https://www.faz.net/-gzg-9trz0

Frankfurter Volksbank : Im Strudel der Niedrigzinsen

Es wird teurer: Die Frankfurter Volksbank plant einen Negativzins. Bild: dpa

Heikles Unterfangen: Die Frankfurter Volksbank plant Negativzinsen für ihre Neukunden. Dadurch könnte sie zwar opportunistische Anleger abwehren, aber viele langjährige Kunden verlieren.

          1 Min.

          Bei den Niedrigzinsen ist es wie bei vielen Dingen im Leben: Es gibt Gewinner und Verlierer. Während sich Häuslebauer und Immobilien-Investoren darüber freuen, dass sie zu guten Konditionen Geld aufnehmen können, werden Sparer inzwischen dafür bestraft, wenn sie Geld auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern liegenlassen. Es ist paradox: Das Geld auf der Bank verliert ohnehin schon an Wert, weil die Inflationsrate höher ist als der Zins. Und nun drohen auch noch „Verwahrentgelt“ genannte Gebühren.

          Die Banken stehen in der von der Europäischen Zentralbank beschlossenen Niedrigzinsphase, die nach Stand der Dinge noch Jahre andauern könnte, vor einem Dilemma. Denn wenn eine Bank den Stein negativer Zinsen anstößt, ist er kaum mehr aufzuhalten. Berechnen erste Institute nämlich Verwahrentgelte für Einlagen, könnten Sparer ihre Konten hier leer räumen und ihr Geld dorthin bringen, wo sie zumindest für die Aufbewahrung nicht zahlen müssen.

          Strafzinsen der Notenbank drohen

          Deshalb ist es zunächst nachvollziehbar, wenn Institute wie die Frankfurter Volksbank planen, Negativzinsen für Privatkunden einzuführen. Schließlich müssen die Geldhäuser selbst Zinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Vor diesem Hintergrund sind Forderungen aus der Politik, Negativzinsen für Privatkunden grundsätzlich zu verbieten, nicht sinnvoll, denn damit würde man das Geschäftsmodell einer Bank torpedieren und die Unternehmen faktisch zu Verlustgeschäften zwingen.

          Trotzdem ist die Frage negativer Zinsen für die Banken ein heikles Unterfangen. Gerade in Deutschland wird hart um jeden Kunden gekämpft. Wer zu schnell in den Strudel der Niedrigzinsen rutscht, wehrt zwar opportunistische Anleger damit ab, könnte aber viele langjährige Kunden verlieren; wer dagegen zu lange wartet, dem drohen die Strafzinsen der Notenbank.

          Fast alle Banken geben derzeit an, die Entwicklungen im Auge zu haben und zu prüfen, ob auch für Privatkunden und nicht erst bei hohen Einlagen im sechsstelligen Bereich negative Zinsen verlangt werden sollen. Die Unsicherheit über den richtigen Weg ist dabei deutlich spürbar. Sicher scheint nur eines zu sein: Den Banken steht eine Gratwanderung bevor.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Halbe Seite vom früheren CSU-Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Maier übernommen? Neue Vorwürfe gegen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

          Buch des CDU-Kanzlerkandidaten : Neue Plagiatsvorwürfe gegen Laschet

          Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber zieht seine entlastende Stellungnahme zum Buch des Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet zurück. Weber kündigte an, das Buch genauso detailliert zu prüfen wie jenes der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.
          Alles ist möglich: Mit dem Instagram-Filter „Big Lick“ kann man ausprobieren, ob man mit der Zunge an die Nasenspitze kommt.

          Das Spiel mit Identitäten : Ich bin viele

          Kein Jugendlicher muss sich festlegen, wer oder was er sein will. Im Internet lassen sich alle Identitäten erkunden. Das bringt Freiheiten – aber auch Druck.
          Ein Smartphone in Kinderhänden ist längst nicht mehr ungewöhnlich. Viele Eltern wollen auf den Kontrollblick aber nicht verzichten.

          Eltern, die überwachen : Was Kinderschutz-Systeme im Handy können

          Chatten, Surfen, Spielen – Eltern wollen wissen, und bisweilen kontrollieren, was die Kinder mit ihrem eigenen Smartphone so anstellen. Das funktioniert schon mit Bordmitteln, kann mitunter aber heikel sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.