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Kreisverbands-Skandal : Awo korrigiert Schadensumme nach oben

Noch mehr Schieflage: Die Frankfurter Awo beziffert den Schaden auf 6,3 Millionen Euro. Bild: dpa

6,3 statt 4,5 Millionen Euro: Der Frankfurter Kreisverband der Awo hat die Schadenssumme im Vereins-Skandal nach oben korrigiert. Der neue Vorsitzende sieht aber weiter keine vorsätzliche Schädigung der Stadt.

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          Rund vier Monate ist es her, dass der Frankfurter Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt den vorläufigen Schaden bilanzierte, der dem Unternehmen durch das Management der alten Riege rund um den ehemaligen Geschäftsführer Jürgen Richter entstanden sei. Man kam auf 4,5 Millionen Euro.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Montag korrigierte der neue Awo-Vorstandsvorsitzende Steffen Krollmann diesen Betrag nach oben. Man habe den Schadenszeitraum erweitern müssen, die Schadenssumme habe sich entsprechend erhöht. „Der Gesamtschaden beläuft sich nun auf rund 6,3 Millionen Euro“, sagte Krollmann. Er schloss nicht aus, dass sich diese Summe während der Aufarbeitung des Skandals weiter erhöhen werde.

          Im Einzelnen listete Krollmann überhöhte Personal- und Honorarkosten über 3,5 Millionen Euro, Spenden über 881.000 Euro an den Kreisverband Wiesbaden, in dem Jürgen Richters Ehefrau Hannelore die Geschäfte führte, und ein stark sinkendes Spendenaufkommen auf, wodurch der Frankfurter Awo nochmals 100.000 Euro verlorengegangen seien. Die großzügige Versorgung mit Luxus-dienstwagen für einen kleinen Kreis von Günstlingen des Ehepaars Richter schlägt in der Schadensbilanz mit 650.000 Euro zu Buche. 13 dieser Dienstwagen, die „nicht zur Arbeiterwohlfahrt passen“, so Krollmann, sei man mittlerweile „losgeworden“ – darunter unter anderem ein hochmotorisierter Audi RS 4 Avant und ein Mercedes AMG.

          Rückzahlungsansprüchen nachkommen

          Schließlich kommen laut Krollmann noch rund 1,2 Millionen Euro hinzu, die an die hundertprozentige Tochterfirma Awo Protect gingen. Geld, das der Kreisverband zumindest von der Awo Protect nicht wiederbekommen wird. Die Firma, die gegründet wurde, um die Flüchtlingsunterkünfte zu bewachen, die die Awo bis Ende 2018 im Auftrag der Stadt Frankfurt betrieb, hat Insolvenz angemeldet. Wie die F.A.Z. berichtete, zahlte der Kreisverband im Jahr 2019, als der Konkurs schon abzusehen war, aufgrund eines bestehenden Kreditvertrags der Awo Protect trotzdem noch einmal mehrere hunderttausend Euro, aufgeteilt in mehrere Teilbeträge. Im Awo-Vorstand war zu dem Zeitpunkt unter anderen noch Panagiotis Triantafillidis, ein Jugendfreund von Awo-Protect-Geschäftsführer Klaus Roth. Dieser war auch Abteilungsleiter Kindertagesstätten der Frankfurter Awo, jedoch trennte sich der Kreisverband im Mai von ihm.

          Roth ist mittlerweile freigestellt, es gibt einen Aufhebungsvertrag zum 31. Dezember 2020. „Wir prüfen alle uns zur Verfügung stehenden Optionen, um unseren Schaden reguliert oder ersetzt zu bekommen“, sagte Krollmann. Mit dem Anwalt spreche man über zivilrechtliche Konsequenzen. Er zeigte sich nach wie vor davon überzeugt, dass die Awo die Stadt Frankfurt „nicht vorsätzlich geschädigt“ habe. „In der Zusammenarbeit mit den Dezernaten hat sich aber auch gezeigt, dass Fehler in den Verwendungsnachweisen gemacht wurden, die aus unklarer Zuordnung von Kosten erwachsen sind. Das werden wir gegebenenfalls korrigieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Sollten sich daraus Rückzahlungsansprüche ergeben, werden wir dem selbstverständlich nachkommen.“

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