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Fraspa-Chef Restani : Der rote Banker

Der Parteichef und sein Finanz-Berater: Thorsten Schäfer-Gümbel (links) und Robert Restani Bild: Frank Röth

Dass der hessische SPD-Chef einen bekannten Bank-Manager dafür gewinnt, mit ihm in den Wahlkampf zu ziehen, lässt aufhorchen. Zuletzt hat dem Finanzplatz eine Stimme mit Gewicht gefehlt, die aus den eigenen Reihen stammt.

          Eine Überraschung ist es schon, dass der Herausforderer im Landtagswahlkampf, Thorsten Schäfer-Gümbel, mit Robert Restani den Chef der Frankfurter Sparkasse zum Finanzplatz-Beauftragten seines Regierungsteams macht. Nicht, dass man Restani diese Aufgabe nicht zutrauen würde. Aber dass der SPD-Landesvorsitzende einen bekannten Manager dafür gewinnt, mit ihm in den Wahlkampf zu ziehen, lässt doch aufhorchen.

          In den vergangenen Jahren hat dem Finanzplatz eine Stimme mit Gewicht, die aus den eigenen Reihen stammt, immer wieder gefehlt. Vertreter der Wirtschaft hielten sich zurück, wenn es um klare Kante zugunsten des Ökosystems ging, das man Finanzplatz nennt und in dem 70.000 Menschen in Lohn und Brot stehen. Das konnte man beim Werben um Brexit-Banker ebenso verfolgen wie beim Kampf um die Ansiedlung der europäischen Bankenaufsicht und bei der Diskussion um die Verlegung des Börsensitzes im Falle einer Fusion nach London.

          In der Branche bestens vernetzt

          Von daher kann man die Berufung Restanis aus Sicht der hessischen SPD und ihres Vorsitzenden als klugen Schachzug werten. Seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, ist er in der Branche bestens vernetzt und dürfte gehört werden, wenn er die Stimme für die Belange der Branche erhebt.

          Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob der Chef eines öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts, an dem das Land Hessen indirekt über die Muttergesellschaft Helaba beteiligt ist, vor einer Wahl so klar Farbe bekennen sollte – auch wenn das Rot der SPD jenem der Frankfurter Sparkasse ähneln mag. Natürlich lässt sich aus dem Vorstandsvorsitz einer Sparkasse kein Verbot einer parteipolitischen Betätigung ableiten. Doch wäre es angemessener gewesen, die Zusammenarbeit erst dann einzugehen, wenn die SPD tatsächlich an der Regierung ist.

          Worte haben Gewicht

          Nichtsdestotrotz wäre es wünschenswert, würden sich mehr ranghohe Wirtschaftsvertreter so wie Restani öffentlich für die Belange von Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen. Denn ihre Worte haben Gewicht, und ihre Persönlichkeiten haben die Kraft zu gestalten. Da sie ehrenamtlich tätig sind und ihre Rolle im Unternehmen weiterführen, können sie zudem ein Verbindungsglied zwischen Wirtschaft und Politik sein.

          Restani war nie Mitglied einer Partei und hat auch jetzt nicht vor, in die SPD einzutreten. Als Chef einer Sparkasse hat er zudem mit den gewaltigen Veränderungen in der Finanzbranche alle Hände voll zu tun. Dass er sich trotzdem dazu entschlossen hat, ehrenamtlich Flagge zu zeigen, ist grundsätzlich zur Nachahmung zu empfehlen – für welche demokratische Partei auch immer.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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