https://www.faz.net/-gzg-7z327

Kuriosität am EC-Automat : Franken aus Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Unter der Rolltreppe: Im Frankfurter Skyline Plaza steht ein Geldautomat, der Schweizer Franken ausgibt. Bild: Norbert Müller

Ein Geldautomat im Frankfurter Einkaufszentrum Skyline Plaza gibt Schweizer Banknoten aus. Warum, das weiß allerdings keiner so recht zu erklären.

          2 Min.

          Merkwürdig. In großen weißen Klebebuchstaben steht auf der Seitenwand des Geldautomaten: „Ab sofort hier auch Schweizer Franken.“ Merkwürdig, nicht nur weil der Satz schon seit einem Jahr dort klebt und man sich also fragen muss, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, „ab sofort“ durch „seit kurzem“ oder „schon immer“ zu ersetzen. Sondern auch, weil der offensichtlich als Werbung konzipierte Slogan so gar keine Begehrlichkeiten weckt. Und das sollte Werbung doch.

          „Endlich Schweizer Franken auch in meiner Stadt!“ oder „Da will ich mir doch gleich mal ein paar Bündel holen“, denken wohl die wenigsten Passanten. Wieso sollten sie hier in der Skyline Plaza – dem Einkaufszentrum am Rande des Frankfurter Europaviertels – Schweizer Franken abheben? Rund 300 Kilometer von Zürich und mindestens 100 Meter von der nächsten Theke mit Schweizer Käse entfernt – wo im Übrigen auch keine Franken akzeptiert werden? Gut, vor ein paar Wochen hätte es sich gelohnt, beim Einkaufen gleich noch ein, zwei Tüten Franken mitzunehmen. Aber kaum einer hatte ja damit gerechnet, dass die Schweizer Notenbank von heute auf morgen den Kurs freigibt. Währungsspekulation als Shopping-Event scheidet als Erklärung wohl eher aus. Vom Management der Skyline Plaza heißt es auf Nachfrage: „Das ist wegen der Internationalität.“ Klingt gut, aber auch Touristen und Geschäftsleute aus dem Ausland bezahlen in Frankfurt doch mit Euro?

          Der Aufkleber zeigt es an: Hier können sich Kunden tatsächlich Schweizer Franken ziehen.

          Ja, stimmt eigentlich, gibt das Management zu. Keine Ahnung. Aber die Reisebank, die den Automaten aufgestellt hat, müsste es genauer wissen. Frage an die Reisebank: Wer hebt Schweizer Franken in der Skyline Plaza ab? Antwort: Wissen wir auch nicht. Jedenfalls noch nicht. „Wir sammeln Erfahrungen, wie sich die Menschen mit Fremdwährungen versorgen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Deswegen habe die Reisebank in Deutschland zehn Automaten auch mit ausländischen Scheinen bestückt, zusätzlich zu den Euros.

          Das Geschäft mit Bargeld in Fremdwährungen war früher in ganz Europa ein großer Markt. Seit der Euroeinführung aber ist das sogenannte Sortengeschäft um 75 Prozent zurückgegangen. Hinzu kommt, dass man mit der Kreditkarte weltweit Geld in der Landeswährung abheben kann. Viele Banken wechseln Geld – wenn überhaupt – nur noch auf Vorbestellung. Eine Nische, die die Reisebank mit ihren Filialen an Flughäfen und großen Bahnhöfen ausfüllt. Noch enger ist die Nische, ausländisches Geld in einem Einkaufszentrum anzubieten. Weit weg von jedem Abfahrts- und Abflugsort.

          „Es ist nur ein kleiner Markt – das ist uns bewusst“, sagt der Sprecher. Aber es sei auch nur ein geringer Aufwand, ein paar Fächer der Automaten mit anderen Noten zu bestücken. Und vielleicht möchten sich die Menschen ja auch nebenbei beim Einkaufen mit Fremdwährungen versorgen, zumal der Kurs der gleiche ist wie am Flughafen. Und warum ausgerechnet Schweizer Franken in der Skyline Plaza? Wieso nicht Dollar wie im Transitbereich des Flughafens, wo ein zweiter der zehn Automaten steht? Da habe er auch erst mal nachfragen müssen, sagt der Sprecher. Und? „Völliger Zufall.“

          Weitere Themen

          Warten im Kapitalismus

          Schlange stehen : Warten im Kapitalismus

          Seit dem Untergang der DDR mussten wir nirgends mehr anstehen. Jetzt geht es wieder los – im Restaurant, auf dem Flughafen, überall. Wie konnte es so weit kommen?

          Zeichen von Verbundenheit

          IHK-Jahresempfang in Frankfurt : Zeichen von Verbundenheit

          Der neue IHK-Präsident Caspar begrüßt den Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann auf bemerkenswerte Weise. Und der Ministerpräsident hebt beim Jahresempfang der Kammer ausdrücklich einen Offenbacher hervor.

          Topmeldungen

          Amazon-Chef Jeff Bezos Mitte Januar bei einem Firmenevent im indischen Neu Delhi.

          Smartphone des Amazon-Gründers : Hat der saudische Kronprinz Jeff Bezos gehackt?

          Einem Bericht zufolge soll der Amazon-Chef von Muhammad Bin Salmans persönlichem Konto eine infizierte Whatsapp-Nachricht bekommen haben. Das wirft Fragen auf, ob es einen Zusammenhang zum ermordeten Dissidenten Jamal Khashoggi gibt. Und zu einem Boulevardskandal um Bezos.

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.