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Fusion von Landesbanken : Sympathie für die Super-Landesbank

Sulaba statt Helaba: Die Sparkassen in Hessen sind für eine Super-Landesbank. Bild: dpa

In den Sparkassen Hessens kann man sich gut vorstellen, dass sich die Zahl der Landesbanken weiter reduziert. Und wer dabei nicht mitmachen wolle, solle es eben lassen, sagt Verbandspräsident Grandke.

          Die Geschäftszahlen 2018 der Sparkassen in Hessen und Thüringen lassen sich, wenn man will, schnell abhandeln: etwas niedriger als im Jahr zuvor. Wie viel spannender ist da, über eine neue Topographie der zerklüfteten Landschaft der Sparkassen und Landschaften zu reden: Und so ging es gestern bei der Bilanz-Pressekonferenz des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen nur am Rande um das Geldverdienen und weitaus mehr um die Frage, wie sich der geschäftsführende Präsident der Organisation, Gerhard Grandke, in der munteren Diskussion um eine Super-Landesbank positioniert. Seit Monaten wird über einen Zusammenschluss mehrerer Landesbanken zu einer großen gesprochen, etwa um Verwaltungskosten zu sparen, Haftungsrisiken breiter zu verteilen und um finanziell schlagkräftiger zu werden. Vorbild sind die Fusionen der Zentralbanken der Volksbanken zur heutigen DZ Bank, der Bilanzsumme nach das mittlerweile zweitgrößte Finanzinstitut Deutschlands.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Grandke tat wie erwartet: Die Landesbank Hessen-Thüringen, an der der hessische Sparkassenverband mit 69 Prozent beteiligt ist, stehe gut da und würde von einem Konzentrationsprozess profitieren. So kommentierte Grandke den Vorschlag von Helmut Schleweis, dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, für eine Zentralisierung mit den Worten, „das begleiten wir konstruktiv“, „Schleweis muss liefern, dann sind wir mit dabei“ und „dem stehen wir nicht ablehnend gegenüber“. Deutlicher ging es nicht. Und wer nicht mitmachen wolle, soll es eben lassen, fügte Grandke hinzu. Er hoffe nur, dass die Verweigerer dem Vorhaben zumindest nicht im Wege stünden. Dann treibe es eben nur eine „Koalition der Willigen“ voran. Kritiker einer solchen Super-Landesbank gibt es durchaus; etwa zur gleichen Stunde, in der sich Grandke äußerte, sagte in Stuttgart der Chef der Landesbank Baden-Württemberg, Rainer Neske, sein Haus werde bei einem solchen Mega-Institut zumindest derzeit nicht mitmachen.

          Welche Häuser in einer Super-Landesbank aufgehen würden, ist noch unklar. Eigentümer oder wenigstens Mit-Eigentümer ist der Deutsche Sparkassen- und Giroverband nur bei der Helaba und dem Fondsanbieter Deka in Frankfurt, dem Immobilienfinanzierer Berlin Hyp und demnächst der NordLB. Darauf verwies gestern auch Grandke; Sparkassen-Präsident Schleweiß solle „etwas ins Schaufenster stellen“, dann werde man weitersehen.

          Weiter hoher Druck auf Sparkassen?

          Die Rettung der Nord LB derweil wird die hessische Sparkassenorganisation knapp 100 Millionen Euro kosten, von denen 60 Millionen über die Helaba fließen, der Rest von den Sparkassen, wie Grandke ausführte. Zusammen haben die 33 Sparkassen in Hessen und 19 in Thüringen im vergangenen Jahr nach Steuern 266 Millionen Euro verdient, 11,5 Prozent weniger als 2017. Der Zuwachs des Provisionsüberschusses konnte den Rückgang des Zinsergebnisses nicht auffangen, das sei eine Folge der Niedrigzinsen.

          Das Betriebsergebnis aller Sparkassen der beiden Länder lag vor Bewertung bei 970 Millionen Euro, nach Bewertung bei 830 Millionen und das Jahresergebnis vor Steuern bei 569 Millionen. Das negative Bewertungsergebnis hat seinen Grund in erster Linie in der negativen Kursentwicklung von Anleihen, die die Institute gezeichnet haben, wie erläutert wurde. Auch bei einer weiteren Eintrübung der Konjunktur würden die Bewertungsergebnisse aber erträglich ausfallen, meinte der hessische Sparkassen-Präsident, denn die Kreditinstitute vermieden Klumpenrisiken.

          Die Kunden haben sich längst damit abgefunden, dass sie nicht mit ernsthaften Zinsen rechnen können: Sie tragen das Geld zwar zu den Sparkassen – die Kundeneinlagen erhöhten sich 2018 um 4,1 Prozent –, lassen es dort aber meist unverzinst als Tagesgeld liegen. Zugleich wuchs immerhin um 1,9 Prozent die Summe der ausgegebenen Kredite. Zwar gingen die Kredite an Kommunen wegen des Entschuldungsprogramms des Landes namens „Hessenkasse“ deutlich zurück, doch wuchsen die Firmenkredite trotz der Abschwächung der Konjunktur um 5,4 Prozent und die Ausleihungen an Privatkunden um 2,4 Prozent, woran Baukredite mit einem Plus von 3,3 Prozent einen überdurchschnittlichen Anteil hatten. Grandke beklagte – wie in den vergangenen Jahren schon – die hohen Regulierungsauflagen, die auch von den Kunden nicht geschätzt würden. Er hoffe auf eine baldige Zinswende, glaube aber, dass der Druck auf die Sparkassen weiterhin hoch bleiben werde.

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