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Kaffeeautomat-Hersteller SEB : Franzosen setzen beim Espresso ganz auf Krups

Leitet die Geschäfte des deutschsprachigen Raums: SEB-Manager Bahri Kurter Bild: Wohlfahrt, Rainer

Von Offenbach aus will die französische Groupe SEB mit der deutschen Marke Krups den Markt der Kaffee- und Espresso-Vollautomaten in Deutschland aufrollen. Gebaut werden die Maschinen längst woanders.

          3 Min.

          Früher zerbrach sich Bahri Kurter über Sport den Kopf. Genauer gesagt, darüber, wie die Produkte der Sportartikelhersteller von Nike und Puma an Frau und Mann zu bringen sind. Inzwischen schlägt sein Herz fürs Kaffeekochen, Staubsaugen, überhaupt für fast alle häuslichen Tätigkeiten. Dabei hat Kurter weder ein Sabbatical eingelegt, noch ist er Hausmann geworden. Er verantwortet vielmehr im Haushaltsgerätekonzerns Groupe SEB das Geschäft in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Unter dem Dach der französischen Familienholding, die sich als Weltmarktführer für Haushaltsgeräte bezeichnet, finden sich auch traditionsreiche Marken wie Krups und Rowenta. Zum Portefeuille der Gruppe, die für das Jahr 2013 einen Umsatz von 4,16 Milliarden Euro nennt, zählen außerdem Moulinex und die Kochgeschirrhersteller Tefal und Lagostina. Hinzu kommen rund ein Dutzend regionale Marken wie Calor und SEB.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Von Offenbach aus leitet Kurter die Geschäfte zusammen mit rund 130 Mitarbeitern für den deutschsprachigen Raum. In ganz Deutschland zählt der Konzern rund 300 Stellen allein in Vertrieb und Service. Hinzu kommen beispielsweise die Beschäftigten im Rowenta-Werk in Erbach im Odenwald, wo rund 180 Männer und Frauen vor allem Bügeleisen bauen. Das Werk sei die modernste Fertigungsstätte des Konzerns in Europa, heißt es bei SEB.

          „Wir wollen unter die ersten drei“

          Am meisten hat es dem drahtigen Siebenundvierzigjährigen mit türkischen Wurzeln das Geschäft mit den Kaffeeautomaten von Krups angetan. Da, beginnt Marketingprofi Kurter rasch zu schwärmen, liege man inzwischen technisch an der Spitze. Denn die Maschinen lieferten nicht nur laut Tests die beste aufgeschäumte Milch für Cappuccino und den ursprünglich für Kinder gedachte Latte Macchiato, sondern die Automaten reinigten auch noch automatisch selbst die Milchdüsen. Mit solchen technischen Innovationen und viel Werbeaufwand soll die Marke Krups in den lukrativen, aber auch sehr hart umkämpften Markt der Kaffeevollautomaten ganz nach vorn gelangen. Zurzeit liegt Krups Kurter zufolge auf Platz vier, hinter Jura, Saeco und Spitzenreiter De’Longhi.

          „Wir sehen seit drei Jahren einen fulminanten Aufschwung, wollen aber schon unter die ersten drei“, sagt Kurter. Genaue Absatzzahlen nennt er nicht, der Krups-Marktanteil liege aber immerhin „im zweistelligen Bereich“.

          Angesichts von zuletzt in Deutschland abgesetzten rund 750.000 Kaffee- und Espresso-Vollautomaten ist das ein großer Schritt nach vorn, zumal Krups Kurter zufolge vor wenigen Jahre noch bei rund 10.000 Maschinen gelegen hatte. Ungefähr 60 Prozent aller Krups-Geräte werden in Deutschland, in der Schweiz oder in Österreich verkauft. Die Geräte der traditionsreichen Marke aus Solingen, deren Ursprünge auf eine Schmiede und das Jahr 1846 zurückgehen, werden inzwischen in Frankreich hergestellt. 1991 wurde Krups vom französischen Konkurrenten Moulinex geschluckt, knapp zehn Jahre darauf Moulinex wiederum von der Groupe SEB. Von mehreren tausend Krups-Beschäftigten sind heute keine 100 mehr übrig.

          Zentrale: Die Groupe SEB steuert die Geschäfte im deutschsprachigen Raum von Offenbach aus.

          Als ziemlich erfolgreich gilt die Zusammenarbeit von Krups mit dem Schweizer Nestlé-Konzern bei der Vermarktung von Nespresso, jenem Kaffee mit zusätzlichen Aromen in Aluminiumkapseln. Das Ganze wurde ein Riesenerfolg, obwohl der Kaffee in dieser Form sehr teuer ist und Einweg-Aluminium-Kapseln nicht eben zu den umweltverträglichen und insofern nicht recht zeitgemäßen Darreichungsformen gehören. Abgesehen davon, blieben in den Köpfen Nespresso und die dafür werbenden Hollywood-Stars George Clooney und John Malkovich, kaum der Name Krups haften. Dass ursprünglich allein Krups die Maschinen lieferte, blieb den meisten verborgen. Inzwischen gibt es neue Maschinenlieferanten und auch von anderen Anbietern den Kaffee in Aluminiumkapseln. Aber das neue Hauptziel in Sachen Kaffee hat sich SEB ohnehin bei den Vollautomaten gesteckt. Da sollen nun der Name Krups und das damit verbundene Versprechen von Qualität und technischer Innovation ganz im Vordergund stehen.

          Ein zweiter Schwerpunkt der französischen Offensive mit deutschen Namen findet bei den Staubsaugern statt, wie Kurter weiter berichtet. Unter dem zwar eingeführten, bislang aber weniger für die Boden- und Teppichreinigung zugeordneten Namen Rowenta saugen die Geräte inzwischen auch ohne Beutel mit der sogenannten Zyklontechnik mit Miele und dem amerikanischen Zyklon-Vorreiter Dyson um die Wette.

          Allerdings liegt da der Marktanteil von Rowenta noch bei drei bis vier Prozent, wie Kurter weiter sagt. Das sei allerdings auch nicht verwunderlich, weil man bei Staubsaugern der Marke Rowenta eben bei null angefangen habe. Trotzdem ist der Marketingexperte Kurter, der seine Karriere bei Procter & Gamble begonnen hat, guter Dinge, auch in dieser Sparte ordentliche Zuwachsraten an die Konzernspitze in Frankreich melden zu können.

          Das soll durch moderne und ökologische Technologie funktionieren, aber auch durch eine geschickte Gestaltung der Preise, die beispielsweise bei der Zyklontechnik natürlich rentabel sein sollen, aber immer noch unter denen des hochpreisigen Herstellers Dyson liegen, wie Kurter erläutert.

          Verkauft werden die Elektrogeräte des SEB-Konzerns inzwischen zu knapp 30 Prozent im Onlinehandel. Mehr wird nur noch in den großen Elektromärkten verkauft, dort werden nämlich rund 36 Prozent abgesetzt. Es folgt auf Rang drei der sonstige Einzelhandel mit etwa 19 Prozent. Der mit einiger Sicherheit zugunsten der anderen Vertriebskanäle weiter schrumpfende Rest bliebt für die kleinen Spezial- und Fachgeschäfte.

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