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Green Mining : Gold und Silber mit Bakterien gewinnen statt mit Giften

Brutkasten: Die Brain AG in Zwingenberg züchtet im Reaktor allerlei Bakterien für Anwendungen wie das sogenannte Green Mining zur Rohstoffgewinnung. Bild: Helmut Fricke

Die hessischen Biotech-Mittelständler Brain und Cyplus wollen Edelmetalle mit Hilfe von Mikroorganismen gewinnen. Sie zielen auf Bergbauunternehmen in aller Welt und wollen die Umwelt entlasten.

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          Zwei Unternehmen aus Rhein-Main wollen den Abbau von Edelmetallen umweltfreundlich machen – mit Hilfe von Bakterien. Die börsennotierte Brain Biotech AG aus Zwingenberg und die in Hanau ansässige Cyplus GmbH planen, im nächsten Jahr mit ersten Produkten an den Markt zu gehen. Beide Firmen zielen auf Gold und Silber fördernde Bergbauunternehmen in der Welt, wie sie mitteilen.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher ist der Abbau von Edelmetallen an vielen Stellen der Erde mit großen Nachteilen für die Umwelt und Anrainer verbunden. Denn Bergbauunternehmen waschen zum Beispiel Gold und Silber mit giftigen Chemikalien aus dem Gestein. Diese Stoffe, darunter Cyanid und Quecksilber, wollen Brain und Cyplus nach und nach ersetzen, wie ein Sprecher von Brain erläuterte. Die beiden Partner haben zu diesem Zweck in der Natur vorkommenden Bakterien im Labor weiterentwickelt. Diese Bakterien hatten sie laut Brain-Sprecher in stillgelegten Erzabbau-Minen gefunden und eingesammelt.

          „Bahnbrechender Prozess“

          Nach Forschungen im 100-Liter-Maßstab sei das biologische Verfahren auch mit deutlich größeren Mengen erfolgreich getestet worden. Die Bakterien haben demnach für die Industrie erhebliche Mengen der Edelmetalle aus Erzen herausgelöst. Dies begreifen Brain und Cyplus als letzte Stufe vor Erlangung der Marktreife. Derzeit trieben sie das Verfahren weiter in Richtung industrieller Anwendung voran.

          Guido Meurer von der Brain-Geschäftsleitung sieht einen „bahnbrechenden biologischen Prozess für eine neue Aufarbeitungstechnologie“. Das Ganze firmiert unter Green Mining. Das Thema nehme derzeit Fahrt auf. Green Mining werde angesichts zunehmender Rohstoffknappheit wichtiger.

          Die an der Börse gelistete Brain-Aktie kann von der Nachricht aber nicht profitieren. Sie schwankt um den Vortageskurs. Allerdings ist das Unternehmen auch sportlich bewertet: Bei einem Jahresumsatz von zuletzt 27 Millionen Euro ist Brain derzeit gut 410 Millionen Euro wert.

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