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Frankfurt : Messe wächst weiterhin nur im Ausland

Auf neuen Wegen: Wolfgang Marzin. Bild: Wonge Bergmann

Die Messe Frankfurt ist glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. Wolfgang Marzin, seit April Vorsitzender der Geschäftsführung, berichtete am Montag, in diesem Jahr werde der Konzern einen Rekordumsatz erreichen.

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          Die Messe Frankfurt ist glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. Wolfgang Marzin, seit April Vorsitzender der Geschäftsführung, berichtete am Montag, in diesem Jahr werde der Konzern einen Rekordumsatz in Höhe von 450 Millionen Euro erreichen. 2009 hatte der Umsatz 424 Millionen betragen. Allerdings ist dies ausschließlich auf Wachstum im Ausland zurückzuführen, nicht auf neue Messen oder wachsende Veranstaltungen in Frankfurt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Auslandsumsatz erhöhte sich im zu Ende gehenden Jahr von 90 auf 114 Millionen Euro. Die Messegesellschaft exportiert seit vielen Jahren ihre in Frankfurt entwickelten Konzepte; die Fachmesse Automechanika für die Zuliefererbranche zum Beispiel findet seit Jahren unter anderem auch in Sankt Petersburg und Buenos Aires statt. Die größte Automechanika nach der Mutter-Veranstaltung in Frankfurt hat sich in Schanghai entwickelt, dort zeigten zuletzt 3100 Unternehmen ihre Produkte. In Frankfurt waren es im Herbst 4500 gewesen. Die rasch wachsenden Märkte in Fernost sind Schwerpunkt der Auslandstätigkeit.

          Neue Wege

          Messechef Marzin wies gestern bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen für 2010 gleichwohl darauf hin, dass trotz des seit Jahren anhaltenden Wachstums des Auslandsgeschäfts die Heimat nicht vergessen wird. Als Erfolg gilt etwa, dass es in diesem Jahr gelungen ist, den Abwärtstrend bei der Herbstmesse zu stoppen. Während es sich bei ihrem Pendant, der Frühjahrsmesse, nach wie vor um die größte Schau von Konsumgütern auf der Welt handelt, litt die Herbstmesse unter sinkenden Aussteller- wie auch Besucherzahlen, weil der August-Termin als zu spät für das immer zeitiger beginnende Weihnachtsgeschäft gilt. Eine Vorverlegung auf Juni hatte den Niedergang jedoch nicht stoppen können, so dass man es nun abermals im August versucht.

          Neue Wege beschreitet die Messegesellschaft mit einer Verbrauchermesse namens Maintier im Juni, die sich an Freunde von Heimtieren wendet. Gewöhnlich organisiert der Konzern hingegen Messen für ein Fachpublikum; dies soll Marzin zufolge auch so bleiben. Ende Januar wird erstmals die Messe M-Days stattfinden, bei der man sich mit Werbung auf dem Handy beschäftigt; die Veranstaltung zieht gleichzeitig mit einem Kongress zu diesem Thema von München nach Frankfurt. Erstmals findet zusammen mit der Fachmesse Techtextil, bei der es um von der Industrie verwendete Stoffe wie in Sicherheitsgurten geht, eine zweite Messe mit der Bezeichnung Texprocess statt, die die Verarbeitung solcher Stoffe zum Thema hat. Von der für Januar geplanten Messe für Bürobedarf, der Paperworld, wird schließlich eine neue Schau namens Creativworld abgespalten, die sich mit Künstler- und Bastlerbedarf befasst.

          Mit regelmäßigen Gewinnen die einzige in Deutschland

          Marzin nahm diese neuen Entwicklungen als Beleg dafür, dass es für die Geschäftsführung weiterhin besonders wichtig sei, den Standort Frankfurt zu stärken. Die Strategie laute trotz des rasch wachsenden Auslandsgeschäfts „Frankfurt first“. Für das nächste Jahr kündigte er eine Untersuchung an, wie die örtliche Wirtschaft von Messen in Frankfurt profitiert.

          Die großen Investitionen auf dem Messegelände sind allerdings zunächst mit dem Bau der Halle 11 und des benachbarten Portalhauses beendet; von dem Plan, den Platz vor der Festhalle umzugestalten und dort zudem ein Bürogebäude zu errichten, ist gegenwärtig keine Rede. Wegen der Belastungen durch die Investitionen der vergangenen Jahre sank der Gewinn nach Steuern 2010 von 23,4 auf 20 Millionen Euro. Wie bisher sollen die Anteilseigner, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen, eine Dividende erhalten. Die Frankfurter Messe ist die einzige in Deutschland, die regelmäßig Gewinne ausschüttet.

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