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Fraport und Corona-Krise : Bittere Botschaft und etwas Hoffnung

Krisengesrpäch: Wegen der Corona-Pandemie wurde die Hauptversammlung digital abgehalten. Bild: EPA

Am Dienstag hat die digitale Versammlung der Fraport-Aktionäre stattgefunden. Es zeichnet sich deutlich ab, dass die Folgen der Corona-Krise hier erst in einigen Jahren überstanden sind.

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          Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie und ihrer fatalen Auswirkung auf den Flugverkehr war klar, dass auch die Aktionärsversammlung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport anders sein würde als alle bisherigen. Die Zahlen, die Vorstandschef Stefan Schulte den Anteilseignern mitteilen würde, waren bekannt und alle Folgerungen daraus absehbar. Und doch werden die heiklen Fakten, die Schulte in geballter Form vortrug, die diesmal nur virtuell anwesenden Aktionäre schon in erhebliche Unruhe versetzt haben.

          Natürlich wird es den größten deutschen Flughafen auch noch geben, wenn die Pandemie überstanden sein wird. Und mit einiger Sicherheit wird die Lufthansa, die gerade der ökonomischen Intensivstation mit staatlicher Hilfe hoffentlich entrinnen wird, auch dann bedeutendster Kunde am Frankfurter Flughafen sein. Womöglich wird es auch wieder Zeiten geben, in denen die Kapazität, die gerade mit dem Terminal 3 auf dem Areal im Süden des Flughafens entsteht, auch tatsächlich gebraucht wird.

          Aber am Dienstag wurde deutlich, dass das mit Sicherheit etliche Jahre dauern wird. Vielleicht so lange, dass die Anrainer sich kaum mehr über laute Flugzeuge beschweren müssen, weil die dann wirklich alle viel leiser sind als heute. Andererseits ist ungeachtet der Fluglärmbelastungen in Pandemie-freien Zeiten nicht zu leugnen, dass diese Ruhe eine fatale ökonomische Konsequenz hat: Die wirtschaftliche Bedeutung des Frankfurter Flughafens für die Rhein-Main-Region, Hessen und ganz Deutschland ist nicht zu bestreiten. Und es ist ebenso wenig zu leugnen, dass auf dem Flughafen hochqualifizierte wie auch Menschen mit einer vergleichsweise geringen Qualifikation ein auskömmliches Einkommen erzielen können.

          Gut 80.000 Arbeitsplätze in mehr als 500 Unternehmen auf dem Flughafenareal und drum herum sind eine Tatsache. Es ist zu hoffen, dass möglichst viele dieser Unternehmen die Krise überstehen und möglichst viele der Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das aber wird nur funktionieren, wenn sich auch die internationalen Reisebeschränkungen in nicht allzu ferner Zukunft wieder lockern lassen, ohne neue Infektionswellen zu riskieren. Fraport-Vorstand Schulte weist in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hin, dass gerade der Flugverkehr eine vergleichsweise sichere, weil stark kontrollierte Form der Mobilität ist. Der Schutz vor Ansteckung ist hier – bei entsprechender Anpassung der Prozesse – durchaus sicherzustellen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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