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Frankfurter Volksbank : Im Strudel der Niedrigzinsen

Es wird teurer: Die Frankfurter Volksbank plant einen Negativzins. Bild: dpa

Heikles Unterfangen: Die Frankfurter Volksbank plant Negativzinsen für ihre Neukunden. Dadurch könnte sie zwar opportunistische Anleger abwehren, aber viele langjährige Kunden verlieren.

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          Bei den Niedrigzinsen ist es wie bei vielen Dingen im Leben: Es gibt Gewinner und Verlierer. Während sich Häuslebauer und Immobilien-Investoren darüber freuen, dass sie zu guten Konditionen Geld aufnehmen können, werden Sparer inzwischen dafür bestraft, wenn sie Geld auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern liegenlassen. Es ist paradox: Das Geld auf der Bank verliert ohnehin schon an Wert, weil die Inflationsrate höher ist als der Zins. Und nun drohen auch noch „Verwahrentgelt“ genannte Gebühren.

          Die Banken stehen in der von der Europäischen Zentralbank beschlossenen Niedrigzinsphase, die nach Stand der Dinge noch Jahre andauern könnte, vor einem Dilemma. Denn wenn eine Bank den Stein negativer Zinsen anstößt, ist er kaum mehr aufzuhalten. Berechnen erste Institute nämlich Verwahrentgelte für Einlagen, könnten Sparer ihre Konten hier leer räumen und ihr Geld dorthin bringen, wo sie zumindest für die Aufbewahrung nicht zahlen müssen.

          Strafzinsen der Notenbank drohen

          Deshalb ist es zunächst nachvollziehbar, wenn Institute wie die Frankfurter Volksbank planen, Negativzinsen für Privatkunden einzuführen. Schließlich müssen die Geldhäuser selbst Zinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Vor diesem Hintergrund sind Forderungen aus der Politik, Negativzinsen für Privatkunden grundsätzlich zu verbieten, nicht sinnvoll, denn damit würde man das Geschäftsmodell einer Bank torpedieren und die Unternehmen faktisch zu Verlustgeschäften zwingen.

          Trotzdem ist die Frage negativer Zinsen für die Banken ein heikles Unterfangen. Gerade in Deutschland wird hart um jeden Kunden gekämpft. Wer zu schnell in den Strudel der Niedrigzinsen rutscht, wehrt zwar opportunistische Anleger damit ab, könnte aber viele langjährige Kunden verlieren; wer dagegen zu lange wartet, dem drohen die Strafzinsen der Notenbank.

          Fast alle Banken geben derzeit an, die Entwicklungen im Auge zu haben und zu prüfen, ob auch für Privatkunden und nicht erst bei hohen Einlagen im sechsstelligen Bereich negative Zinsen verlangt werden sollen. Die Unsicherheit über den richtigen Weg ist dabei deutlich spürbar. Sicher scheint nur eines zu sein: Den Banken steht eine Gratwanderung bevor.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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