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Fraport AG : „Ja, die Landebahn ist fertig“

Drinnen: Konzernlenker Stefan Schulte (links) und Aufsichtsratschef Karlheinz Weimar auf der Hauptversammlung Bild: ©Helmut Fricke

Auf der Hauptversammlung von Fraport geht es vor allem um die Rekordzahlen, doch überwiegt die Freude über die neue Landebahn. Die Frankfurter Verkehrsdezernentin Jutta Ebeling soll in den Aufsichtsrat.

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          Frankfurt. Draußen vor der Jahrhunderthalle herrscht Lärm. Knarzende Jazzmusik scheppert aus großen Lautsprechern über den Vorplatz, die Demonstranten hier aufgestellt haben. Gelegentlich kommt lautes Flugzeugdröhnen vom Band. Die Aktionäre, die an diesem Mittwoch zur Hauptversammlung der Fraport AG wollen, müssen sich ihren Weg durch etwa 50 Demonstranten bahnen, die sie teils rüde mit ihren Transparenten bedrängen. „Fluglärm macht krank“ steht darauf oder „The Sky has a limit“.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Drinnen ist es ruhiger. Es dauert eine Weile bis auf der Aktionärsversammlung des Flughafenbetreibers das Thema Lärm zur Sprache kommt. Die meisten Aktionäre freuen sich über das gute Geschäftsjahr 2010, und darüber, dass Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte auch für 2011 gute Zahlen in Aussicht stellt. Umsatz, Passagierzahlen und operativer Gewinn sollen im Vergleich zum Rekordjahr 2010 noch einmal zulegen. Im gerade zu Ende gegangenen Mai habe der Flughafen schon so viele Passagiere gezählt wie noch nie in diesem Monat in seiner 75 Jahre währenden Geschichte.

          Am 21. Oktober um 14.30 Uhr soll dann offiziell die erste Maschine auf der neuen Landebahn aufsetzen, kündigt Schulte an. „Um eine lange Story kurz zu machen: Ja, die Landebahn ist fertig“, sagt der Vorstandsvorsitzende stolz. Und die Aktionäre applaudieren. Bis sie in Betrieb genommen werde, müssten nur noch Geräte eingebaut und rechtliche Schritte geklärt werden. Auch Testflüge würden schon vor dem offiziellen Termin gemacht.

          Draußen: Ein Demonstrant

          30 neue Spezialfahrzeuge für die kalte Jahreszeit

          Obwohl 2010 unter dem Strich ein Rekordergebnis stand, habe das Geschäft unter dem Jahr geschwankt, „wie das sonst bei Unternehmen des Neuen Marktes war“, wie Schulte sagt. Nach einem harten Winter, in dem der Flughafenbetreiber immer wieder für Verzögerungen bei der Enteisung und der Räumung der Landebahnen kritisiert worden war, folgte im April die Aschewolke aus Island, die den Flugbetrieb für Tage komplett stilllegte. Sommer und Herbst seien wiederum sehr stark gewesen. Dass die Mitarbeiter auf all diese Situationen gut reagiert hätten, dafür dankte Schulte ihnen, und mehrere Aktionäre wiederholten das Lob in ihren Redebeiträgen. Als Beispiel wurde immer wieder der „Biergarten“ auf dem Vorfeld genannt, den Fraport-Mitarbeiter eingerichtet hatten, als 1300 Passagiere wegen der Aschewolke mehrere Tage am Flughafen festsaßen.

          Um auf Wintereinbrüche in Zukunft besser reagieren zu können, habe Fraport mehr als 20 Millionen Euro investiert, sagt Schulte. Die Zahl der extrabreiten Räumfahrzeuge etwa sei von vier auf sechs erhöht, die Vorräte an Enteisungsmitteln seien um 20 Prozent aufgestockt worden. Alles in allem habe der Flughafenbetreiber 30 neue Spezialfahrzeuge für die kalte Jahreszeit gekauft.

          Auch der Service für die Passagiere soll verbessert werden. Schulte sagt, dass die Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle verringert werden sollen. Außerdem soll es bald ein Programm für Smartphones geben, mit denen vor allem ausländische Touristen sich am Flughafen besser orientieren können sollen. „Wer nicht Deutsch oder Englisch kann, kann sich mithilfe der App trotzdem zurechtfinden“, sagt Schulte.

          13 weitere seien dem in der nächsten Stunden gefolgt

          Neues Aufsichtsratsmitglied soll die Frankfurter Verkehrsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) werden. Sie folgt auf den im Januar gestorbenen Lutz Sikorski, dem die Aktionäre auf der Hauptversammlung mit einer Schweigeminute gedenken. Aufgrund der Kommunalwahl im März sei die Kandidatin der Stadt allerdings zu spät vorgeschlagen worden, um sie noch fristgerecht von der Hauptversammlung wählen zu lassen, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Karlheinz Weimar. Sie werde erst einmal durch ein Gericht bestellt.

          Der Fluglärm kommt schließlich doch noch zur Sprache. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann meldet sich zu Wort und weist darauf hin, dass die steigenden Geschäftszahlen nur mit immer mehr Lärm für die Menschen, die in der Rhein-Main-Region „leben und schlafen“ wollten, einhergehe. Am Ostermontag sei er in Wiesbaden um 4.56 Uhr von einem überfliegenden Flugzeug geweckt worden. 13 weitere seien dem in der nächsten Stunden gefolgt. „Tanzen darf man am Feiertag nicht“, sagt Kaufmann. „Aber Leute frühmorgens mit Fluglärm aus dem Bett zu holen, das ist offenbar in Ordnung.“

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