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Frankfurt verliert Großunternehmen : Der schleichende Exodus aus der Mainmetropole

Radeberger-Brauerei: Suche nach neuem Standort Bild: ©Helmut Fricke

Die Wirtschaft floriert in Frankfurt, und doch beunruhigen die sich häufenden Nachrichten über den Wegzug von Unternehmen. Vor einem Jahr war es die Deutsche Börse, die die Übersiedelung nach Eschborn ankündigte, dann der verbliebene Teil von Evonik, vormals Degussa, der nach Hanau geht. Auch Radeberger verlässt nun die Stadt.

          Die Wirtschaft floriert in Frankfurt, allen Meldungen über den Exodus namhafter Adressen wie zuletzt der Radeberger-Gruppe zum Trotz. Keine Stadt, in der im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Arbeitsplätze zu finden sind. 606.000 waren es nach einer Überschlagsrechnung der Frankfurter Wirtschaftsförderung im vergangenen Jahr, eine Zahl, die nicht einmal während des Booms zu Beginn des Jahrzehnts erreicht worden war, ein neuer Allzeitrekord. So kraftstrotzend geht die Stadt in die bevorstehenden Jahre höherer Arbeitslosigkeit, die auch Frankfurt noch treffen wird, und zwar keineswegs nur wegen der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Die Frankfurter Sorgen sind mehr denn je so, dass andere Großstädte sie auch gern hätten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Und doch beunruhigen die sich häufenden Nachrichten über den Wegzug von Unternehmen. Vor einem Jahr war es die Deutsche Börse, die die Übersiedelung nach Eschborn ankündigte, dann der verbliebene Teil von Evonik, vormals Degussa, der nach Hanau geht, als nächstes das Maschinenbauunternehmen Poly-Clip, das nach Hattersheim zieht. An Berlin verliert Frankfurt mit dem Verband der Automobilindustrie, dem Suhrkamp Verlag und der Bildredaktion der Deutschen Presse-Agentur gleich drei renommierte Adressen. Die Bekanntgabe von Radeberger, mit Sachsenhausen zugleich die Mainmetropole zu verlassen, war nur die jüngste Entscheidung in einer langen Folge.

          Standort für Radeberger

          Die Motive waren jeweils unterschiedlich. Bei der Börse war es die niedrigere Gewerbesteuer in Eschborn, Evonik will sich auf einen einzigen Standort konzentrieren, Radeberger wurde bei der Suche nach einer neuen Fläche nicht fündig. Bei Berlin ist es mal die Nähe zur Regierung, mal die interessante Vermutung, wo sich viele Politiker aufhielten, sei bestimmt auch das geistige Zentrum der Republik zu finden. Nur einmal wohl hatte Frankfurt eine echte Chance, etwas zu reißen – im aktuellen Fall. Denn an Grundstücken für Radeberger fehlte es im Grunde nicht. Gehen muss der Brauereikonzern, weil Kommunalpolitiker vor Jahren geeignete Flächen verknappten, indem sie weite Teile des unbebauten Stadtgebiets zwecks Schaffung eines Grüngürtels als Landschaftsschutzgebiet auswiesen – und in der aktuellen Diskussion nicht bereit waren, diese Nobilitierung wenigstens bei einem kleinen Teil dieses weitläufigen Rings gleich neben dem Autobahnkreuz Bad Homburg zurückzunehmen.

          Es ging dabei, wohlgemerkt, um eine Allerweltsackerfläche hinter dem Möbelhaus Ikea, nicht um unberührte Feuchtbiotope fern städtischer Strukturen. Dass nun womöglich Bad Vilbel zum Zuge kommt, nachdem es sich gegen einen schon etwas problematischeren zweiten Standort für Radeberger in Frankfurt, westlich der B 3, gewehrt hatte, darf wohl als Ausweis kommunalpolitischen Geschicks gelten; auch dort wird freilich, wenn nicht alles täuscht, unbebautes Gebiet neben einer Schnellstraße künftig industriell genutzt, nun aber eben östlich der Bundesstraße.

          Neue Gewerbeflächen

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