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Gastgewerbe : „Villa Kennedy“ eröffnet: Frankfurt erhält zur WM Super-Luxushotel

Gediegen: Das Innere der „Villa Kennedy” Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Es ist nicht das einzige Luxushotel im Rhein-Main-Gebiet, doch die neue „Villa Kennedy“ fällt aus dem Rahmen. Rechtzeitig zur Fußball-WM ist für 72 Millionen Euro ein Palais im historisierenden Stil des späten 19. Jahrhunderts errichtet worden.

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          Streßresistenz gehört zu seinem Job. Und so war Georg Plesser, einem hochgewachsenen Mann in den Dreißigern, auch nichts anzumerken von dem Druck, mit einem sehr ambitionierten Hotelprojekt nun offiziell an den Start zu gehen und mit dem eigenen Gesicht in der Öffentlichkeit dafür zu werben. Wie stark in den nächsten Wochen die Anspannung für den Generaldirektor der „Villa Kennedy“ werden wird, ist noch nicht ausgemacht. Gestern, am Eröffnungstag, herrschte in dem Haus äußerlich durchaus gelassene Geschäftigkeit.

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der erste Geschäftstag in dem Luxushotel datiert fast genau fünf Jahre und drei Monate, nachdem es in Frankfurt vorgestellt worden war. Am 7. Dezember 2001 hatte die Immobilien-Entwicklungsgesellschaft Fay, damals im Hessischen Hof, das Projekt präsentiert und mit dem britischen Privathotelier Sir Rocco Forte den Mann, der es betreiben sollte. Damals war auf dem Grundstück, markant bebaut mit der denkmalgeschützten Villa Speyer, noch das Max-Planck-Institut für Biophysik untergebracht.

          Nebeneinander von alter und neuer Bausubstanz

          Seither hatte das Fortschreiten des Projektes an der stark befahrenen Kennedyallee viel Anteilnahme erfahren: vielleicht, weil es den Beteiligten von Anfang an gelungen war, den vermeintlichen oder auch tatsächlichen Standortnachteil am Rande der Stadt umzudeuten in „Das wird etwas ganz Besonderes“. Und spätestens nachdem die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) öffentlich davon gesprochen hatte, daß in Sachsenhausen Frankfurts erstes Luxushotel entstehen werde - die Branche nahm das gemäßigt amüsiert auf -, war jedem Interessierten klar, daß es vielleicht spektakulärere, aber kaum bemerkenswertere Hotelbauvorhaben in der Stadt gab.

          Nobelherberge auch für WM-Besucher: die neue „Villa Kennedy”
          Nobelherberge auch für WM-Besucher: die neue „Villa Kennedy” : Bild: dpa/dpaweb

          Tatsächlich ist zum Beispiel das auch noch recht neue, scheibenförmige Radisson SAS in der City West mit 105 Millionen Euro um 32 Millionen teurer errichtet worden, hat dafür allerdings auch 428 Zimmer, die Villa Kennedy hingegen nur 163. In dem Rocco-Forte-Betrieb stecken die Besonderheiten in den Details. So haben beispielsweise der Erhalt und hotelgerechte Umbau der Villa, die nun ein Zehntel der Hotel-Gesamtfläche von 18.500 Quadratmetern einnimmt, nach Angaben des Projektentwicklers - der das Hotel an einen offenen Immobilienfonds veräußert hat - einen Großteil der Baukosten verursacht.

          Das Nebeneinander von alter und neuer Bausubstanz und die Beschränkung in der Zimmerzahl sind eine, die Ausstattung des Hauses ist die zweite Besonderheit, die es auch innerhalb des schmalen Marktsegments Luxusherbergen heraushebt: Hoteltypische Kulissenhaftigkeit mit hussenverdeckten Sperrholzplatten zum Beispiel wird man hier wahrscheinlich nicht finden, zudem nichts, was plüschig-üppig wäre. Die Ausstattung ist gemäßigt modern, die Attraktion besteht in Materialien, Farben und Zusammenstellungen wie zum Beispiel fliederfarbenem Leder im tiefdunkelbraunen Treppenhaus des Eingangsbereichs.

          Fürs erste ist der Generaldirektor mit 128 Mitarbeitern an den Start gegangen, „nach oben ist noch Luft“, sagt er. Wer in der Villa Kennedy übernachten möchte, ohne Firmenkonditionen in Anspruch zu nehmen, und in einem der regulären Zimmer, als ganz normaler Gast also, konnte sich gestern abend via Internet für 290 Euro im Doppelzimmer einbuchen, die Höchstrate für die einfachen Zimmer beträgt nach Worten Plessers 490 Euro. Bei einem seiner jüngsten Besuche in Frankfurt hatte Rocco Forte angekündigt, der Durchschnittspreis in der Villa Kennedy werde 300 Euro betragen, und für die ersten beiden Jahre erwarte er 18 Millionen Euro Umsatz.

          „Ein Hotel lebt vom lokalen Publikum“

          „Wir sind nicht besonders teuer, aber ich will eine besonders hohe Durchschnittsrate erzielen“, beschrieb Plesser gestern sein Konzept, soll heißen: Die Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Preis soll nicht so groß werden, wie es in manchen Häusern üblich ist, in denen man am Wochenende mitunter zu einem Fünftel und weniger der Rackrate wohnen kann. Daß Plesser das durchhält, werden ihm bestimmt etliche Kollegen wünschen. Viele von ihnen haben mit der Erwartung des Mitbewerbers die Hoffnung verknüpft, es werde endlich einer kommen, der Frankfurts Hotelpreise wenigstens unter der Woche auf das Niveau beispielsweise Londons zu heben helfe.

          Elegant und stilvoll, aber nicht steif werde die Villa Kennedy, hatte Rocco Forte stets gesagt. Daß jetzt viele kommen, um zu schauen, ob es so ist, wünscht sich Georg Plesser und spricht von einem bewußt niedrigschwelligen gastronomischen Angebot mit mediterranem und italienischem Essen. Ein Hotel, sagt der freundliche Schweizer, der in München gearbeitet hat und in Peking, in New York und in der Schweiz, bevor ihn der Ruf nach Frankfurt ereilte, „ein Hotel lebt vom lokalen Publikum“.

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