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Getränkeindustrie : Trost finden Brauer nur im alkoholfreien Bier

Dem Trend entgegen: Beim alkoholfreien Bier nimmt der Absatz zu. Bild: dpa

Der Biermarkt in Hessen schwächelt, doch es gibt auch Gewinner: Alkoholfreies findet immer mehr Anhänger. Das freut die Licher Privatbrauerei als Marktführer in Hessen und die Frankfurter Clausthaler-Brauer.

          Im Herzen der Natur herrscht Freude – wenn auch keine pure. Der Grund: Die Licher Privatbrauerei verteidigt seit Januar die Position des Marktführers in Hessen. Seit zwei Jahrzehnten verkauft keine andere Brauerei zwischen Kassel und dem Odenwald, Limburg und dem Vogelsberg so viel Bier wie das am Rande der Wetterau ansässige Unternehmen. Dies gilt jedenfalls für den Absatz von Flaschen, den die Marktforscher von AC Nielsen regelmäßig messen. Allerdings mischen sich auch Wermutstropfen ins Bier: Der Absatz geht allgemein zurück, und Licher kann sich dem Trend nicht entziehen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei Flaschen, die über Getränkeabholmärkte und den Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden, ist der Absatz stabil, wie Geschäftsführer Rainer Noll sagt. Das Fassbiergeschäft, das etwa wegen des Rauchverbots in der Gastronomie Einbußen erlitten hat, geht dagegen zurück. „Der Ausstoß wird in diesem Jahr gegenüber 2007 insgesamt rückläufig sein“, sagt Noll. Für den Gesamtmarkt erwartet er ein Minus von zwei bis drei Prozent, während der Chef der Frankfurter Radeberger Gruppe, Ulrich Kallmeyer, sogar einen Rückgang von bis zu vier Prozent vorhersagt.

          Grapefruit-Abkömmling

          Nach den Zahlen von AC Nielsen leidet aber nicht jede Biersorte unter der Kaufzurückhaltung. Pils und vor allem Export und Alt sowie Schwarzbier haben binnen Jahresfrist verloren. Dagegen langen die Käufer bei Weizenbier und besonders dem Alkoholfreien öfter zu.

          Der Markt teilt sich demnach wie folgt auf: Licher kommt bei Bier und Biermischgetränken wie Radler auf einen Marktanteil von etwas mehr als elf Prozent. Auf den Plätzen folgen der Billiganbieter Oettinger mit gut neun Prozent und die Krombacher-Brauerei, die knapp acht Prozent auf sich vereinigt. Mit etwas Abstand findet sich unter den ersten Zehn auch die Frankfurter Traditionsmarke Binding. Das Römer Pils und Römer Pils Spezial standen zuletzt auf Platz acht, knapp vor Pfungstädter. Weitere zwei Ränge dahinter findet sich Schöfferhofer. Dies zeigt, wie stark die von Radeberger in Frankfurt hergestellte Weizenmarke in einem von Pils dominierten Markt mittlerweile ist; dabei profitiert Schöfferhofer vom enormen Erfolg des Grapefruit-Abkömmlings, von dem im zurückliegenden Jahr mehr als 150.000 Hektoliter gebraut wurden. Zum Vergleich: Die Licher Privatbrauerei dürfte zuletzt um die 700.000 Hektoliter im Jahr ausgestoßen haben; exakte Zahlen sind nicht verfügbar. Die Licher sind auch in der größten Stadt Hessens dominant, wie sich aus den Daten von AC Nielsen zum Verkauf von Flaschen weiter ergibt: In Frankfurt setzt keine andere Brauerei mehr Flaschen ab, wobei Licher beinahe die doppelte Zahl an Einheiten verkauft wie Binding. Im Vergleich zu Henninger sind es gut sechsmal so viele. Außerdem kommt auf eine Flasche Licher ein abgefülltes Bier der Marke Schmucker.

          Sportlergetränk

          Auch in der Frankfurter Gastronomie ist der Marktführer an vielen Ecken vertreten. Das Gleiche gilt für Binding und Henninger. Die Kräfteverhältnisse liegen dennoch im Dunkeln. Denn anders als bei Flaschen, deren Verkauf direkt beim Handel gemessen wird, mangelt es an einer entsprechenden Marktforschung zur Gastronomie. Die Radeberger-Gruppe hüllt sich in Schweigen, wie viele Kneipen und Restaurants mit Binding oder Henninger verbunden sind. Auch Licher macht dazu keine Angaben.

          Weniger verschwiegen ist die Tochter von Bitburger, wenn es um den Erfolg des neuen Alkoholfreien Pilsners geht. Nachdem der Ausstoß im vergangenen Jahr im Zuge der Markteinführung um die Hälfte gegenüber 2006 geklettert war, legte das Produkt seit Januar nochmals um 40 Prozent zu, wie Noll sagt. Damit ist Licher in dieser Nische die Nummer drei nach Krombacher und Jever; Platz vier belegt Clausthaler Classic, das ebenso wie Jever zur Radeberger-Gruppe zählt. Nächstes Jahr könnte Licher Alkoholfrei einen Schub erleben, denn das als Sportlergetränk beworbene Produkt wird fortan vom Deutschen Olympischen Sportbund empfohlen. Radeberger nennt dagegen keine Zahlen, lässt aber wissen: „Der Markt für alkoholfreie Biere hat in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen, und die Binding Brauerei, die Clausthaler braut, partizipiert an dieser positiven Entwicklung.“

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