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Frankfurter Dax-Konzerne : Antreten zum Rapport

Kann aufgrund des Rekordergebnisses der Hauptversammlung gelassen entgegen sehen: Börsen-Chef Reto Francioni Bild: ddp

Die Frankfurter Dax-Unternehmen haben sich im Jahr der Finanzkrise höchst unterschiedlich geschlagen. Auf ihren Hauptversammlungen stehen den Verantwortlichen kritische Fragen bevor. Den Auftakt macht die Commerzbank.

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          Tagesordnungspunkt 17 klingt nach Ärger. „Vertrauensentzug gegenüber dem Sprecher des Vorstands, Herrn Martin Blessing“, heißt es knapp in der Einladung der Commerzbank zur Hauptversammlung, zu der sie ihre Anteilseigner für diesen Freitag in die Frankfurter Jahrhunderthalle geladen hat. Drei Kleinaktionäre aus München haben den Antrag auf die Tagesordnung setzen lassen. Dass sie die nötige Mehrheit erlangen, gilt als höchst unwahrscheinlich.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber schon der Antrag lässt erahnen, welcher Ton in diesem Jahr auf den Hauptversammlungen angeschlagen wird – jenen Veranstaltungen, auf denen die Aktionäre ihren Vorständen und Aufsichtsräten das Geschäftsjahr 2008 absegnen sollen. Mit der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Deutschen Börse sind alle drei Frankfurter Dax-Unternehmen wichtige Akteure der Finanzmärkte. Die Finanzkrise hat sie aber höchst unterschiedlich getroffen.

          Ackermann-Aufseher im Blickpunkt

          Die Deutsche Bank musste zwar im vierten Quartal den ersten Verlust ihrer Nachkriegsgeschichte verzeichnen. Vor allem das ausgeprägte Investmentbanking der größten deutschen Bank hat das Ergebnis tief ins Minus gezogen. Allerdings hat eben jenes Investmentbanking – wenn auch in veränderter Aufstellung – im ersten Quartal 2009 schon wieder einen Milliarden-Gewinn erbracht. Der Vorstandschef Josef Ackermann, erst vor wenigen Wochen für drei weitere Jahre bestellt, darf somit wohl dem Treffen mit den Anteilseignern am 26. Mai in der Festhalle relativ gelassen entgegenblicken.

          Das nützt alles Beschwichtigen nichts: Clemens Börsig steht nach der missglückten Suche nach einem Ackermann-Nachfolger im Blickpunkt

          Es ist eher der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Clemens Börsig, der sich durch sein unglückliches Händchen bei der Suche für einen Nachfolger Ackermanns, in die Schusslinie gestellt hat. Als Börsig nach monatelanger Suche keinen geeigneten Kandidaten gefunden hatte, stellte er sich kurzerhand selbst aufs Podest – und wurde von den übrigen Aufsichtsratsmitglieder wieder heruntergeschubst. Ob Börsig nach dem „personellen Supergau“ noch zu tragen ist, wird von vielen am Finanzplatz bezweifelt.

          Nörgelei von Prinzipienreitern?

          Auch bei der Commerzbank dürften kritische Fragen an den Aufsichtsratsvorsitzenden nicht ausbleiben. Als Klaus-Peter Müller auf der Versammlung vor einem Jahr den Vorstandsvorsitz gegen den Posten des Oberkontrolleurs eintauschte, kam nur vereinzelt Kritik daran auf, dass er durch einen solchen Wechsel quasi vom Bock zum Gärtner würde. Zwischen all dem Lob für Müllers gute Arbeit an der Spitze der Commerzbank gingen die Anmerkungen damals eher als Nörgelei von Prinzipienreitern unter.

          Zwischen damals und heute liegt aber neben unzähligen Veränderungen vor allem die Teilverstaatlichung der Bank. Der Erwerb von 25 Prozent plus einer Aktie durch den Bankenrettungsfonds Soffin steht heute formell als Tagesordnungspunkt 10 zur Abstimmung. Den Aktionären verwässert der Schritt einerseits den eigenen Anteil – darüber hinaus steht ihnen aber auch bis auf weiteres keine Dividende zu.

          In der Rückschau lässt sich schwer beurteilen, warum die Commerzbank zu einem der schwersten deutschen Krisenfälle geworden ist. Dass alle Fehler in die erst ein Jahr dauernde Amtszeit Martin Blessings fallen, ist kaum vorstellbar. Die Auflage der Europäischen Kommission aus der vergangenen Woche, die Eschborner Immobilientochter Eurohypo zu verkaufen, richtet sich in jedem Fall gegen eines der Vorzeigeprojekte aus Müllers Zeit. So dürfte die Frage, ob der frühere Chef wirklich der richtige für die Aufsicht seines Nachfolgers ist, in der Jahrhunderthalle noch einmal aufgegriffen werden.

          Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat schon einen neuen Vorsitzenden, der die Anteilseigner am kommenden Mittwoch in der Jahrhunderthalle begrüßen wird. Im Dezember hatte Manfred Gentz den Posten von Kurt Viermetz übernommen, der auf Druck der Großaktionäre TCI und Atticus abgetreten war.

          Gerüchte um die Nyse

          Inzwischen haben sich die beiden aggressiven Hedgefonds selbst aus der Börse zurückgezogen, was die Hauptversammlung für Vorstandschef Reto Francioni etwas gemütlicher machen dürfte als in früheren Jahren. Hatten TCI und Atticus – die dereinst Francionis Vorgänger Werner Seifert und dessen Aufsichtsratschef Rolf Breuer zu Fall gebracht hatten – doch immer wieder mit Nachdruck ihre Forderungen an die Geschäftsführung verfolgt. Zwar gab es auch vor kurzem wieder Gerüchte, wonach die Deutsche Börse kurz vor einem Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange stehe. Bislang war der Kommentar der Börse dazu aber: Es gibt nichts, was das Unternehmen mitzuteilen hätte.

          An dem Jahresergebnis dürften die Aktionäre zumindest wenig zu bemängeln haben. Erreichte der Marktbetreiber doch im Jahr der Finanzkrise erstmals in seiner Geschichte einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro.

          Wann genau die Hauptversammlung der Commerzbank bei Tagesordnungspunkt 17 ankommt, ist indes schwer zu sagen. Die Veranstalter haben vorsichtshalber in die Einladung geschrieben, dass die Versammlung falls erforderlich noch auf den Samstag ausgeweitet wird – schließlich gibt es nach diesem Jahr viel Erklärungsbedarf.

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