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Vermögen : Goldige Zeiten für Anleger

In diesem Fall ist alles Gold, was glänzt Bild: AP

Aus Angst vor Inflation setzen Anleger vermehrt auf Gold. Barren und Münzen gibt es bei Banken und Sparkassen. Ein Preisvergleich lohnt sich.

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          Beim Münzkabinett Frankfurt geben sich die Kunden in diesen Tagen die Klinke in die Hand. Die rasante Rekordjagd des Edelmetalls, dessen Kurs im Januar auf den Höchstwert von gut 910 Dollar je Unze (31,1 Gramm) kletterte, beflügelt schon seit längerem die Geschäfte der Handelsfirma, ehemals eine Abteilung der Dresdner Bank, an der Hauptwache. Offensichtlich trauen deutsche Anleger dem Gold noch einiges zu. In der Mehrzahl kauften Kunden, sagt Pavol Jurecko, Geschäftsführer vom Münzkabinett, der auch Arbeiter von der Baustelle gegenüber mit Gold versorgt. Von 400.000 Euro Umsatz am Tag entfielen nur 10.000 auf den Ankauf.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gold gilt bei Anlegern als sicherer Hafen. Anders als Papier ist es nicht beliebig vermehrbar, da die Vorräte begrenzt sind. Aus Angst vor Inflation und Rezession steigt daher auch bei der Frankfurter Sparkasse die Nachfrage nach dem Metall, wie Thomas Weber, Leiter der Abteilung Vermögensanlage, berichtet. Das war mal anders. „Vor vier, fünf Jahren war Gold überhaupt kein Thema“, sagt Weber. Vermögensberater rieten von einem solchen Investment ab. Inzwischen gehört Gold dagegen zum Tagesgeschäft. Wer in einer Frankfurter Bank- oder Sparkassenfiliale, selbst in einer kleinen, nach Gold in Form von Münzen und Barren sowie An- und Verkaufskursen fragt, wird deswegen also nicht schräg angeguckt.

          Bei Goldanlage langfristig planen

          Man kommt aber auch nicht immer zum Ziel. Deutsche Bank und Dresdner Bank etwa verkaufen Münzen und Barren nur an Kunden, die auch ein Konto bei den Instituten haben. Volksbank und Sparkasse machen dagegen keinen Unterschied. So oder so haben die meisten Filialen kein Gold vorrätig und müssen es erst bestellen. In der Regel dauert die Lieferung ein bis zwei Tage. Ein Vergleich macht deutlich: Die Preise zwischen An- und Verkauf gehen deutlich auseinander. Auch zwischen den Banken gibt es Unterschiede. Die Geldinstitute begründen die hohen Aufschläge mit Lager-, Transport- und Prüfkosten. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die gekaufte Menge, desto höher die Aufschläge. Barren gibt es in unterschiedlichen Gewichtsklassen von fünf Gramm aufwärts bis zu 1000 Gramm. Bei den Münzen ist der Krügerrand ein gängiges Goldstück. Zu bedenken geben Verbraucherschützer, dass physisches Gold sicher aufbewahrt werden sollte in privaten Tresoren oder in Schließfächern. Letzteres kosten Gebühren.

          Die Goldanlage sei langfristig ausgerichtet, betont Vermögensberater Weber. Heute kaufen, morgen verkaufen – das funktioniere nicht. Weber empfiehlt drei bis fünf Jahre Anlagezeitraum als Minimum. Nach seiner Einschätzung spricht einiges dafür, dass Gold weiter an Wert gewinnt. Dafür spreche die starke Nachfrage nach dem Edelmetall aus Schwellenländern wie Indien. Das Investment könnte sich also, wenn alles gut läuft, in ein paar Jahren lohnen für denjenigen, der jetzt kauft. Ein Beispiel: Wer vor zehn Jahren einen Kilo-Barren Gold kaufte, musste dafür Weber zufolge knapp 18.000 DM zahlen. Mit knapp 20.000 Euro, die heute verlangt werden, hat sich der Wert des Barrens damit verdoppelt.

          Roland Antlitzky, Redakteur bei „Finanztest“, dämpft allzu euphorische Erwartungen. Auch Gold sei nicht gefeit vor Schwankungen auf dem Aktienmarkt. Wie lange das Hoch anhalte, könne niemand voraussagen. Anleger sollten daher auch über Zertifikate und Goldfonds nachdenken. Diese gibt es nach Auskunft von Vermögensberater Weber auch mit 100 Prozent Kapitalgarantie. Er empfiehlt, nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Anlagevermögens auf Gold zu setzen. Die Bereitschaft, Verluste in Kauf zu nehmen, gehöre auch beim Gold dazu. Das Geld konservativer Sparer, die auf Sicherheit bedacht seien, sieht Weber eher auf einem Tagesgeldkonto aufgehoben.

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