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Flughafensicherheit : Fraport kontrolliert Fluggäste bald nicht mehr selbst

Abfertigung am Flughafen: Fraport stellt die Weichen für die „neue Welt“. Bild: dpa

Bislang betrieb Fraport die Kontrolle der Fluggäste selbst. Nun verkauft der Betreiber des Frankfurter Flughafens 51 Prozent der Fasec Luftsicherheit an die Sasse Gruppe. Die Flughafensicherung bleibt aber Betreiberaufgabe.

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          Der Flughafenbetreiber Fraport wird sich bis 2023 von 51 Prozent der Anteile an seiner Luftsicherheitstochter Frasec Luftsicherheit GmbH trennen und sie an die Münchner Dr. Sasse AG verkaufen. In einem ersten Schritt gehen schon zum Januar nächsten Jahres 26 Prozent an die Münchner. Das hat Pierre Dominique Prümm am Donnerstagabend mitgeteilt, der im Vorstand der Fraport AG für Aviation inklusive Fracht und zentrales Infrastrukturmanagement zuständig ist.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Für den Flughafenbetreiber ist das Prümm zufolge der entscheidende Schritt von der „alten Welt“, in der der Flughafenbetreiber noch glaubte, sich selbst um alle Dienstleistungen rund ums Fliegen kümmern zu müssen, in die „neue Welt“, in der Fraport auch in diesem Geschäftsfeld das Know-how von spezialisierten Dienstleistern in den verschiedenen Serviceleistungen nutzt. Damit könne sich sein Haus nun darauf konzentrieren, die Prozesse der Passagierkontrolle organisatorisch so zu optimieren, dass man im Wettbewerb der großen Flughäfen weiter bestehe.

          Tatsächlich hat in der Vergangenheit beispielsweise der Frankfurter Hauptkunde Lufthansa und namentlich der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr die Qualität der Dienstleistungen am größten deutschen Flughafen gerade bei der Fluggastkontrolle als unzureichend, international nicht konkurrenzfähig gerügt.

          Abkehr von „praxisferner“ Zuständigkeitsverteilung

          Die Gelegenheit, die Passagierkontrollen am Frankfurter Flughafen in den nächsten zwei Jahren komplett neu zu organisieren, hat sich ergeben, nachdem der Flughafenbetreiber am Dienstag offiziell vom Bund damit beauftragt worden ist, wieder die Organisation der Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen zu übernehmen. Die Frankfurter hatten das seit Jahren gefordert. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte selbst hat die seit 2009 bestehende, bisherige Zuständigkeitsverteilung immer wieder als praxisfern kritisiert.

          In zwei Jahren wird nun nicht mehr die Bundespolizei die Prozesse der Sicherheitskontrollen für Passagiere und Personal an der Sicherheitszone steuern. Fraport wird unter anderem bestimmen, wann welche Kontrollspuren genutzt werden, wann wie viele Luftsicherheits-Fachkräfte je Spur eingesetzt werden und welche Kontrollgeräte gekauft werden. Die Bundespolizei wird sich auf ihre Kernkompetenz zurückziehen, sicherheitsrelevante Vorgaben machen und die Praxis überwachen.

          Frasec muss ohne Heimvorteil in Ausschreibungen

          Fraport wird nun auch selbst die Dienstleistung der Passagierkontrollen in den Terminals ausschreiben. Die dann mehrheitlich der Sasse Gruppe gehörende Frasec Luftsicherheit GmbH muss sich in Zukunft neben anderen Anbietern an dieser Ausschreibung beteiligen. Positiv ausgedrückt, ermöglicht es die neue Gesellschafterstruktur mit der Mehrheit der Sasse Gruppe der Frasec Luftsicherheit überhaupt erst, an Ausschreibungen der Fraport teilzunehmen. Würde sie weiter mehrheitlich zum Fraport-Konzern gehören, wäre das nicht möglich.

          Mit einer Art Heimvorteil darf die Frasec Luftsicherheit GmbH schon aus rechtlichen Gründen nicht rechnen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass sie bei einer Ausschreibung für Dienstleistungen in Frankfurt unterliegt. Für den in Frankfurt tätigen Teil der alles in allem rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frasec Luftsicherheit, die in Frankfurt und Stuttgart die Passagiere kontrollieren, würde das allerdings Vorstand Prümm zufolge nicht den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten. In einem solchen Fall würden die Beschäftigten üblicherweise vom neuen Dienstleister übernommen.

          Da die Sasse-Gruppe die Anteile an der Frasec Luftsicherheit erwirbt, um das Aviation-Geschäft auszubauen, ist aber davon auszugehen, dass man die Angebote auf eventuelle Ausschreibungen entsprechend scharf kalkuliert. Den Preis für die 51 Prozent nennt Fraport nicht.

          Derzeit sind auch noch 200 Mitarbeiterin und Mitarbeiter als Luftsicherheits-Assistenten in der Frankfurter Passagierkontrolle tätig, die schon lange am Flughafen arbeiten und daher noch unmittelbar bei der Konzernmutter Fraport AG angestellt sind. Diesen soll der Wechsel zur Frasec Luftsicherheit mit Anreizen schmackhaft gemacht werden. Anders als früher bewege sich die Bezahlung bei den Dienstleistern inzwischen auf dem gleichen Entgeltniveau von rund 20 Euro je Stunde. Die neue strategische Partnerschaft mit der Sasse Gruppe werde auch von den Mitbestimmungs-Gremien der Fraport akzeptiert.

          Genaugenommen ist die Frasec Luftsicherheit GmbH sogar eine Enkeltochter der Fraport AG, denn sie gehört derzeit noch unter das Dach der Fraport-Tochter Frasec Security Services GmbH. Diese wiederum hat drei Töchter; Die Frasec Luftsicherheit GmbH für die Passagier- und Gepäckkontrollen, die Fraport Flughafensicherheits GmbH, die die klassischen Sicherungs- und Bewachungsaufgaben wahrnimmt, darunter Personal-, Waren- und Fahrzeugkontrollen, und die Frasec Services GmbH, deren Personal beispielsweise Fluggästen den richtigen Weg durch die Terminals weist. Frasec Flughafensicherheit und Frasec Services bleiben nach jetzigem Stand zu 100 Prozent unter dem Dach des Fraport-Konzerns.

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