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: Fraport sieht in Moskau gute Geschäftschancen

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Drei bedeutende Flughäfen besitzt die russische Hauptstadt Moskau - Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo. Insgesamt zählt man am Moskauer Luftverkehrsknotenpunkt, der noch einige kleinere Flugfelder umfaßt, zur Zeit etwa 24 Millionen Passagiere.

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          Drei bedeutende Flughäfen besitzt die russische Hauptstadt Moskau - Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo. Insgesamt zählt man am Moskauer Luftverkehrsknotenpunkt, der noch einige kleinere Flugfelder umfaßt, zur Zeit etwa 24 Millionen Passagiere. Das ist etwas weniger als die Hälfte von dem, was der Frankfurter Flughafen im vergangenen Jahr an Fluggästen hatte, und entspricht etwa dem Passagieraufkommen in München. Gleichwohl rechnet Wilhelm Bender, Vorstandschef der Frankfurter Flughafenbetreibergesellschaft Fraport, mit einem deutlichen Wachstum des Flugverkehrs in Moskau: "Das ist ein wichtiger Raum, der Markt wächst, Rußland ist durchaus in einer Reihe mit China und Indien zu sehen", sagte Bender gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Bender erkennt auch für sein Unternehmen dort gute Chancen, Geld zu verdienen. Im Gespräch ist Fraport längst mit allen drei Flughäfen, am weitesten ist man aber bei der derzeitigen Nummer eins - Scheremetjewo. Die Ausschreibung über das Management dieses Flughafens hat ein Tochterunternehmen der Alfa-Finanzgruppe des Großunternehmers Michail Fridman gewonnen. Die Gruppe gilt zwar als ausgesprochen finanzstark, die Alfa-Manager aber als weitgehend unerfahren im Geschäft mit dem Flugverkehr. Hier sieht Bender die mögliche Rolle der Fraport AG: Von der Alfa-Gruppe kommt das Geld für dringend notwendige Modernisierungs- und Ausbauarbeiten, aus Frankfurt die Management-Kompetenz für das Unternehmen Flughafen. Wohlwollende Signale im Blick auf ein deutsches Engagement habe es beispielsweise auch schon von Präsident Wladimir Putin selbst gegeben. Anders als bei dem verunglückten Manila-Engagement sind dort keine größeren Investitionen von Fraport selbst vorgesehen. Fraport hat den Schaden aus dem nach einem Regierungswechsel gescheiterten Manila-Geschäft zuletzt auf 425 Millionen Dollar beziffert.

          Beim Engagement in Rußland will Fraport kein Risiko eingehen: Die Flughafenbetreiber dort müßten sagen, was sie von der Fraport benötigten. "Und wir machen das nur, wenn wir Geld verdienen", so Bender.

          Neben dem Know-how-Transfer sieht der Fraport-Chef auch große Chancen in Rußland für die Fraport-Töchter, vor allem für die Dienstleistungen der Sicherheitstochter ICTS. Mit deren Produkt "Airport Security" ist die Fraport AG in Europa an mehr als 30 Standorten aktiv. Daß der Konzern für die ersten neun Monate des Jahres eine Zunahme der Umsatzerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro hat melden können, liegt nicht nur an den höheren Verkehrsentgelten, sondern vor allem auch an den Mehrerlösen aus ebendiesen Sicherheitsleistungen.

          Da das Sicherheitsunternehmen ohnedies nach Osteuropa expandiere - etwa in neue EU-Mitgliedsländer, habe man natürlich auch den großen russischen Markt im Blick. Es sei durchaus denkbar, das die Sicherheitstochter auch auf den Moskauer Flughäfen ihre Services anbiete.

          Dort liegt der Flughafen Wnukowo mit knapp drei Millionen Passagieren zwar noch auf dem dritten Platz, Scheremetjewo mit 11,5 Millionen auf dem ersten und der von der privaten Flughafenbetreibergesellschaft East Line gemanagte Flughafen Domodedowo mit 9,4 Millionen auf dem zweiten Platz. Die Stadt Moskau hat sich aber dafür entschieden, Wnukowo ebenfalls zu einem internationalen Flughafen auszubauen, nachdem das Ministerium für Staatseigentum Ende vergangenen Jahres mehr als 60 Prozent der staatlichen Anteile an die Stadt Moskau überschrieben hatte, wie es in der Branche heißt.

          Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow hat bereits mehrfach hervorgehoben, er wolle diesen Flughafen mit Hilfe von Privatinvestoren zu einem internationalen Airport mit einer Kapazität von jährlich bis zu 20 Millionen Passagieren ausbauen, zuletzt vertraute er dies auch der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bei ihrer Visite in der russischen Neun-Millionen-Metropole an.

          Bender kann sich vorstellen, daß der Bedarf für Flugkapazitäten in Moskau so groß wird, daß es vernünftig wäre, alle drei Flughäfen zu einem Flughafen-System zusammenzufügen. Das entsprechende Know-how dafür zu liefern könnte ein weiteres lukratives Geschäft für Fraport werden. JOCHEN REMMERT

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