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Handel in Corona-Pandemie : Kassen klingeln online

Willkommen: Kunden, die zum Geschenke-Einkaufen noch in die Stadt gehen Bild: dpa

Trotz Corona rechnet der Handel in Hessen mit einem Plus im Weihnachtsgeschäft. Treiber dafür sind die Lebensmittelmärkte und Online-Shops.

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          Lange Schlangen vor den Kaufhäusern auf der Frankfurter Zeil, dichtes Gedränge im Main-Taunus-Zentrum – vieles deutete am vergangenen Samstag auf einen gelungenen Auftakt des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes hin. Dass es ein starker Tag war, bestätigt Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen, der selbst ein Modegeschäft in Friedberg betreibt. Allerdings seien die Umsätze unter dem Vorjahr geblieben, das Minus auf der Zeil beziffert Hauptgeschäftsführer Sven Rohde mit 30 Prozent.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gedämpft sind daher auch die Erwartungen für die nächsten Wochen zumindest in den Innenstädten, auch wenn unter dem Strich in diesem Weihnachtsgeschäft nach der Prognose für Hessen ein Plus von 1,2 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro steht – und das trotz Corona und der neuen Beschränkung der Kundenzahl, die von diesem Dienstag an gilt.

          Das Gros des Wachstums führt der Handelsverband auf die Branchen zurück, die schon das ganze Jahr über gute Geschäfte machen: Lebensmittel, Möbel, Heim- und Handwerkerbedarf. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln trägt schon immer mit einem Drittel zum Gesamtumsatz der Branche bei. In diesem Jahr blühen die Geschäfte auch deshalb, weil angesichts von Homeoffice und geschlossenen Restaurants mehr zu Hause gekocht wird.

          Weihnachtseinkäufe vor allem online

          „Die Kunden kaufen auch in der Corona-Krise Geschenke, sie shoppen aber deutlich mehr online und gehen seltener in die Innenstädte“, fasst Präsident Ruths die Situation am Montag bei der Vorstellung der Zahlen zusammen. Es fehlten die Weihnachtsmärkte und die Gastronomie. Zudem seien die Konsumenten von der Politik angehalten, zu Hause zu bleiben. Dazu passt, dass 44 Prozent der Verbraucher angeben, sie wollten ihre Weihnachtseinkäufe vor allem online erledigen.

          Am Ranking der beliebtesten Weihnachtsgeschenke hat sich nicht viel geändert. Ganz oben stehen wie jedes Jahr Geschenkgutscheine, Spielwaren, Bücher und Schreibwaren.

          Bundesweit rechnen die Online-Händler mit einem Plus von 19 Prozent. Diese Umsätze im Internet könnten die Verluste der stationären Einzelhändler „bei weitem“ nicht kompensieren. Vor allem Geschäfte für Mode, Parfums und Spielwaren stünden stark unter Druck, sagt Ruths. Das gelte inzwischen, anders als im Frühjahr, auch in den Einkaufsstraßen der Stadtteile, etwa der Berger oder der Schweizer Straße in Frankfurt. In normalen Jahren macht der Einzelhandel im November und Dezember ein Fünftel seines Jahresumsatzes und sorgt für die Saure-Gurken-Monate Januar und Februar vor, wie Martin Schüller, Geschäftsführer des Handelsverbands Hessen-Nord, deutlich macht.

          Hilfe von der Politik

          Die Gefahr, dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen, schätzen nach der Umfrage des Handelsverbands im neuen sogenannten Lockdown light ein Drittel der hessischen Einzelhändler als hoch und sehr hoch ein. Umso stärker fordern die Branchenvertreter Hilfe von der Politik. „Alle sind gefordert, dass wir nicht ein Drittel der Geschäfte verlieren“, sagt Ruths. „Wir müssen zusehen, dass wir alle bei der Stange halten.“

          Der Einzelhandel werde in Zukunft jedoch nicht mehr die Innenstadt allein bespielen können, stellt Verbandsvertreter Schüller aus Nordhessen klar. „Es wird weniger Einzelhandels- und Büroflächen geben“. Wohnungen, Kunst- und Kultureinrichtungen oder auch Handwerksbetriebe könnten die Lücken füllen.

          Der Handelsverband fordert ein Gesamtkonzept für die Innenstädte, wichtig sei eine Bestandsaufnahme in großen wie in kleinen Städten. Laut Präsident Ruths geht es dabei um Fragen nach der jeweiligen Geschichte, der „DNA“ einer Stadt ebenso wie um Konzepte für den Verkehr und Grünanlagen. Er sei fest davon überzeugt, die Mobilität werde sich ändern, „aber auch das supersaubere E-Auto wird irgendwo parken müssen“. Nötig sei zudem ein Ausbau des Netzes von S- und U-Bahnen.

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