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Fraport : Neue Prognose: 700.000 Flugbewegungen

Bild: F.A.Z.

Im Jahr 2020 werden am Frankfurter Flughafen 40 Prozent mehr Flüge abgewickelt als heute. Nach Worten eines Fraport-Sprechers wird damit das Kapazitätslimit schon in den nächsten Jahren überschritten.

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          Die Fraport AG hat eine neue Prognose zur Entwicklung des Luftverkehrs am Frankfurter Flughafen vorgelegt. Danach wird nach einem Ausbau der Bedarf der Fluggesellschaften bis zum Jahr 2020 auf 700.000 Starts und Landungen pro Jahr steigen. Das ist im Vergleich zu heute ein Zuwachs um mehr als 40 Prozent.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hessische Wirtschaftsministerium hatte die neue Expertise angefordert. Die ursprüngliche, im Herbst 2004 mit dem Antrag auf Bau einer neuen Landebahn eingereichte Schätzung war von einer Entwicklung bis 2015 von rund 660.000 Flugbewegungen und 80 Millionen Passagieren im Jahr ausgegangen. Beamte des Ministeriums hatten sich nach der öffentlichen Anhörung den Zweifeln ihrer Kollegen im Regierungspräsidium angeschlossen, ob diese auf Zahlen des Jahres 2000 basierende Prognose nicht zu kurz greife.

          Schließlich werde frühestens 2007 darüber entschieden, ob der Frankfurter Flughafen eine weitere Landebahn brauche. Das Ministerium schloß sich aber auch Bedenken der Ausbaugegner an, die demographische Entwicklung in Deutschland und der Anstieg der Energiekosten seien nicht ausreichend berücksichtigt.

          Fraport: Die Grenze des Machbaren ist 2007 erreicht

          Fraport-Sprecher Klaus Busch sagte der F.A.Z., die neuen Zahlen gäben ausschließlich Auskunft darüber, wie hoch wahrscheinlich die Nachfrage der Fluggesellschaften in Frankfurt künftig sein werde. Als Restriktion habe das Gutachten allein das Nachtflugverbot einbezogen, nicht aber mögliche technische oder organisatorische Schwierigkeiten. Es ist zum Beispiel noch nicht abzusehen, wie stark die Abläufe zu verändern sind, wenn der A380 kommt. Sicherheitsrichtlinien verlangen, daß hinter dem neuen Großraumflugzeug von Airbus zehn nautische Meilen Abstand zu halten seien.

          Ausbaugegner hatten den von Fraport geltend gemachten Bedarf von 660.000 Flugbewegungen als viel zu hoch kritisiert und argumentiert, eine vierte Bahn sei überflüssig, eine Optimierung des bestehenden Systems reiche aus. Hingegen sieht Fraport die Grenze des Machbaren schon im nächsten Jahr mit einer halben Million Starts und Landungen erreicht. Das Kapazitätslimit werde auch nach der neuen Studie schon in den nächsten Jahren deutlich überschritten, sagte Busch.

          Ein unmittelbarer Vergleich zwischen Prognosewerten für 2015 und 2020 sei schwierig, da die Entwicklung in der Branche nicht linear verlaufe. Deutlich mache die Prognose jedoch, daß der Flugverkehr über das Jahr 2015 hinaus, in dem der Ausbau einschließlich eines dritten Passagier-Terminals und der Erweiterung der Cargo-City-Süd spätestens abgeschlossen sein soll, wachsen werde.

          Obergrenze für Flüge wird diskutiert

          Welche Konsequenzen sich aus den neuen Zahlen für die Belastung der Anwohner und der Natur oder für das Absturzrisiko ergeben, läßt sich nicht absehen. Für Diskussionsstoff wird jedoch die Annahme in der Expertise sorgen, der sogenannte Koordinierungseckwert, das heißt die maximale Zahl von Flugbewegungen pro Stunde, lasse sich durch eine weitere Landebahn von 80 sogar auf 126 und nicht, wie bisher angenommen, auf 120 erhöhen.

          Fraport sieht die nächsten Termine durch die neue Prognose nicht gefährdet. Vermutlich noch in diesem Jahr wird das Regierungspräsidium in einem Bericht zur öffentlichen Anhörung darlegen, welche Fragen zu klären seien. Das Wirtschaftsministerium hält daran fest, bis Ende 2007 eine Entscheidung über das 3,4-Milliarden-Projekt zu fällen; Fraport will die neue Landebahn 2010 in Betrieb nehmen.

          Ob der Wirtschaftsminister den Ausbau nicht nur an ein Nachtflugverbot knüpfen, sondern im diesem Zuge auch die Kapazität deckeln wird, das heißt erstmals eine Obergrenze der Flugbewegungen festschreibt, bleibt offen. „Wir haben keine Zahl beantragt“, hebt der Fraport-Sprecher hervor. Ausbaugegner befürchten, mit einer weiteren Landebahn seien an die 900.000 Starts und Landungen in Frankfurt nicht nur „technisch möglich“, sondern eines Tages auch Realität.

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