Ein Oberstaatsanwalt in Handschellen
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Einstiger Ankläger unter Verdacht Mit gesenkten Kopf folgt Alexander B. (links) den Ausführungen des Vorsitzenden Richters. Bild: dpa
Einst war Alexander B. der ranghöchste Korruptionsaufklärer in Hessen. Nun muss sich der suspendierte Oberstaatsanwalt wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit selbst vor dem Landgericht Frankfurt verantworten.
Im Leben trifft man sich immer mindestens zwei Mal. In mehr als 20 Dienstjahren wird Alexander B. den Oberstaatsanwälten Gisela Leimeister und Michael Loer mit Wahrscheinlichkeit häufiger auf den Gängen der Frankfurter Staatsanwaltschaften und an den Gerichten in Hessen begegnet sein. Auch mit Werner Gröschel, dem Vorsitzenden Richter, gab es mehrmals Kontakt. Doch an diesem Freitagmorgen am Landgericht Frankfurt endet ein Lebensabschnitt für den 55 Jahre alte Juristen B. – und es beginnt ein neuer.
Mit einem Aktenordner über seine mit Handschellen gefesselten Händen betritt B. gegen 10 Uhr den Sitzungssaal am Frankfurter Landgericht. Dann nimmt er, nicht auf der ihm so lange vertrauten Seite Platz. Für die kommenden Monate ist ihm die zweite Reihe der Anklagebank, neben seinem Strafverteidiger Andreas Hohnel zugedacht: Vor der Großen Strafkammer beginnt der Prozess gegen Alexander B. und einem mitangeklagten Unternehmer. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern gewerbsmäßiger Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung vor.
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