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Frankfurter Banken denken um : Mit dem Firmenrad zur Arbeit

  • -Aktualisiert am

Per Pedale: Viele Unternehmen kümmern sich rührig um die radelnde Belegschaft – andere gar nicht. Bild: Hoang Le, Kien

Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren längst nicht mehr nur die Ökos. Die Commerzbank bietet Mitarbeitern nun Firmenräder, andere Banken haben Umkleiden und Reparaturdienste. Das hat Vorteile.

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          Wenn ein Vorstandsmitglied eigens aus der obersten Etage des Commerzbank-Turms hinabsteigt, dann muss schon ein Thema von gehobener Bedeutung anliegen. Radfahren zum Beispiel. Die Bank will mehr Mitarbeiter dazu bewegen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen und bietet ihnen nun eine Art Firmenrad an. Zur Vorstellung des neuen Leasingmodells kam Personalvorstand Frank Annuscheit Anfang der Woche höchstselbst in das Foyer der Zentrale in der Innenstadt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit gut 1.000 Fahrradhändlern in ganz Deutschland kooperiert die Bank zu dem Zweck. Beim Geschäft in seiner Nähe kann sich ein Mitarbeiter ein Modell aussuchen, ein Angebot einholen und es schließlich über die Bank leasen. Die monatliche Nutzungsrate wird drei Jahre lang direkt von seinem Bruttogehalt abgezogen. Durch den Steuervorteil und eine Versicherung, die gleich mit abgeschlossen wird, kann beim Kauf eines 1.000 Euro teuren Rades eine Ersparnis von 439 Euro entstehen, wie die Commerzbank ihren Mitarbeitern in einer Broschüre vorrechnet. Bei den weniger schweißtreibenden und damit für Anzugträger geeigneteren E-Bikes, die bis zu 4.000 Euro kosten, kann die Ersparnis sogar auf 1.700 Euro steigen.

          KfW bekam Auszeichnung für seine Fahrrad-Infrastruktur

          Die regelmäßige Bewegung mit dem Rad an der frischen Luft tut nach Ansicht von Personalchef Annuscheit nicht nur den Mitarbeitern selbst gut. Auch die Bank profitiere von gesunden Beschäftigten. Und weniger Kohlendioxid-Ausstoß sei gut für die Klimabilanz des Unternehmens. Einen großen Fahrradkeller mit angeschlossenen Duschen im Sockel des Hochhauses gibt es längst.

          Viele Frankfurter Unternehmen haben sich die Förderung des Radfahrens ihrer Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. Die Förderbank KfW mit Sitz an der Palmengartenstraße hat einiges getan und wurde dafür gerade mit dem Bike-and-Business-Award ausgezeichnet, den der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main und der Zweckverband Raum Kassel jährlich vergeben. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) überreichte den Preis.

          Die Stellplätze für 450 Fahrräder seien gut erreichbar, direkt bei den Eingängen, in aller Regel bewacht und zum Teil überdacht, heißt es in der Begründung. Außerdem lobten die Juroren, dass versucht werde, die Fahrradparkplätze in Tiefgaragen unmittelbar an die Umkleideräume und Duschen angrenzen zu lassen. An den Haupteingängen stellt die KfW ihren Mitarbeitern Standluftpumpen zur Verfügung. Bei größeren Schäden können die Mitarbeiter zum nahegelegenen Fachhändler „Per Pedale“ gehen. Für spontane Fahrten innerhalb Frankfurts gibt es Diensträder.

          Radfahrstellplätze günstiger als Autoparkplatz

          „Die KfW hat das Radfahren der Mitarbeiter zur Arbeit ernstgenommen und systematisch darüber nachgedacht, wie die Infrastruktur verbessert werden kann“, sagt Norbert Sanden, Geschäftsführer des ADFC Hessen. So sei es der Bank gelungen, den Anteil der Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit kommen, auf „weit mehr als 15 Prozent“ zu steigern. Neben den Vorteilen für die Gesundheit und den Klimaschutz weist der ADFC Unternehmen auch gerne auf die Kostenvorteile hin, die schon bei den Stellplätzen anfingen. Auf einem einzigen Autoparkplatz können sechs Räder abgestellt werden, so die Rechnung des Fahrrad-Clubs. Und die Fahrradständer sind sowohl im Bau als auch in der Wartung weit günstiger.

          Geht es nach Sanden, kümmern sich aber noch immer zu wenige Unternehmen um ihre radfahrenden Mitarbeiter. „Viele meinen immer noch, die Radfahrer organisieren sich schon irgendwie selbst“, sagt er. Das führe dazu, dass schicke neue Bürotürme gebaut würden, in denen keine Fahrradstellplätze eingeplant seien. „Schauen Sie sich einmal an, wie es hinter manchen Bankentürmen aussieht.“ Im Rahmen des Projekts Bike and Business beraten der ADFC und der Regionalverband Unternehmen dabei, wie sie das Radfahren ihrer Mitarbeiter fördern können. Zudem stellen sie in Aussicht, dass die Betriebe bei der Wegeplanung ihrer Kommunen mitreden können.

          Bundesbank verdoppelte Zahl der Radfahrer in Belegschaft

          Die Deutsche Bundesbank ist schon seit 2004 dabei. Dass die Fußgängerbrücke über die Miquelallee, nahe der Zentrale in Ginnheim, inzwischen fahrradtauglich ist, liegt auch an der „Intervention der Bundesbank“, wie deren Fahrradbeauftragte Ute Groß sagt. Seit Jahren setzt sich die Notenbank auch dafür ein, dass an der Wilhelm-Epstein-Straße in beide Richtungen ein Radweg gebaut wird. Die Planungen ziehen sich allerdings.

          Auf dem eigenen Gelände hat die Bundesbank Groß zufolge in den vergangenen Jahren viel getan – etwa neue, wetterfeste Stellplätze und Spinde eingerichtet. Duschen gibt es im bundesbankeigenen Schwimmbad. Dort stehen auch Fahrrad-Reparatursets und Kartenmaterial zur Verfügung. Außerdem wurde ein neuer Eingang aufs Gelände Richtung Grüneburgpark eingerichtet, damit Radfahrer, die von dort kommen, nicht einmal um den ganzen Zaun herumfahren müssen. An drei Tagen im Jahr können die Bundesbanker sogar auf dem Gelände ihre Räder reparieren und reinigen lassen. Dass das alles gut ankommt, zeigen die Zahlen. Als die Bundesbank 2004 loslegte, das Radeln zu fördern, kamen täglich 174 Mitarbeiter auf dem Velo. Heute sind es an guten Tagen fast doppelt so viele.

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