https://www.faz.net/-gzg-a6696

Geld abheben im Ausland : Freiheit adieu

Auch für den Nachfolger des Sparbuchs wird die Freiheit begrenzt: Von Februar 2021 an kostet jede Abhebung im Ausland 5,99 Euro. Bild: dpa

Das Postsparbuch ist schon lange Geschichte – bald kann man auch mit dem Nachfolger Geld im Ausland nicht mehr unentgeltlich abheben. Im Februar endet damit endgültig eine besondere Freiheit.

          2 Min.

          So wurde einmal Freiheit unter jungen Leuten buchstabiert: das Interrail-Ticket für die Fahrt mit der Eisenbahn kreuz und quer durch Europa in der Hemdtasche und im abgewetzten Rucksack, gut versteckt, das Postsparbuch. In den achtziger Jahren war das, eine ganze Generation lernte so den Kontinent kennen. Das Budget war knapp, aber es konnte schließlich jederzeit wieder ein bisschen aufgestockt werden mit dem blauen Büchlein. Denn es hatte den unerhörten Vorteil, dass der Kunde damit auf den Postämtern Europas weit und breit ohne Umstände Geld abheben konnte, ohne besondere Gebühren und oftmals zu einem günstigen Umtauschkurs. Ein Sparbuch mit Poststempeln darin, mit dem die Zahlungsvorgänge beurkundet wurden: Das war kurios, auch damals schon, aber vor allem war das sagenhaft praktisch.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nun endet diese Geschichte. Das heißt, im Wortsinne ist sie das schon vor Jahrzehnten. Ende der neunziger Jahre wollte die Postbank vom guten alten Postsparbuch, dessen Geschichte bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückreichte, nichts mehr wissen. Aber in dem stets übersichtlichen Produktportfolio der Postbank gab es doch als Nachfolgerin die Sparcard, blau wie das alte Postsparbuch und wie der Vorgänger mit dem großartigen Vorteil, dass sich damit im Ausland unentgeltlich Geld abheben ließ, jetzt sogar weltweit, an tausenden, ja zehntausenden Automaten. Viele Jahre lang war das je Karte zehnmal im Jahr erlaubt, zuletzt nur noch viermal. Doch mit zwei solcher Karten, die sich leicht beschaffen ließen, kam man bei ein oder zwei Flugreisen im Jahr auf ferne Kontinente schon recht weit.

          Das ist bald vorbei. Es teilt die Postbank, längst ein Teil des Deutsche-Bank-Konzerns, mit: Von Februar 2021 an kostet jede Abhebung im Ausland 5,99 Euro. Leider seien die Kosten für das Abheben an fremden Geldautomaten dermaßen hoch, dass es unentgeltlich nicht mehr möglich sei, teilt ein Sprecher mit und deutet noch an, dass auch mit knapp sechs Euro nicht alle Kosten des Kreditinstituts gedeckt seien. Der Kunde kann sich also glücklich schätzen, dass es nicht noch teurer geworden ist.

          Viel Geduld bei der Guthaben-Verzinsung

          Doch wie dem auch sei: So endet im Februar endgültig die Freiheit, die einmal mit dem legendären Postsparbuch begann, für das in den fünfziger Jahren mit dem Slogan „Unbeschwert in die Ferne“ geworben wurde, das mit seinen Poststempeln, wie sie sonst auf Briefmarken landen, sogar Philatelisten interessierte und im Nachhinein ein schöner Beleg war, wohin überall eine Reise geführt hatte. Die Sparcard oder Sparcard Direkt, wie sie jetzt heißt, hat aber mit dem Wegfall des unentgeltlichen Abhebens in der Ferne ihre größte Attraktion verloren.

          Der Sprecher der Postbank meint zwar tapfer, in Deutschland bleibe doch alles wie bisher, hier koste der Gang an den Automaten nichts, und außerdem bleibe die Karte eine gute Möglichkeit, Sparziele zu erreichen. Aber dafür muss man bei einer Guthaben-Verzinsung von 0,01 Prozent schon sehr, sehr viel Geduld aufbringen.

          Geldabheben im Ausland, ohne dafür zunächst selbst Geld zu zahlen, ist damit wirklich schwierig geworden, denn es finden sich auch immer weniger kostengünstige Kreditkarten, bei denen dies im Preis eingeschlossen ist. Die grenzenlose Freiheit mit dem Postsparbuch im Rucksack, auf das die großzügige Großmutter vor der Reise noch schnell ein- oder zweihundert Mark für den Enkel eingezahlt hatte, damit der in einem abgerockten Hotel an irgendeiner Mittelmeerküste nicht am Ende noch verhungert, kommt aber sowieso nicht wieder.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hat sich am Ende durchgesetzt: Armin Laschet (Mitte) mit der bisherigen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und seinem unterlegenen Konkurrenten Friedrich Merz

          Neuer CDU-Vorsitzender : Mit Laschet auf Nummer Sicher

          So eindeutig Armin Laschet sich gegen Friedrich Merz durchsetzen konnte, so gespalten bleibt die Partei. Laschet wird die Kanzlerkandidatur ansteuern. Die Entscheidung darüber fällt in den Landtagswahlen.
          Halbleiterfertigung von Bosch: Die Schwaben setzen zu großen Teilen auf eigene Chips.

          Produktion stottert : Chipmangel bremst Autobranche

          Weil Halbleiter fehlen, kündigt mancher Hersteller sogar Kurzarbeit an. Die Branche sucht derweil nach Lösungen und ist dafür auch mit der Bundesregierung im Gespräch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.