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200 Jobs in Frankfurt bedroht : Ringen um Zukunft von Werkzeug-Fabrik beginnt

Auf der Kippe: Fabrik von Günther & Co., Teil der Walter-Gruppe, in Frankfurt-Rödelheim Bild: Helmut Fricke

Nach dem ersten Schock über das drohende Aus für ihren Betrieb fassen die 200 Beschäftigten des Werkzeugherstellers Walter in Frankfurt „ein bisschen Mut“. Die nächsten Schritte der IG Metall stehen fest.

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          Das Ringen um die Zukunft der Frankfurter Fabrik des Werkzeugherstellers Walter beginnt. „Die Beschäftigten fangen an, ein bisschen Mut zu fassen“, berichtete der Geschäftsführer der IG Metall Frankfurt, Michael Erhardt, nach zwei Betriebsversammlungen am Mittwoch. Um 5 Uhr hatten sich Arbeitnehmervertreter mit Arbeitern aus der Nachtschicht getroffen – „diese Versammlung war voll“. Und die Zusammenkunft für die Früh- und die Spätschicht sowie den Angestellten sei „knallvoll“ gewesen. Beide Versammlungen seien von vielen Diskussionen geprägt gewesen, nachdem das Management am Montag angekündigt hatte, die Produktion in der Fabrik in Rödelheim auslaufen lassen und den Standort bis zum nächsten Frühjahr aufgeben zu wollen. Es handelt sich um den Betrieb der Konzerntochter Günther & Co. mit 200 Beschäftigten.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In einem vertraulichen Papier aus dem Unternehmen, das der F.A.Z. vorliegt, lässt die Geschäftsführung keinen Zweifel an ihren Plänen. In einem Frage-Antwort-Katalog verneint sie, dass der lokale Betriebsrat die Schließung abwenden könne. Der Betriebsrat dürfe einen Interessenausgleich und einen Sozialplan mit dem Unternehmen aushandeln, „bevor die Schließung umgesetzt wird“.

          „Auswahl unwahrscheinlich“

          In dem Papier macht die Chefetage auch keine Hoffnung auf eine Sozialauswahl, wie sie in Fällen von Personalabbau verbreitet ist. „Da es sich um eine Schließung aller Aktivitäten der Günther & Co. am Standort Frankfurt handelt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es zu einer Auswahl kommen wird“, heißt es darin.

          Das Unternehmen würde versuchen, Beschäftigten Stellen bei Walter und der Konzernmutter Sandvik anzubieten. Es sei aber nicht geplant, die Stellenzahl an benachbarten anderen Walter-Standorten zu erhöhen.

          „Das ist ein gutes Zeichen“

          Unter den Beschäftigten breitet sich nach dem ersten Schock gleichwohl nun die Stimmung aus, sich die Pläne der Chefetage nicht gefallen lassen zu wollen und im Gegenzug selbst aktiv werden zu müssen. Die Gewerkschaft will nun mit wirtschaftlichen Sachverständigen die ökonomische Begründung der geplanten Aufgabe des Betriebs „auseinandernehmen“ und Alternativen erarbeiten. Dafür braucht sie laut Erhardt das Wissen von Mitarbeitern.

          Im Verlauf der beiden Betriebsversammlungen habe es Signale aus der Belegschaft für eine entsprechende Mitarbeit gegeben. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagte der Gewerkschafter.

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