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Flughafen-Kommentar : Grenzen des Wachstums

Wer verreisen möchte muss Geduld mitbringen: Passagiere am Frankfurter Flughafen. Bild: dpa

Lange Warteschlangen prägen das Bild des Frankfurter Flughafens. Der Betreiber kämpft mit schwachen Pünktlichkeitswerten. Durch die vielen Fluggäste gerät das System an seine Grenzen.

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          Das ist schon etwas frustrierend: Da musste sich Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte jahrelang anhören, dass der Ausbau des Frankfurter Flughafens völlig unnötig gewesen sei, weil dessen Wachstum ja meilenweit hinter den eigenen Prognosen herhinke. Und nun hat sich die Lage derart verändert, dass die Manager nicht nur selbst von den enormen Zuwachsraten überrascht sind, sondern das System in Hauptverkehrszeiten schon an seine Grenzen gerät.

          Dass Fraport im Juni derart schwache Pünktlichkeitswerte erzielt und auch im Halbjahresschnitt nicht eben als Klassenprimus unter den Drehkreuzen dasteht, ist nicht erfreulich. Und es ist auch nicht zu bestreiten, dass dies, zusammen mit den Schwierigkeiten bei den Sicherheitskontrollen, den Eindruck eines nicht eben perfekt organisierten Flughafenbetriebes erweckt.

          Kein einheitlicher Luftraum für Europa

          Genau genommen ist aber nur ein geringer Teil der Ursachen, die zu der unbefriedigenden Situation führen, von einem Flughafenbetreiber zu beeinflussen. Ein entscheidender Grund für die schwierige Situation liegt darin, dass der Flugverkehr massiv zugenommen hat, der Himmel quasi dicht ist, wie der Chef der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle, sagt.

          Gäbe es einen einheitlichen Luftraum über Europa, wäre der Verkehr trotzdem noch hinreichend zu organisieren. Dieser einheitliche Luftraum ist zwar seit Jahren als Ziel vorgegeben, scheitert aber an nationalen Interessen. Es wird ihn in nächster Zeit deshalb nicht geben. Das hat zur Folge, dass jedes Flugzeug weiterhin nicht die kürzeste Strecke über Europa fliegt, sondern auf einem von nationalen Kontrollen vorgegebenen Weg kurven muss. Das kostet nicht nur Zeit, Kerosin und Geld, sondern ist auch viel schwieriger zu koordinieren.

          Erschwerend kommt hinzu, dass die EU-Kommission den Flugsicherungen gleichzeitig einen Kostenrahmen für ihre Arbeit vorgibt, der auf mehrere Jahre alten Prognosen basiert. Die Flugsicherungen können daher auf rasche Wachstumsschübe, wie sie derzeit zu sehen sind, nicht schnell genug reagieren. Vereinfacht ausgedrückt, müssen sie mit zu wenigen Lotsen immer mehr Verkehr sicher abwickeln. Dass ein solches System immer störanfälliger wird, liegt nahe. Vor allem dann, wenn noch Schlechtwetterfronten hinzukommen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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