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Frankfurter Parkett : „Hier ist gerade ein bisschen Panik“

Oh Schreck, der Dax rauscht in den Keller Bild: ddp

Mittagszeit - Beschaulichkeit. Das mag es an normalen Tagen auf dem Börsenparkett geben. Doch nicht an diesem Montag. „Wir sind hier alle ganz gut ausgebucht, weil im Moment ein bisschen Panik ist“, sagt ein Kursmakler. Und ein Kollege meint: „Dazu fällt einem nichts mehr ein.“

          Mittagszeit - Beschaulichkeit. Das mag es an normalen Tagen auf dem Börsenparkett geben. Doch nicht an diesem Montag. Um 5,7 Prozent ist der Deutsche Aktienindex gerade in den Keller gerauscht - einen so großen Verlust hat es seit den unruhigen Börsentagen von 2003 nicht mehr gegeben, wie die Agentur Bloomberg meldet. „Wir sind hier alle ganz gut ausgebucht, weil im Moment ein bisschen Panik ist“, meint ein Aktienhändler der ICF Kursmakler AG. Keine Zeit für einen Plausch über die Frage, wie sich ein Aktienhändler angesichts einer solch rasanten Talfahrt so fühlt. Ein Kollege bei der Concord Financial Intermediary GmbH dagegen macht nicht nur aus seinem Innenleben („Wohl fühlen tut man sich nicht dabei“) kein Hehl. Er lässt auch ordentlich Dampf ab.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir sind ja nur noch der Spielball von strukturierten Produkten“, meint er und spielt auf die Folgen der von Amerika ausgehenden Kreditkrise an. In deren Mittelpunkt stehen in Wertpapieren verpackte Kredite an finanzschwache Schuldner (Subprime), die zunehmend ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Worunter die Kurse der Wertpapiere leiden und dadurch wiederum Banken in aller Welt, die diese komplizierten Produkte im Portfolio haben. So wie die WestLB und die Commerzbank etwa, die neuen „Abschreibungsbedarf“ gemeldet haben. Doch unabhängig von dieser Krise geht es am Aktienmarkt nur noch um Plus und Minus im Kurs, wie er meint - und nicht mehr um die Unternehmen selbst, deren Wert die Aktien letztlich darstellen sollen.

          „Das trifft die normalen Aktionäre hart“

          „Und wenn da einer anfängt, was abzugeben, laufen viele wie die Lemminge hinterher und verkaufen ebenfalls“, beschreibt der Makler die Eigendynamik im Markt. Mit der tatsächlichen Verfassung der Unternehmen habe so etwas nichts zu tun. „Das ist nur noch Zockerei.“ Und an diesem Montag scheinen sich viele Marktteilnehmer an den biblischen Spruch „Geben ist seliger denn nehmen“ zu halten: Bei minus 5,7 Prozent ist im Handelsverlauf lange nicht Schluss; das Tagestief lotet der Dax bei 6762,77 Punkten aus - ein Abschlag von sage und schreibe 7,54 Prozent. „Dazu fällt einem nichts mehr ein“, sagt ein anderer Aktienhändler dazu. Zum Lemminge-Verhalten geselle sich, dass in diesen Tagen der verbreiteten Unsicherheit vor allem jene Marktbeobachter in den Medien zu Wort kämen, die pessimistisch seien. Das ziehe weitere Verkäufe nach sich.

          In der Spitze belief sich der Abschlag auf 7,54 Prozent - allein im Dax

          Dabei gebe es einige, die sagten, solch ein Ausverkauf müsse sein. Vielleicht erfüllt von der Hoffnung, zu niedrigeren Kursen wieder einsteigen und die Differenz aus dem Verkaufserlös und dem reinvestierten Kapital dann als Zwischengewinn verbuchen zu können. „Das fällt leichter, wenn die Amis wie heute wegen eines Feiertags nicht dabei sind und die Börsen in Asien hohe Verluste gesehen haben“, berichtet der Händler aus der Erfahrung eines Profis. „Das trifft die eigentlichen Aktionäre, die die Papiere kaufen und liegen lassen, natürlich hart“, meint der Concord-Mann.

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