Drittel erst im Laufe des Jahres“, so Albrecht.

          Der Handel hofft auf die Tage bis Silvester

          Deutlich mehr Hessen als in früheren Jahren haben offenbar Gutscheine verschenkt. „Eine Umfrage bei unseren Mitgliedsunternehmen hat eine Zunahme des Gutscheinverkaufs um 20 Prozent ergeben“, sagt Albrecht. Inwieweit dabei die Mehrwertsteuererhöhung dazu führt, daß sich der Beschenkte schlechter stellt, hängt von der Art des Gutscheins ab - und der Frage, wann ein Umsatz stattfindet. Wer beispielsweise einen Gutschein für eine Ballonfahrt bekommen hat und diese erst im Sommer antritt, wird die Differenz der Mehrwertsteuer nicht nachzahlen müssen. Wer jedoch einen Einkaufsgutschein für ein Geschäft bekommen hat, das wegen der Steuererhöhung die Preise anhebt, wird weniger Ware dafür erhalten.

          Zum stärksten Umsatztag im Jahr hat es der Umtauschtag gestern trotz allem nicht gebracht. „Das war, je nach Branche, der Freitag oder der Samstag vor Weihnachten“, sagt Albrecht. Trotzdem hoffe der Handel noch einmal auf die Tage bis Silvester.

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