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Frankfurter Flughafen : Der vierte Finger soll der erste sein

Neue Reihenfolge: Auf der Darstellung ist rechts in rosa Farbe das Terminal 3 im Vollausbau mit vier Fingern zu sehen. In der ersten Stufe sollte ursprünglich das Hauptgebäude und die beiden mittleren Flugsteige - auch Finger oder Pier genannt - entstehen. Inzwischen versucht der Flughafenbetreiber Fraport, den vierten Flugsteig ganz rechts zuerst und in abgespeckter Form zu bauen. Er war ursprünglich als Teil des zweiten Bauabschnitts geplant gewesen. Bild: Fraport AG

Am Geschäft mit den Billigfliegern kommt auch ein großes Luftverkehrsdrehkreuz wie Frankfurt nicht mehr vorbei, sagt Fraport-Chef Schulte. Ein rasch betriebsbereiter Flugsteig für Low-Cost-Passagiere wäre ihm am liebsten.

          Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich der Flughafenbetreiber Fraport AG auf den absehbaren Anstieg des Low-Cost-Verkehrs am Frankfurter Flughafen einstellt: Entweder er zieht den Bau eines Flugsteigs von Terminal 3 vor, oder er baut das Bus-Terminal im Norden des Flughafens aus. Offiziell entschieden ist noch nichts, wie der Fraport Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte im Gespräch mit dieser Zeitung sagte. Andererseits weiß er nur zu gut, dass das Vorfeld am Frankfurter Flughafen zu Hauptverkehrszeiten schon jetzt derart voll ist, dass zusätzlicher Low-Cost-Busverkehr zu Staus, zu Zeitverlusten und damit zu unzufriedenen Airlinekunden führen würde.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Es spricht also alles dafür, tatsächlich einen Flugsteig im Süden des Flughafens für den Ansturm der Low-Budget-Flieger zu bauen, auf den man spätestens seit dem Einstieg der irischen Ryanair schon in nächster Zeit hofft. Schon 2019 könnte dieser Finger betriebsbereit sein.

          Bustransfers für Passagiere als Zwischenlösung

          Allerdings hat auch diese Lösung mehr als einen Haken: Einmal ist der erste Bauabschnitt des Terminals 3, das aus dem Hauptgebäude und zwei Flugsteigen besteht, nicht vor 2023 fertig. Einen dieser beiden Finger separat zu bauen ist nicht möglich, ohne die gesamte Planung des ersten Abschnitts umzuwerfen, wie Schulte weiter erläuterte. Daher sei man zu dem Schluss gekommen, es sei die beste Lösung, einen der Flugsteige drei und vier, die eigentlich erst in der nächsten Ausbaustufe vorgesehen seien, schon vor den beiden Flugsteigen der ersten Ausbaustufe zu bauen – und zwar zunächst als solitäres Gebäude. Dem Plan nach soll es der östliche der im Vollausbau vier Finger sein (in der Karte der pinkfarbene Flugsteig ganz rechts), allerdings in abgespeckter Form. „Er soll alle Umsteigefunktionalitäten haben. Er könnte von jeder Airline genutzt werden, wäre kein reiner Low-Cost-Pier. Aber die Prozesse wären stärker auf Low-Cost ausgerichtet. Schnellerer Durchsatz, keine Lounges und dergleichen. Aber sie können von Schengen auf Non-Schengen umsteigen“, sagte Schulte; zwischen den Ländern, die zum Schengen-Abkommen gehören, finden keine Passkontrollen statt.

          Mit der Beschreibung solitär spricht der Flughafenmanager allerdings den zweiten Haken an, den diese Lösung hat: Denn laut Planfeststellung gilt die Genehmigung für die Flughafenerweiterung nur dann, wenn der Ausbau dazu dient, die Funktion als Luftverkehrsdrehscheibe zu sichern und zu verbessern. Auf Nachfrage hat das hessische Verkehrsministerium erläutert, dass ein solcher vorgezogener Bau nur dann als planfeststellungskonform zu betrachten sei, wenn die Umsteigemöglichkeiten sichergestellt würden. Und das wiederum setze voraus, dass auch der Low-Cost-Finger an das Personenbeförderungssystem Skyline wie auch an die Gepäckförderanlage angebunden sei.

          Das aber wäre in den ersten vier Jahren nicht der Fall. Als Zwischenlösung sind Schulte zufolge Bustransfers für Passagiere vom Norden in den Süden und umgekehrt geplant, das Umsteigergepäck würde ebenfalls mit Fahrzeugen übers Flughafenareal transportiert. Ob das Ministerium das akzeptiert, ist nicht sicher. Ob da Schultes Zusicherung genügt, dass das Low-Cost-Pier G an das Terminal 3 und damit an beide Beförderungsanlagen angeschlossen werden, sobald 2023 das Hauptgebäude und die beiden Finger errichtet seien, auch nicht.

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